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Augenerkrankungen
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Irisfarbe als Risikofaktor

Die Augenfarbe bestimmt einen wesentlichen Teil des Erscheinungsbildes von Menschen – und ihre Neigung zu bestimmten Augenerkrankungen. Auch das Ergebnis von Eingriffen wie Hornhauttransplantationen hängt mit der Farbe der Iris zusammen. Experten der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) erklären, was bisher über die Irisfarbe als unabhängigen Risikofaktor bekannt ist.
AutorKontaktWiebke Gaaz
Datum 20.06.2023  09:00 Uhr

Melanin ist der schwarz-bräunliche Farbstoff, der die Haut- und Haarfarbe sowie die Augenfarbe der Menschen bestimmt. Das biologische Pigment wird vor allem in den Melanozyten und im retinalen Pigmentepithel gebildet und schützt die Haut vor den UV-Strahlen des Sonnenlichts. Es wandelt die aufgenommene Lichtenergie in Bruchteilen einer Millisekunde in Wärmeenergie um und beugt so einer Zellschädigung durch Radikale vor.

Die verschiedenen Augenfarben beruhten auf Lichtbrechungseffekten, die bei verschiedenen Melaningehalten zum Tragen kämen, erklärt Professor Dr. Claus Cursiefen, Direktor des Zentrums für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Köln und Generalsekretär der DOG, in einer Pressemitteilung der Gesellschaft. Bei Menschen mit der angeborenen Pigmentstörung Albinismus blieben die Augen sehr hell, da aufgrund eines Gendefekts kein Melanin produziert werde. Da Melanin nicht nur in der Iris, sondern auch im Pigmentepithel der Netzhaut enthalten sei, entwickelten die Betroffenen aufgrund von Fehlentwicklungen im Augenhintergrund häufiger Sehstörungen und reagierten besonders empfindlich auf Lichteinfall.

Helle Augen: Häufiger AMD und Aderhauttumore

Wie in der Haut filtert Melanin auch in der Iris sowohl den sichtbaren Teil des Lichtspektrums als auch dessen UV-Anteil. Bei einem niedrigen Melaningehalt steigt deshalb das Risiko, an einem aggressiven Tumor der Aderhaut (uveales Melanom) zu erkranken. »Dieser seltene Krebstyp findet sich bei helläugigen Menschen 20 bis 30 Mal häufiger als bei Menschen mit dunklen Augen«, erläutert Professor Dr. Nikolaos Bechrakis, Präsident der DOG und Direktor der Universitätsaugenklinik Essen.

Ebenso sei der niedrigere Melaningehalt wahrscheinlich ein Risikofaktor für das Auftreten der altersabhängigen Makuladegeneration (AMD). »Bei der Entstehung der AMD spielen freie Radikale, oxidativer Stress und die Ansammlung von Abfallprodukten im Bereich der Netzhaut eine Rolle – Prozesse, die durch UV-Licht verstärkt werden«, sagt Cursiefen.

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