Pharmazeutische Zeitung online

Biotech-Gründern fehlt Startkapital

11.10.1999  00:00 Uhr

-Wirtschaft & HandelGovi-Verlag

Biotech-Gründern fehlt Startkapital

dpa-Artikel

Die Wachstumsbranche Biotechnologie ist ein Markt mit glänzenden Zukunftschancen. Dennoch tun sich viele Firmengründer schwer, ihre Ideen auch in ein funktionierendes Unternehmen umzusetzen. Ohne fremde Hilfe erhält kaum ein Forscher das nötige Startkapital.

"Wenn ein Wissenschaftler in seinem Labor etwas erfindet, hat er meist keine Sicherheiten. Herkömmliche Kredite für Betriebsmittel bei einer Bank zu erhalten, ist dann fast ausgeschlossen", erklärte Klaus Nestler, Vorstand von BioConnect, Frankfurt am Main auf der Biotechnica am 6. Oktober in Hannover. Das Partnerunternehmen der Gold-Zack-Gruppe betreut junge Biotechnik-Unternehmer bei der Beschaffung von Risikokapital.

"Meist werden die Gründerfirmen von exzellenten Wissenschaftlern geführt. Denen fehlt es aber auf der kaufmännischen Seite", sagt Nestler. Und ein Biotech-Unternehmen kostet bis zur Genehmigung seines Produktes mindestens 10 Millionen DM. Die Kosten steigen mit der Dauer des Zulassungsverfahrens und können bis zu 100 Millionen DM erreichen. Risikokapital (Venture Capital) hat sich in der Branche als Königsweg der Finanzierung erwiesen. Ziel der Investoren ist oft der Börsengang, andere Gründerfirmen werden kurz vor der Zulassung ihrer Produkte von den eigenen Sponsoren übernommen. Wichtig ist die glaubhafte Darstellung des Firmenkonzeptes und des Innovationsaspektes. Besonders beliebt bei den Geldgebern ist die therapeutische Produktforschung. Technologie-Plattform-Firmen, die neue Verfahren für die Pharmaindustrie entwickeln, sind ebenso gefragt.

Das Kapital kommt meist aus Fonds, in die sowohl private als auch institutionelle Investoren einzahlen. Neben Banken und Versicherungen sind dies vor allem die großen Pensionsfonds aus den USA und Großbritannien. "Die investieren riesige Summen in Venture Capital, die hier zu Lande noch gar nicht vorstellbar sind", sagt Nestler. In den USA gebe es schätzungsweise 1500 Biotechnik-Firmen, von denen rund 150 börsennotiert seien.

Eine von zehn schaffe den Durchbruch, ein bis zwei gehen pleite und die übrigen dümpeln, schätzt Andreas Mietzsch, Vorstand von Biocom, Berlin. Entwickelt eine Firma tatsächlich ein gefragtes Medikament, schnellen die Gewinne in die Höhe. So stieg im September der Börsenkurs der zuvor kaum beachteten MorphoSys-Aktie um 64 Prozent an einem einzigen Tag, nachdem das Unternehmen eine Neuentwicklung bekannt gegeben hatte. Anleger in Biotechnik müssen nach Ansicht von Mietzsch aber vor allem Geduld mitbringen: "Die Zeitschiene für solche Unternehmen beträgt im Schnitt zehn Jahre." Top

© 1999 GOVI-Verlag
E-Mail: redaktion@govi.de

Mehr von Avoxa