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Energiekostenzuschuss stößt auf Unverständnis bei Apothekern

10.10.2005  00:00 Uhr

Energiekostenzuschuss stößt auf Unverständnis bei Apothekern

von Thomas Bellartz und Patrick Hollstein, Berlin

Immer mehr Pharmagroßhändler verlangen von den Apotheken einen so genannten Energiekostenzuschuss. In der Apothekerschaft formiert sich Widerstand gegen die von einigen bereits als »Abzocke« ausgemachte Fremdfinanzierung.

Es gibt Themen, über die spricht man nicht gern. Eines dieser Themen ist der so genannte »Energiekostenzuschuss«, den einige deutsche Pharmagroßhandlungen nun bei ihren Kunden, den Apotheken, abzweigen wollen. Eine Rundfrageaktion der PZ am Wochenanfang gestaltete sich schwierig, die Antworten waren selten weder ergebnisorientiert noch nützlich. Unter dem Strich ist der Stand der Dinge indes angetan, das Thema zu einem solchen zu machen.

Das Thema ins Rollen brachte demnach die Firma von der Linde, die bereits im August ihre Kunden über den Energiekostenzuschuss informierte. Und den fordert das Unternehmen nun seit dem 1. September. Pro Lieferanfahrt sind 0,60 Euro netto fällig. Von der Linde erläuterte seinen Kunden den Hintergrund und ist damit wohl auch weitestgehend auf Verständnis gestoßen.

Drei Große schlagen zu

Die Aktion des privaten Pharmagroßhändlers rief natürlich die anderen Unternehmen auf den Plan. Von denen zogen die Andreae Noris Zahn AG (Anzag), Marktführer Phoenix sowie der Stuttgarter Celesio-Ableger Gehe nach. Damit dürften bereits etwa zwei Drittel der deutschen Apotheken mit einem Zuschlag für Energiekosten konfrontiert werden oder bereits worden sein. Die Reaktionen der drei größten Pharmagrossisten Phoenix, Gehe und Anzag war im Übrigen wesentlich heftiger als die von von der Linde. Die drei blieben nur wenige Cent unter der Ein-Euro-Marke pro Anfahrt ­ das ist mehr als die Hälfte dessen, was der größte private seinen Kunden abverlangt.

Während man sich bei der Anzag nicht äußern wollte und nur mit einem knappen »Kein Kommentar« nicht kommentierte, gab man sich bei Marktprimus Phoenix ungewöhnlich offen. Schon jetzt soll der Außendienst der Mannheimer bei einigen Apotheken vorstellig geworden sein mit Angeboten, nicht nur die Anfahrtsgebühr erlassen zu wollen ­ sondern auch den Gegenwert der Anfahrtsgebühr anderer Lieferanten zu übernehmen - und deren Geschäft gleich mit. Bei der Noweda erklärte Alexander von Chiari, dass man keinen Energiekostenzuschlag erhebe; und auch bei der Sanacorp in Planegg konnte man sich wohl noch nicht zu einer solchen Forderung durchringen.

Die Reaktion auf der Apothekenseite ist deutlich: Besonders größere Apotheken und solche, die sich mit anderen zu Kooperationen zusammengeschlossen haben, wollen sich von der Forderung nicht beeindrucken lassen. Ein Apotheker aus Halle: »Das zahl' ich einfach nicht. Fertig.« Top

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