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»Dysfunktionale Technologien«
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Kassenärzte-Chef fordert Neustart beim E-Rezept

Kassenärzte-Chef Andreas Gassen fordert einen kompletten Neustart bei der Digitalisierung der Arztpraxen. Weder die elektronische Patientenakte noch das elektronische Rezept funktionierten bisher, sagte er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. 
AutorKontaktdpa
AutorKontaktPZ
Datum 17.10.2022  12:00 Uhr

Die Ärzte und das E-Rezept – das ist eine lange Geschichte. Während die Apotheken in Deutschland seit dem 1. September ready für die digitale Verordnung sein müssen und es auch sind, kommen die Ärzte der Entwicklung nur schleppend hinterher. Und das, obwohl sie für die Testphase ohnehin mehr Zeit eingeräumt bekommen haben. Von Medizinerseite kam dennoch immer wieder Protest gegen die digitale Neuerung.

Schon im Sommer forderten die Ärzte einen Komplett-Stopp des Projekts. Zudem sorgte für Aufsehen, dass die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) nach PZ-Informationen bei einer Gesellschafterversammlung der Gematik im vergangenen Juni laut darüber nachdachte, sich an der weiteren Einführung des E-Rezepts nur dann zu beteiligen, wenn es monetäre Anreize für die E-Rezept-Ausstellung gebe. Dem Vernehmen nach forderte die KBV einen konkreten Cent-Betrag pro ausgestellter Digital-Verordnung.

GKV-Spitzenverband: Pragmatische Lösungen nötig

KBV-Chef Andreas Gassen erteilte dem Status quo des Projekts jetzt erneut eine Absage. Den Zeitungen der Funke-Mediengruppe sagte er: »Man muss jetzt den Mut haben, offenkundig dysfunktionale Technologien zu beenden, frisches Geld in die Hand zu nehmen und das Ganze noch mal neu aufsetzen. Das wird vielleicht noch einmal die eine oder andere Milliarde kosten. So aber verbrennt die Digitalisierung auch viel Geld und hemmt die Praxen bei ihrer Arbeit - und bringt letztlich nichts.»

Der GKV-Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen hielt dagegen. Verbandssprecher Florian Lanz sagte der dpa: «Die Digitalisierung des Gesundheitswesens braucht keinen Neustart, sondern ein entschlossenes Voranschreiten mit pragmatischen Lösungen», sagte. Es erstaune auch, wie locker nach dem Geld der Beitrags- und Steuerzahler gerufen werde. «Wer immer nur sagt, was nicht geht, schafft keine positiven Veränderungen.»

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