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Finanzierungsprobleme durch sinkende Überschussbeteiligung

04.11.2002  00:00 Uhr
Steuertipp

Finanzierungsprobleme durch sinkende Überschussbeteiligung

von Klaus-Martin Prang, Hannover

Zurzeit geht bei vielen Kunden von Lebensversicherungen unangenehme Post ein. Die Versicherer teilen ihren Kunden mit, dass die Leistungen, die sie bei Vertragsbeginn in Aussicht gestellt haben, voraussichtlich niedriger ausfallen werden. Probleme ergeben sich vor allem für Immobilieneigentümer, die den Kauf auf Grundlage der ursprünglichen Ablaufleistung finanziert haben.

Viele Lebensversicherungen haben in den vergangenen Wochen erneut die Überschussbeteiligungen von Kapital-Lebensversicherungen gesenkt. Ursache hierfür sind die anhaltenden Schwierigkeiten an den Kapitalmärkten. Durch die schlechte Ertragslage an den Börsen und die niedrigen Zinsen sind die Versicherer vielfach selbst in eine Finanzkrise geraten.

Mit den Überschussbeteiligungen sinken automatisch auch die Ablaufleistungen der Versicherungen. Das sind die Beträge, die der Versicherer am Laufzeitende auszahlt. Vor allem in Verträgen mit langer Restlaufzeit können sich durch den Zinseszinseffekt erhebliche Abweichungen von den prognostizierten Ablaufleistungen ergeben.

Die Finanzierung einer Immobilie unter Einsatz einer Kapital-Lebensversicherung ist eine beliebte Gestaltung. Dabei vereinbart die Bank mit dem Kunden, dass das gewährte Darlehen am Ende der Laufzeit in einer Summe getilgt wird. Das Darlehen ist also tilgungsfrei. Nur die Zinsen sind zu zahlen. Gleichzeitig schließt der Kunde eine Kapital-Lebensversicherung ab. Die spätere Versicherungsleistung wird zur Tilgung des Darlehens eingesetzt. Dabei wird die gewählte Versicherungssumme einschließlich der prognostizierten Überschussbeteiligung so gewählt, dass die tatsächliche Auszahlung zur Tilgung ausreicht. Wird die erworbene Immobilie vermietet, mindern die Schuldzinsen für die Darlehensgewährung die Steuerbelastung. Die Überschussbeteiligung stellt hingegen einen steuerfreien Kapitalertrag dar, soweit für mindestens fünf Jahre Beiträge geleistet wurden und die Laufzeit mindestens zwölf Jahre beträgt.

Konzept geht nicht mehr auf

Auf Grund der Absenkung der Überschussbeteiligung geht dieses Konzept unter Umständen nicht mehr auf. Deshalb sollte man sich von der Lebensversicherungsgesellschaft die kalkulierte Ablaufleistung neu berechnen lassen. Sollte sich hierbei herausstellen, dass es zu einer Finanzierungslücke kommt, sind beispielsweise folgende Maßnahmen denkbar:

  • Man kann den Versicherungsvertrag wie bisher weiterlaufen lassen, und zusätzlich Geld für eine eventuelle Finanzierungslücke ansparen.
  • Es besteht auch die Möglichkeit, den Vertrag für die restliche Laufzeit beitragsfrei zu stellen. Die nun nicht mehr zu zahlenden Beiträge werden gespart oder zur laufenden Tilgung eingesetzt.
  • Es ist auch zu überlegen, ob die Versicherung gekündigt und der Rückkaufswert beziehungsweise die gesparten Beiträge zur Tilgung des Darlehens eingesetzt wird. Dies ist steuerlich allerdings nur zu empfehlen, wenn die Lebensversicherung bereits mindestens zwölf Jahre Laufzeit hinter sich hat.

Man sollte sich jedoch darüber im Klaren sein, dass die größte Unbekannte die Entwicklung der künftigen Gewinnbeteiligungen ist. Auch können durch Vertragsänderungen zusätzliche Kosten entstehen (zum Beispiel Vorfälligkeitsentschädigung beim Darlehen).

Nicht zuletzt könnten weitere Steuerpläne von Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) die Immobilienfinanzierung ins Schwanken bringen. So ist die Steuerfreiheit der Überschussbeteiligung in die Diskussion geraten und könnte aufgehoben werden. Konkrete Pläne der Bundesregierung liegen aber zurzeit noch nicht vor.

 

Anschrift des Verfassers:
Dipl. Kfm. Dr. Klaus-Martin Prang, Steuerberater
Treuhand Hannover GmbH, StBG
Hildesheimer Straße 271
30519 Hannover
k.m.prang@treuhand-hannover.de
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