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Entlassungen und weniger Azubis

15.09.2003
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DAV-Umfrage

Entlassungen und weniger Azubis

von Stephanie Kern, Berlin

Seit In-Kraft-Treten des Beitragssatzsicherungsgesetzes (BSSichG) ist die Zahl der durchschnittlich in der Apotheke Beschäftigten zurückgegangen. Obwohl sich der Stellenabbau gegenüber dem ersten Quartal verlangsamt hat, wurde im zweiten Quartal im Schnitt in jeder dritten Apotheke jemand entlassen.

Das zeigt die Ende Juni zum dritten Mal durchgeführte Befragung des Deutschen Apothekerverbandes (DAV) zu den Auswirkungen des BSSichG. Das Gesetz hat generell den Druck auf die Apothekenleiter erhöht, Kosten zu reduzieren. 70,1 Prozent der insgesamt 4259 Apotheken, die sich an der Befragung beteiligten, gaben an, geplante Investitionen zurückzustellen. Daneben wurden häufig die Gehälter der Beschäftigten gekürzt (14 Prozent), Mitarbeiter/innen verzichten auf Weihnachts- oder Urlaubsgeld (18,2 Prozent), oder es wurden außertarifliche Zulagen gestrichen (39,4 Prozent), um Entlassungen zu vermeiden. In knapp einem Drittel der befragten Apotheken kommt es bereits jetzt infolge von Personalmangel zu Mehrarbeit der Beschäftigten – in der Regel ohne einen entsprechenden Lohnausgleich.

Über 1300 Entlassungen

Im zweiten Quartal 2003 wurden insgesamt 1357 der in den befragten Apotheken Beschäftigten entlassen. Das entspricht einem Anteil von knapp 4,5 Prozent. Bei 1894 Beschäftigten änderte sich der Umfang der Arbeitszeit, indem Stunden reduziert wurden. Somit war etwa jeder Zehnte in den befragten Apotheken betroffen. Hinzu kommen diejenigen, bei denen außertarifliche Leistungen gekürzt wurden.

Ob jemand entlassen wird oder nicht oder ob und bei wem Stunden reduziert werden, hängt vor allem von der Höhe des Umsatzes der jeweiligen Apotheke ab. Da umsatzstärkere Apotheken in der Regel über mehr Personal verfügen, haben die Apothekenleiter auch einen größeren Spielraum für personelle Maßnahmen. Stundenreduktionen in großem Umfang oder Entlassungen sind tendenziell daher eher möglich als in umsatzschwächeren Apotheken. Diese haben zumeist nur eine knapp bemessene Personalausstattung, so dass der Abbau eines Arbeitsplatzes den Apothekenbetrieb stark beeinträchtigen würde.

Die einzelnen Berufsgruppen sind in unterschiedlichem Ausmaß von Veränderungen betroffen. Insgesamt beliefen sich die Entlassungen von pharmazeutischem Personal von April bis Juni auf 1057. Approbierte waren gemessen an ihrer Gesamtzahl am häufigsten von Entlassungen oder Stundenkürzungen betroffen, bei PTA, PKA und Apothekerassistenten/Pharmazieingenieuren lag der Anteil der Betroffenen jeweils bei knapp über 10 Prozent.

Personelle Flexibilität gefragt

Seit In-Kraft-Treten des BSSichG hat sich die durchschnittliche Zahl der Beschäftigten in den Apotheken leicht verringert. Im ersten Halbjahr wurden allein in den an der Umfrage beteiligten Apotheken mehr als 5000 Stellen abgebaut, darunter fast 4000 durch Entlassungen und über 1000 durch die Nicht-Wiederbesetzung frei werdender Stellen. Bei weiteren 6000 Arbeitsplätzen kam es seit Januar zu Stundenreduktionen.

Strukturell zeichnet sich in den ersten sechs Monaten des Jahres ein Trend hin zur Beschäftigung kostengünstigeren und universell einsetzbaren Personals ab. So kommt es zum einen zunehmend zur Umwandlung von Voll- in Teilzeitstellen, weil sehr häufig als Reaktion auf den durch das BSSichG erfolgten Ertragsrückgang Stundenreduktionen erfolgt sind, ohne dass gleichzeitig neues Personal eingestellt wurde. Dadurch ist der Anteil der Teilzeitbeschäftigten, der in den Apotheken durchschnittlich ohnehin bei über 60 Prozent liegt, seit Beginn des Jahres nochmals gestiegen.

Zum anderen versuchen die Apothekenleiter, die Personalstruktur noch effizienter zu gestalten. Das geht vor allem zu Lasten der PKA. Deren Anteil ist im ersten Halbjahr 2003 gesunken, ebenso wie die durchschnittliche Zahl der vollzeitbeschäftigten Approbierten, während im gleichen Zeitraum der Anteil der teilzeitbeschäftigten PTA angestiegen ist. Diese Entwicklung lässt sich vermutlich darauf zurückführen, dass PTA einerseits gegenüber den PKA trotz höheren Gehalts vielfältiger einsetzbar sind und andererseits gegenüber den Approbierten den Vorteil haben, günstiger zu sein und genauso wie diese Dispensierrecht zu haben.

Neben dem Stellenabbau hat sich auch die Ausbildungssituation in den Apotheken deutlich verschlechtert. Die Ergebnisse der Umfragen verweisen für 2003 auf einen Abbau von knapp einem Fünftel der vorhandenen Ausbildungsplätze.

Im Schnitt war jede zweite der 4259 Apotheken ein Ausbildungsbetrieb. Mit insgesamt 2111 Auszubildenden betrug die Ausbildungsquote – gemessen an der Gesamtzahl der Beschäftigten – etwa 7 Prozent. Für nächstes Jahr zeichnet sich allerdings eine deutliche Verringerung dieser Quote ab. 67,6 Prozent der befragten Apothekenleiter geben an, in diesem Jahr keinen Auszubildenden einzustellen, und von den 809 Ausbildungsplätzen, die in diesem Jahr auslaufen, werden lediglich 372 durch den Abschluss neuer Verträge ersetzt. Das bedeutet einen Wegfall von 437 Ausbildungsplätzen allein in diesem Jahr und entspräche einer Ausbildungsquote von unter 6 Prozent.

Abbau scheint noch nicht beendet

Auch die Weiterbeschäftigung der Auszubildenden ist keineswegs selbstverständlich; lediglich ein Fünftel der Auszubildenden wird nach Beendigung der Lehrzeit übernommen. Fast die Hälfte der Befragten beschäftigt darüber hinaus derzeit keine Pharmaziepraktikanten, weil deren Betreuung und Ausbildung nach Angaben der Apothekenleiter wegen Personalmangels nicht sichergestellt wäre.

Insgesamt scheint der Stellenabbau in den Apotheken noch nicht beendet zu sein, auch wenn die Angaben dafür sprechen, dass er sich etwas verlangsamt hat. In vielen Fällen sind zu den bereits erfolgten Maßnahmen weitere personelle Einsparungen geplant. Über die Hälfte der befragten Apothekenleiter geben an, frei werdende oder eigentlich vorgesehene Stellen bis zum Jahresende nicht zu besetzen. Es ist daher zu befürchten, dass zu den 5000 bereits abgebauten Stellen in den befragten Apotheken weitere hinzukommen werden. Top

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