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Betriebliche Altersversorgung

08.10.2001
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STEUERTIPP

Betriebliche Altersversorgung

von Reinhard Garbe, Hannover

Im Zuge der Rentenreform 2002 werden nicht nur die Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung zugunsten privater Vorsorgemaßnahmen zurückgefahren. Auch die betriebliche Altersversorgung wird künftig neben der zusätzlichen privaten Eigenvorsorge eine wichtige Rolle spielen. Der Aufbau dieser zusätzlichen Säule der Altersversorgung wird vom Staat durch besonders günstige Rahmenbedingungen unterstützt.

Die betriebliche Altersvorsorge, die bislang in den Unternehmen mit unterschiedlicher Begeisterung als Instrument der Mitarbeiterbindung eingesetzt wird, erfährt somit eine deutliche Aufwertung. Der Steuertipp in PZ 35/2001 beschäftigte sich mit den Voraussetzungen der freiwilligen privaten Altersvorsorge. Dieses Mal stehen die neuen Möglichkeiten der betrieblichen Altersversorgung im Mittelpunkt.

Zusammengefasst sind darin Leistungen der Alters-, Invaliditäts- oder Hinterbliebenenversorgung, die einem Arbeitnehmer aus Anlass des Arbeitsverhältnisses zugesagt worden sind. Beteiligte am Aufbau einer betrieblichen Altersversorgung können Arbeitgeber und Arbeitnehmer sein. Die Finanzierung kann durch eine Entgeltumwandlung des Arbeitnehmers erfolgen. Die vom Arbeitgeber auf freiwilliger Basis erbrachten Leistungen ersetzen nicht die Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung, sondern ergänzen diese.

Nach bisherigem Recht gab es für den Arbeitgeber vier Möglichkeiten, eine betriebliche Altersversorgung anzubieten, nämlich

  • den Abschluss einer Direktversicherung,
  • die Unterstützungskassenzusage,
  • die Pensionskassenzusage,
  • die Direktzusage (Pensionszusage).

Hinzu kommt jetzt auf Grund des neuen Altersvermögensgesetzes die Versorgungszusage über einen Pensionsfonds.

Die steuerliche Förderung wird durch eine Zulage beziehungsweise durch Sonderausgabenabzug gewährt. Sie ist sowohl für die betriebliche als auch für die private Altersvorsorge anwendbar. Daher kommen auch der Abschluss einer Direktversicherung, Zahlungen in einen betrieblichen Pensionsfonds oder in eine betriebliche Pensionskasse in Betracht. Das kann für Bezieher unterer und mittlerer Einkommen günstig sein, vor allem wenn sie Kinder haben. Direktzusagen des Arbeitgebers und Zahlungen in eine betriebliche Unterstützungskasse sind nicht begünstigt.

Alle Arbeitnehmer erhalten ab dem 1. Januar 2002 einen individuellen Anspruch auf eine betriebliche Altersversorgung per Gehaltsumwandlung. Sie können auf bestimmte Teile ihres Arbeitslohns verzichten, zum Beispiel auf einen Teil des Weihnachts- oder Urlaubsgeldes oder auf Entgelte aus geleisteten Überstunden. Diese Teile werden durch den Arbeitgeber in eine betriebliche Altersversorgung eingezahlt. Der Mitarbeiter finanziert somit seine Zusatzrente selbst, wickelt sie aber über den Betrieb ab.

Der Arbeitnehmer kann von seinem Arbeitgeber verlangen, dass von seinen Entgeltansprüchen bis zu 4 Prozent der Beitragsbemessungsgrundlage zur Rentenversicherung per Entgeltumwandlung für die betriebliche Altersversorgung verwendet werden. Besteht eine Pensionskasse oder wird ein Pensionsfonds eingerichtet, darf der Arbeitgeber diese Möglichkeit anbieten und den Anspruch hierauf beschränken. Ist dies aber nicht der Fall, kann der Arbeitnehmer den Abschluss einer Direktversicherung durch den Arbeitgeber verlangen.

Um die Flexibilität der Arbeitnehmer nicht einzuschränken, wurden die Regelungen über die sofortige gesetzliche Unverfallbarkeit und die Mitnahmemöglichkeit der Anwartschaften aus der betrieblichen Altersversorgung erweitert. Unverfallbarkeit bedeutet, dass ein einmal erworbener Anspruch auf eine Betriebsrente nicht mehr erlöschen kann, also auch dann nicht, wenn das Beschäftigungsverhältnis vor dem Beginn der Zahlung einer Betriebsrente endet. Die von einem Arbeitnehmer ab 2002 erworbenen Ansprüche aus einer beantragten Gehaltsumwandlung können zu einem neuen Arbeitgeber "mitgenommen" werden.

Die Zulage oder der Sonderausgabenabzug für Einzahlungen in eine betriebliche Altersversorgung setzt voraus, dass die Beiträge aus individuell versteuertem Lohn des Arbeitnehmers stammen. Darüber hinaus kann der Arbeitgeber Beiträge in einen Pensionsfonds oder eine Pensionskasse leisten. Diese Einzahlungen werden als zusätzliches "Bonbon" bis zu einer Grenze von 4 Prozent der Beitragsbemessungsgrundlage der Rentenversicherung dauerhaft beitrags- und steuerfrei gestellt. Möchte der Arbeitnehmer für diese Beiträge aber lieber eine Förderung per Zulage oder Sonderausgabenabzug in Anspruch nehmen, kann der Arbeitnehmer auf die Steuerfreistellung verzichten und die zusätzlichen Beträge individuell versteuern. Dieser Verzicht rechnet sich natürlich nur, wenn die steuerliche Förderung durch eine andere geförderte Anlage noch nicht ausgeschöpft wird.

Beachtet werden muss folgendes: Die Beitragsfreiheit für Beiträge des Arbeitnehmers zur betrieblichen Altersversorgung per Gehaltsumwandlung gilt grundsätzlich nur noch bis Ende 2008. Für Beiträge des Arbeitgebers ist diese Vergünstigung zeitlich unbegrenzt.

Die weitreichenden Neuerungen im Altersvermögensgesetz dürften den Verbreitungsgrad der betrieblichen Altersversorgung beträchtlich erhöhen. Der Anteil der Arbeitnehmer mit Zusagen auf betriebliche Altersversorgung könnte sich von derzeit circa 50 Prozent auf über 90 Prozent fast verdoppeln.

 

Anschrift des Verfassers:
Reinhard Garbe, Steuerberater
Treuhand Hannover GmbH, Stbges.
Hildesheimer Str.271
30519 Hannover
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