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Augenerkrankungen
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Irisfarbe als Risikofaktor

Die Augenfarbe bestimmt einen wesentlichen Teil des Erscheinungsbildes von Menschen – und ihre Neigung zu bestimmten Augenerkrankungen. Auch das Ergebnis von Eingriffen wie Hornhauttransplantationen hängt mit der Farbe der Iris zusammen. Experten der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) erklären, was bisher über die Irisfarbe als unabhängigen Risikofaktor bekannt ist.
AutorKontaktWiebke Gaaz
Datum 20.06.2023  09:00 Uhr
Dunkle Augen: Erhöhtes Risiko für Katarakt und Transplantationskomplikationen

Dunkle Augen: Erhöhtes Risiko für Katarakt und Transplantationskomplikationen

Bei Menschen mit braunen Augen entwickele sich eine Katarakt (Linsentrübung oder Grauer Star) zwei- bis viermal so häufig wie bei blauäugigen Menschen. Da die Iris dunkeläugiger Menschen mehr Melanin enthalte, absorbierten ihre Augen mehr Licht. Das führe zu einer höheren Temperatur in der vorderen Augenkammer, was wiederum ein bekannter Risikofaktor für die Entstehung eines Grauen Stars sei, so Cursiefen. Die hitzebedingte Katarakt sei als Berufskrankheit anerkannt – etwa bei Schweißern.

Auch bei operativen Eingriffen sollte die Augenfarbe berücksichtigt werden. Abstoßungsreaktionen nach einer Hornhauttransplantation würden bei dunkler Iris häufiger beobachtet. »Hier wird ein Einfluss des Melanins auf das Immungeschehen in der vorderen Augenkammer vermutet«, sagt der Augenarzt. Womöglich verstärke das Pigment entzündliche Prozesse. Die Häufigkeit dieser Komplikation lasse sich jedoch mittlerweile durch Anwendung von schonenderen Techniken reduzieren. Cursiefen und Kollegen haben in einer eigenen Arbeit die Komplikationsrate bei der minimal invasiven DMEK (Descemet Memrane Endothelial Keratoplasty) untersucht und keinen Effekt der Augenfarbe auf das Transplantatüberleben nachweisen können. Bei diesem Verfahren wird die Hornhaut nicht in ihrer gesamten Dicke ausgetauscht, sondern lediglich die innerste Schicht der Hornhaut transplantiert. Offenbar ist es durch diesen Ansatz gelungen, eine Immunaktivierung im Auge zu vermeiden und den Einfluss des Melanins auszuschalten.

»Die Beispiele zeigen, dass scheinbar unbedeutende Faktoren wie die Augenfarbe im klinischen Alltag durchaus relevant sein könnten«, resümieren die Experten.

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