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Auf den letzten Drücker

18.11.2002
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Steuertipp

Auf den letzten Drücker

von Markus Händler und Klaus-Martin Prang, Hannover

Das Jahresende rückt mit großen Schritten näher. Letzte Chance also, für 2002 noch steuergestaltend aktiv zu werden.

Steuern sparen - eine verlockende Vorstellung für jeden von uns. Gerade zum Ende eines Jahres locken viele Angebote mit dem vermeintlichen Gütesiegel „Dem Finanzamt ein Schnippchen schlagen“. Dabei ist das Steuern sparen nur die eine Seite der Medaille. Immer darf auch die Entwicklung der Vermögenswerte nicht außer acht gelassen werden. Es muss das Motto gelten „Steuern sparen ja - Vermögen vernichten nein“.

Bevor man sich mit den Möglichkeiten der Steueroptimierung 2002 beschäftigt, empfiehlt es sich, von seinem Steuerberater eine Ergebnisplanung einzufordern. Aus dieser muss sich die Steuerbelastung für das laufende Jahr unter Berücksichtigung des hochgerechneten Apothekengewinns sowie möglicher weiterer Einkünfte ergeben. Erst danach kann man in einem Strategiegespräch die Möglichkeiten der Steueroptimierung beleuchten.

Für 2002 bietet sich an:

  • Ansparabschreibung, das bedeutet das Vorziehen von Steuerminderungen für Investitionen in die Apotheke, die man erst in späteren Jahren beabsichtigt. Gerade weil gewiss ist, dass die Steuersätze in den nächsten Jahren sinken werden und weil auch die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass sich die Apothekengewinne eher negativ entwickeln werden, empfiehlt es sich, gemeinsam mit dem Steuerberater dieses Gestaltungsinstrument zu diskutieren.
  • Kauf von geringwertigen Wirtschaftsgütern (Nettokaufpreis bis 410 Euro) noch in diesem Jahr, wegen möglicher rückläufiger Gewinne in den Folgejahren.
  • Bei größeren Erhaltungsaufwendungen für vermietete Objekte prüfen, ob die Bezahlung von Rechnungen (gegebenenfalls auch Abschläge) in diesem oder im nächsten Jahr sinnvoll ist. Für den steuerlichen Abzug ist maßgebend, wann die Rechnung dem Konto belastet wird.
  • Sicherung von Kindergeld, denn schon 1 Euro zuviel Einkünfte des Kindes führt zum vollen Verlust des Kindergeldes für 2002. Die maßgebende Grenze beträgt für dieses Jahr rund 7200 Euro. Hier sollte der Steuerberater bei der überschlägigen Rechnung helfen, gegebenenfalls können weitere Werbungskosten des Kindes oder negative Einnahmen aus Kapitalvermögen die Lösung sein.
  • Sicherung der Eigenheimzulage, wenn man in diesem oder im nächsten Jahr den Einzug in das eigene Haus oder die eigene Wohnung plant. Denn die Zulage vom Staat ist an bestimmte Einkunftsgrenzen gekoppelt. Zudem ist geplant, ab 2003 die Eigenheimzulage nur noch unter erschwerten Voraussetzungen zu gewähren. Ein Bauantrag beziehungsweise der Abschluss des notariellen Kaufvertrages noch in diesem Jahr kann hier altes Recht retten.

Beteiligungsangebote für geschlossenen Fonds (Immobilien, Schiff, Medien) sollten genau geprüft werden. Gerade in diesem Bereich werden Investitionsentscheidungen über große Beträge unter hohem Zeitdruck getroffen. So wurden zum Beispiel im vergangenen Jahr 36 Prozent aller Fondsanteile erst im Dezember gezeichnet. Immerhin: Insgesamt haben die Deutschen im vergangenen Jahr rund 9 Milliarden Euro aus eigener Tasche in solche Beteiligungsangebote gesteckt. Hinzu kamen noch einmal 10 Milliarden Euro Darlehensmittel.

Grundsätzlich sollte man sich eine Leistungsbilanz des Anbieters vorlegen lassen und klären, ob bisherige Fondsangebote prospektmäßig verlaufen sind.

Bei den Immobilienfonds sollten Prognosen für mindestens 15 bis 20 Jahre vorgelegt werden. Das Objekt darf sich auch nicht erst bei einem Vermietungsstand von 100 Prozent rechnen (Leerstände sind einzuplanen). Die „weichen Kosten“ (Geld, was nicht unmittelbar der Immobilie zugute kommt) sollten nicht mehr als 15 Prozent betragen. Die Höhe des Kaufpreises sollte angemessen sein (Richtgrößen sind bei Fach- und SB-Märkten das 13-fache, bei Büroräumen das 14,5-fache der Jahresmiete).

Bei den Schiffsbeteiligungen spielen Marktsituation und Bonität des Charterers eine entscheidende Rolle. Die „weichen Kosten“ sollten hier die 20-Prozent-Grenze nicht überschreiten.

Medienfonds stellen im Bereich der Fondsbeteiligungen das chancen- aber auch risikoreichste Investment dar. Die Verwertungsmöglichkeiten für Filmproduktionen scheinen unerschöpflich (Kino, Video/DVD, Pay- und Free-TV, Merchandise), aber eben nur dann, wenn das Publikum mitspielt. Von daher sollten diese Angebote genau und mit der nötigen Beratungs- und Bedenkzeit unter die Lupe genommen werden.

Die Möglichkeiten, Verluste aus solchen Beteiligungsangeboten steuerlich recht schnell geltend machen zu können, werden sich aller Voraussicht nach bald verschlechtern. So plant der Bundesfinanzminister einen umfangreichen Fonds-Erlass mit einschränkenden Regelungen. Die jetzige Rechtslage soll aber noch gelten, wenn der Fonds mit seinem Außenvertrieb vor dem 1. September 2002 begonnen hat und der Anleger bis spätestens Ende 2003 beigetreten ist.

In jedem Fall gilt: Alle Entscheidungen, die sich rund ums Steuern sparen drehen, sollten in Ruhe und mit Sorgfalt getroffen werden. Denn was nützt einem die vermeintliche Steuerersparnis, wenn man anschließend nicht mehr ruhig schlafen kann. Der Steuerberater sollte die nötige Unterstützung bieten können.

 

Anschrift der Verfasser:
Dipl. Kfm. Dr. Klaus-Martin Prang, Steuerberater
Markus Händeler, Steuerberater
Treuhand Hannover GmbH
Hildesheimer Straße 271
30519 Hannover
km.prang@treuhand-hannover.de
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