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Vernachlässigte Tropenkrankheit
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Kala-Azar endet unbehandelt meist tödlich

Eine globale Gesundheitskrise, aber kaum einer schaut hin: So werden die vernachlässigten Tropenkrankheiten beschrieben. Diese Erkrankungen bedrohen etwa jeden fünften Menschen weltweit. Eine davon ist Kala-Azar, das »schwarze Fieber«.
AutorKontaktBrigitte M. Gensthaler
Datum 29.01.2026  14:00 Uhr

Derzeit bezeichnet die Weltgesundheitsorganisation (WHO) 21 Erkrankungen als vernachlässigte Tropenkrankheiten (Neglected Tropical Diseases, NTD) (Kasten). Diese betreffen mehr als 1,4 Milliarden Menschen, vor allem in den ärmsten und am meisten benachteiligten Regionen der Welt. Oft führen sie zu Behinderungen, Stigmatisierung und Ausgrenzung.

Der Welt-NTD-Tag am 30. Januar steht unter dem Motto »Unite. Act. Eliminate.« – ein Appell, die Zusammenarbeit zu verstärken, entschlossen zu handeln und das gemeinsame Ziel der NTD-Eliminierung voranzutreiben. Dass dies möglich ist, zeigt die nahezu vollständige Eliminierung der Dracontiasis (Guineawurm-Krankheit) weltweit und die Eliminierung der Onchozerkose (Flussblindheit) in Teilen Lateinamerikas (DOI: 10.25646/13667).

Auslöser von NTD sind häufig Viren, Bakterien, Parasiten und Pilze, aber auch Toxine. Viele Erreger werden von Vektoren übertragen, haben tierische Reservoirs und komplizierte Lebenszyklen. Ein Beispiel ist Kala-Azar, die viszerale Leishmaniose.

Anlässlich des Welt-NTD-Tags weist die Hilfsorganisation »Ärzte ohne Grenzen« (MSF) darauf hin, dass jedes Jahr weltweit bis zu 90.000 Menschen an Kala-Azar erkranken, vor allem in Äthiopien, Brasilien, Kenia und im Sudan. Aufgrund der Klimakrise würden die übertragenden Sandmücken inzwischen auch im Mittelmeerraum gesichtet. Im Jahr 2023 sei es zu mindestens 202 in Europa erworbenen Fällen von Kala-Azar gekommen. Daher zähle die Leishmaniose zu den »klimasensiblen Krankheiten«, heißt es bei MSF.

Drei Hauptformen der Leishmaniose

Als Leishmaniosen bezeichnet man Erkrankungen, die durch Leishmanien (Protozoen) verursacht werden. Natürliches Reservoir dieser Parasiten sind Hunde und Nagetiere, aber auch Faultiere, Ameisenbären und Gürteltiere. Die Übertragung vom Tier auf den Menschen oder von Mensch zu Mensch erfolgt durch den Stich von weiblichen Sandmücken (Phlebotomus-Arten).

Es gibt drei Hauptformen:

  • Die kutane Leishmaniose (Orientbeule) verursacht Hautwunden, häufig im Gesicht, an Nacken, Armen und Beinen. Die Geschwüre können monatelang fortbestehen und verheilen meist narbig . Laut WHO treten weltweit jährlich 600.000 bis 1 Million Neuerkrankungen auf.
  • Durch Verbreitung der Erreger über Blut- und Lymphgefäße können Schleimhäute, zum Beispiel im Nasen-Rachen-Raum, erkranken. Die mukokutane Leishmaniose zerstört die Schleimhäute teilweise oder komplett. Mehr als 90 Prozent der Betroffenen leben in Bolivien, Brasilien, Peru und Äthiopien.
  • Die schwerste Form ist die viszerale Leishmaniose, bei der sich die Erreger systemisch ausbreiten und innere Organe befallen. Der Name Kala-Azar kommt aus dem indischen Hindi und heißt »schwarzes Fieber«. Betroffen sind meist Leber, Milz, Darm, Nieren und Knochenmark, was zu Fieber, Organversagen und Anämie führen kann. Unbehandelt sterben laut WHO bis zu 95 Prozent der Patienten. Da nicht zwingend Hautläsionen auftreten, erfolgt die Diagnose häufig erst spät.

Therapie von Kala-Azar

Die Behandlung von Kala-Azar-Patienten erfolgt immer medikamentös. Das Medikament der ersten Wahl ist liposomales Amphotericin B (Ambisome®). Gemäß der S1-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der viszeralen Leishmaniasis beträgt die Gesamtdosis 20 mg/kg, verteilt auf mindestens fünf Einzeldosen von jeweils 3 bis 4 mg/kg als zweistündige Infusion über einen Zeitraum von 10 bis 21 Tagen.

Mittel der zweiten Wahl ist Miltefosin (Impavido®). Die tägliche Dosis beträgt 1,5 bis 2,5 mg/kg Körpergewicht oral zu den Mahlzeiten, bis maximal 150 mg/Tag, über 28 Tage. In Schwangerschaft und Stillzeit ist das Antiprotozoenmittel kontraindiziert.

Andere Arzneistoffe wie Amphotericin B und Paromomycin gelten als Reservemittel. Dies gilt auch für fünfwertige Antimonverbindungen, die billiger sind und in den Tropen noch häufig verwendet werden, aber gravierende Nebenwirkungen auslösen können. 

Bei nicht-immunkompetenten Erkrankten sind Rückfälle möglich. Generell sind HIV-infizierte Patienten hoch gefährdet für schwere und letale Verläufe. Eine erfolgreiche antiretrovirale Therapie reduziert jedoch die Entwicklung der Leishmaniose, die Rückfall- und Todesrate. Besonders viele HIV-Leishmaniose-Koinfektionen verzeichnet die WHO in Brasilien, Äthiopien und in Bihar (Indien).

Prävention ist wichtig

Die frühzeitige Diagnose und rasche Behandlung sind wichtig, weil sie die Krankheitslast reduzieren und Behinderung und Tod der Patienten verhindern können. Zudem tragen sie dazu bei, die Verbreitung und Übertragung der Leishmaniose zu verringern. Wichtige Maßnahmen vor Ort sind die Vektorkontrolle mit Bekämpfung der Sandmücken und die Aufklärung der Bevölkerung.

Entscheidend für Reisende ist der Schutz vor Mückenstichen mittels langer Kleidung, Repellenzien und imprägnierten Moskitonetzen. Eine Impfung ist nicht verfügbar. 

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