| Alexander Müller |
| 02.01.2026 13:30 Uhr |
Mit anderen Worten: Die Kassen wollen eigentlich gar kein Geld mehr für pDL ausgeben – auch nicht für neue Leistungen. So heißt es in der Stellungnahme auch: »Die Streichung der bisherigen pharmazeutischen Dienstleistungen könnte bei fehlender Folgevereinbarung durch Krankenkassen mit Apotheken dazu führen, dass Versicherte Dienstleistungen nicht mehr in Apotheken erhalten. Gleichartige Leistungen werden jedoch auch von Ärztinnen und Ärzten angeboten.«
Doch die wiederholt von den Kassen vorgetragene Forderung nach Rückführung der Gelder aus dem pDL-Topf übersieht mehrere praktische Probleme. Zum einen handelte es sich mitnichten ausschließlich um GKV-Gelder, da auch die Private Krankenversicherung in den Topf einzahlt. Zweitens ließe sich beim Nacht- und Notdienstfonds (NNF), der das Geld verwaltet, gar nicht nachvollziehen, über welche Kasse wie viel Geld eingeflossen ist. Denn die Rechenzentren melden zwar die Summe, aber nicht aufgegliedert nach Krankenkassen.
Selbst bei den Kassen selbst dürfte das schwierig werden, weil Versicherte mitunter die Kasse wechseln und stichtagsgenau nachvollzogen werden müsste, in wessen Namen die 20 Cent bei einer Abgabe eingezahlt wurden. Der Gesetzgeber ist neben der politischen Überzeugung wohl auch aufgrund dieser technischen Hürden bislang nicht auf die Forderung der Kassen eingegangen.
Der GKV-SV hatte sich dagegen schon in der Stellungnahme zum ApoVWG kritisch zu pDL geäußert. Diese hätten sich entgegen der gesetzgeberischen Intention »als Nischenthema« erwiesen. Insofern sei die Schaffung neuer pharmazeutischer Dienstleistungen nicht nachvollziehbar, da sie neue Ausgaben generierten – ohne Evidenz für deren Bedarf oder Versorgungsnutzen.
»Vor dem Hintergrund der angespannten finanziellen Lage hält der GKV-Spitzenverband seine Forderung einer Rückführung der Mittel an die Krankenassen aufrecht«, hieß es auch in der Stellungnahme zum ApoVWG. Für die Umwidmung des Zuschlags für Notdienste sehen die Kassen ebenfalls keinen Bedarf. Da die pDL weiter erstattet werden sollen – vorerst aus dem gut gefüllten Topf – befürchten die Kassen zusätzliche Ausgaben für pDL, wenn der Topf aufgebraucht ist.
Tatsächlich steigen die Abrufzahlen und lagen zuletzt rund 20 Prozent über Vorjahresniveau. Gleichwohl fließt immer noch mehr Geld in den pDL-Topf, als von den Apotheken umgesetzt wird.