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Kritik an Werbedeal
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Jauch reagiert auf Mail einer Apothekerin

Dass TV-Moderator Günther Jauch für Shop Apotheke wirbt, kommt bei den Apotheken nicht gut an. Eine Apothekerin aus Schleswig-Holstein hat sich an Jauch gewandt und ihn nach seinen Beweggründen gefragt. Sie erhielt Antwort. Auf eine Einladung zu einem Praktikum ging diese aber nicht ein. 
AutorKontaktCornelia Dölger
Datum 20.02.2025  15:00 Uhr
Jauch reagiert auf Mail einer Apothekerin

Weil bei lokalen Apotheken und Versendern »mit zweierlei Maß gemessen wird«, entschloss sich die Apothekerin Birgit Zimmermann im vergangenen Herbst, Jauch nach seinen Beweggründen für die Werbeaktion zu fragen. Die ungleichen Wettbewerbsbedingungen hätten sie besorgt, so Zimmermann zur PZ.

Vor dem Hintergrund, dass nicht wenige Apotheken um ihre Existenz fürchten, während große Versender Rekordsummen einfahren, sah die Inhaberin der drei Pharmazeutix-Apotheken in Henstedt-Ulzburg im Kreis Segeberg die Notwendigkeit, hier Aufklärung zu leisten – und zwar direkt und persönlich. So setzte sie sich hin und schrieb am 17. Oktober vergangenen Jahres eine Mail an den TV-Moderator.

Sie erkundigte sich in dem Schreiben, warum Jauch, den sie stets für seine Schlagfertigkeit und seinen Witz bewundert habe, sich zu der Werbeaktion für Shop Apotheke habe verleiten lassen. Schließlich sei es sehr verwunderlich, dass »fremdgesteuerte Großkonzerne« dem funktionierenden Versorgungsnetz durch Apotheken vorgezogen werden sollten, so die Apothekerin.

Versorgung sollte persönlich, nah und in hoher Qualität erfolgen. Ohne die direkte, wohnortnahe Versorgung durch die Apotheken sei doch »alles Weitere im Leben gar nicht möglich«, so Zimmermann. »Denken Sie einmal darüber nach.«

Antwort kommt nach drei Tagen

Apotheke sei »viel mehr als Schubladeziehen«, betont sie. Apotheke sei »Wissenschaft, Heilberuf, soziale Anlaufstelle, Begleitung von der Geburt bis um Tod, Logistik«. Zudem trügen Apotheken dazu bei, wohnortnahe Ausbildungs- und Arbeitsplätze, in erster Linie für Frauen, zu schaffen und die Attraktivität von Orten und Städten zu erhalten. All dies könne zerstört werden, »Schritt für Schritt«, warnt sie. »Tun Sie das bitte nicht«, appelliert Zimmermann an den Moderator.

Nur drei Tage später bekommt die Apothekerin eine Antwort, »mit freundlichen Grüßen von Potsdam nach Henstedt-Ulzburg«, offenbar von Günther Jauch persönlich unterschrieben. Zimmermann stuft die Mail als Serienmail ein, die wohl auch andere Apotheker bekommen hätten. 

In dem Schreiben, das der PZ vorliegt, räumt Jauch ein, dass er nicht jedes von Zimmermans Argumenten »kompetent« widerlegen könne, obwohl er in den vergangenen Monaten »redlich versucht habe«, sich in die Materie einzuarbeiten. Zimmermann habe »eine Fülle von ernstzunehmenden Punkten« für ihre Position formuliert.

»Natürlich bleibt die Apotheke vor Ort eine wichtige Instanz«, schreibt Jauch. Die Vorteile der Präsenzapotheke seien »nicht zu verkennen«, ebensowenig die Vorteile des Apothekennotdienstes. Es gelte aber, die Wahl zwischen stationären und digitalen Dienstleistungen zu haben, auch im Apothekenbereich. Dass lokale Apotheken dadurch Umsatzanteile an die digitale Konkurrenz verlieren, »sei dabei durchaus eingeräumt«.

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