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Strukturwandel im Feinchemikaliengeschäft

16.10.2000  00:00 Uhr

BAYER AG

Strukturwandel im Feinchemikaliengeschäft

PZ-Artikel

Mit Investitionen von 300 Millionen Euro will der Geschäftsbereich Chemikalien der Bayer AG in den nächsten fünf Jahren seine Marktposition speziell für pharmazeutische Zwischenprodukte in Europa und den USA stärken. Zwischen 1998 und 2003 sollen allein in das Zentrale Technikum Organisch (ZeTO) in Leverkusen 50 Millionen Euro investiert werden, und mehr als die Hälfte davon sei bereits verbaut, erklärte Dr. Martin Wienkenhöver, Leiter des Bayer-Geschäftsbereichs Chemikalien, auf einer internationalen Pressekonferenz in Leverkusen.

Für die Produktion von Arzneimittel-Zwischenprodukten und -Wirkstoffen entspricht dabei der Standard der Current Good Manufacturing Practice (c-GMP). Bis 2004 will Bayer seinen Umsatz mit Feinchemikalien um 70 Prozent steigern. Deshalb wird im spanischen Murcia zeitgleich eine reine Produktionsanlage errichtet, die nach Fertigstellung in der zweiten Hälfte 2001 exklusiv für Bayer arbeiten soll. Die dort eingesetzten Technologien liefert das ZeTO.

Laut Wienkenhöver wird der weltweite Feinchemikalienmarkt mit einem derzeitigen Volumen von mehr als 50 Milliarden Euro heute von Agro- und Pharmaintermediaten und -Wirkstoffen beherrscht, die rund 55 Prozent des Gesamtvolumens ausmachen. 1992 habe der Bayers Schwerpunkt auf Farbstoff-Zwischenprodukten gelegen, sie machten fast 60 Prozent des Geschäfts aus. Innerhalb der letzten acht Jahre sei aber der Anteil der Farbstoffchemikalien auf 10 Prozent zurückgegangen, während sich der Umsatz mit Agrochemikalien fast verdoppelte. Er sei heute rund doppelt so groß wie der Umsatz mit Pharmazwischenprodukten. So die Erklärung Wienkenhövers zum Strukturwandel im Bayer-Konzern, der im Agrochemikalien-Markt international bereits hervorragend positioniert sei.

Wichtigstes Ziel sei es nun, den Pharmaanteil weiter zu steigern, da auf dem Weltmarkt fast jeder zweite Euro im Pharmageschäft verdient werde. Besonders profitabel und interessant seien unmittelbare Vorstufen von Wirkstoffen und die Wirkstoffe selbst. In diesem Geschäftssegment mit entsprechend hoher Wertschöpfung wolle Bayer die Aktivitäten verstärken, und zwar sowohl in Europa als auch in den USA. In Nordamerika werde derzeit nach einem geeigneten Standort für ein neues Kompetenzzentrum Pharma-Zwischenprodukte gesucht.

Als eine bereits verwirklichte Erfolgsstory erwähnte Wienkenhöfer das chirale Breitband-Antibiotikums Moxifloxacin (Avalox und Avelox) von Bayer. Das jährliche Umsatzpotential für diesen noch jungen Wirkstoff schätzten Experten auf 1 Milliarde Euro. An der Entwicklung des technischen Herstellverfahrens für diese vom Bayer-Geschäftsbereich Pharma entwickelte Substanz sei das ZeTO maßgeblich beteiligt gewesen. Sie werde heute in einem kürzlich von der amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) auditierten Betrieb hergestellt.

Auftragsherstellung

Als charakteristisch für das ZeTO nannte dessen Leiter, Dr. Klaus Jelich, das breite Portfolio an technischer Ausrüstung und an verfügbaren Synthesetechnologien, die sich fast beliebig kombinieren ließen. Unter den rund 340 Mitarbeitern seien überdurchschnittlich viele Chemiker, Ingenieure und technische Meister, die effizient und schnell Kundenwünsche in ein Verfahren und ein Produkt umsetzen könnten, wie Jelich die zentrale Anforderung an eine Auftragsherstellung für andere Unternehmen durch das ZeTO beschrieb. "Auf dem Weg von der Laborvorschrift zum Produktionsverfahren hilft uns unsere große Erfahrung, unsere vielfältige Ausrüstung, aber natürlich auch die einzigartige Infrastruktur, die wir hier am Standort Leverkusen vorfinden." Zur Lösung komplexer Probleme stünden auch die großen Zentralbereiche von Bayer - wie Forschung, Analytik, Technik sowie Sicherheit und Umweltschutz zur Seite.  Top

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