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OTC-Preisbindung soll fallen

09.10.2000  00:00 Uhr

GROSSBRITANNIEN

OTC-Preisbindung soll fallen

von Arndt Striegler, London

In Großbritannien läuft derzeit das für die Apothekerschaft und Arzneimittelindustrie wichtigste Gerichtsverfahren der vergangenen dreißig Jahre vor dem Restrictive Practice Court (RPC). Das Spezialgericht muss entscheiden, ob die seit 1970 bestehende Preisbindung für Over-The-Counter (OTC)-Medikamente "im Interesse der Öffentlichkeit abgeschafft" werden soll. Vor allem kleine, unabhängige Apotheken fühlen sich in ihrer wirtschaftlichen Existenz bedroht, sollte die Preisbindung fallen.Mit einem Urteil wird Anfang 2001 gerechnet.

Seit 1970 werden Preise für OTC-Arzneimittel und zahlreiche Produkte des Apothekennebensortiments in Großbritannien, und zwar unter anderem auf Druck der Apotheken, im Rahmen des Resale Price Maintenance (RPM) künstlich festgesetzt. Zuvor gab es ein Apothekensterben in Großbritannien, das seit mehr als 50 Jahren das staatliche Gesundheitswesen (National Health Service, NHS) hat. Gerade die kleinen Offizinen konnten sich damals nicht im Markt behaupten. Damals argumentierte beispielsweise die Royal Pharmaceutical Society (RPS), unabhängige Apotheken müssten gesetzlich geschützt werden, da sonst die flächendeckende Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln nicht länger gesichert werden könne. So kam es zu der Einführung von RPM.

Die britische Wettbewerbsbehörde Office of Fair Trading (OFT) klagt vor dem RPC gegen die Apothekerorganisationen. Sie argumentiert, die "künstlich überhöhten OTC-Preise" trieben die Arzneimittelkosten des NHS unnötig in die Höhe. Derartige Preisbindungen seien nicht länger zeitgemäß und verstießen gegen das öffentliche Interesse. Zuletzt stritt das OFT 1997 vor dem RPC erfolgreich für die Aufhebung einer gesetzlichen Preisbindung für Bücher.

Gemäß OFT gibt es heute im Königreich "ein Überangebot" an Apotheken. "Oftmals liegen zwei oder drei Apotheken in unmittelbarer Nähe zueinander. Das ist Unsinn und liegt unter anderem daran, dass die Kräfte des freien Marktes im Apothekensektor weitgehend außer Kraft gesetzt sind", so eine Sprecherin zur PZ in London.

In Großbritannien gibt es rund 11 000 Apotheken. Die große Mehrzahl von ihnen ist unabhängig. David Sharp, Vorsitzender der Apothekerorganisation Community Pharmacy Action Group zum großen Protest der Apotheker: "Wir befürchten ein neues Apothekensterben, was zwangsläufig zu einer Unterversorgung der Bevölkerung mit Apothekenleistungen führen wird." Im Falle einer Freigabe der OTC-Preise würden "tausende Landgemeinden bald ohne Apotheke dastehen". Besonders ärgert die Apotheker die Aussage der Wettbewerbshörde, Supermärkte hätten heute bereits einen Großteil der traditionellen Aufgaben der Apotheken Aufgaben übernommen. Top

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