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Jede Kooperation ist vorstellbar

11.08.2003
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Anzag

Jede Kooperation ist vorstellbar

von Thomas Bellartz, Berlin

Erfahren, gelassen und selbstbewusst – so lässt sich Dr. Thomas Trümper wohl am ehesten charakterisieren. Der gebürtige Mannheimer führt seit dem 1. August 2003 den Pharmagroßhändler Andreae Noris Zahn AG (Anzag).

Über mehrere Monate hinweg war die Anzag faktisch ohne Vorstandschef, wurde kommissarisch von den beiden übrig gebliebenen Vorstandsmitgliedern gemanaged. Seit einigen Tagen ist Trümper nun im Amt. In einem Gespräch mit der PZ-Redaktion erläuterte der promovierte Maschinenbauer seine Ziele und Ambitionen. Dass seine neue Tätigkeit auch ständig in Zusammenhang mit der Frage einer Fusion von Anzag und dem Großhändler Sanacorp eG gebracht wird, stört Trümper nicht. Allerdings weiß er, dass sich „zu wenige in der Terminologie des Aktienrechts auskennen“. Denn eine Übernahme habe im aktienrechtlichen Sprachgebrauch eine ganz andere Bedeutung als dies gemeinhin bekannt sei.

So sei für ihn wichtig, dass trotz einer möglichen Übernahme der Anzag die Eigenständigkeit des Unternehmens gewahrt bleibe. „Das ist die Voraussetzung für mich gewesen, diese Herausforderung überhaupt anzunehmen“, so Trümper. Er vergleicht eine mögliche Übernahme mit der des tschechischen Autobauers Skoda oder der spanischen Seat durch den Volkswagen-Konzern. „Dort sind beide Marken eigenständig geblieben – bis heute.“ Das zwei-Marken-Modell, das der Sanacorp-Chef Manfred Renner nach wie vor für aktuell hält, erscheint Trümper sinnvoll. Das unterscheidet ihn wesentlich von seinem Vorgänger Horst Trimborn. Der war im April aus dem Amt ausgeschieden, die Dissonanzen zwischen dessen Zielen und denen des Aufsichtsrats waren zu groß.

Beste Stimmungslage

Trümper ist dies gleich. Die Stimmungslage im Unternehmen hat er in den ersten Tagen als „sehr positiv“ erfahren. Nichts anderes wird über den neuen Chef gesprochen; die Mitarbeiter der Anzag begegnen ihm durchaus aufgeschlossen. „Das Ausscheiden meines Vorgängers berührt mich nicht“, sagt Trümper nüchtern. Schließlich sei er nicht dafür verantwortlich.

Verantwortung zu übernehmen, das ist ganz nach dem Geschmack des neuen Anzag-Kapitäns. Bis 1997 war er bei der Mannheimer Phoenix, verdiente dort mehrere Jahre seine Sporen, später auch im Vorstand des Konzerns. In den vergangenen sechs Jahren arbeitete er selbstständig, kaufte ein Maschinenbauunternehmen und führte dies schließlich mit einem anderen Unternehmen zusammen.

Trümper ist ein Teamplayer, setzt darauf, dass ihm die Erfahrungen aus den vergangenen Jahren nun nutzen. „Ich bin dem Großhandel immer sehr verbunden geblieben“, gesteht er. Er habe den Markt weiter intensiv beobachtet und sich über das Angebot für die neue Aufgabe sehr gefreut.

Drei Jahre läuft Trümpers Vertrag. Den Überblick hat er bereits. „Es gibt viele Felder, auf denen man mit anderen zusammenarbeiten kann“, sieht er die Möglichkeit zu einer engen Kooperation mit der Sanacorp. Und es gebe viele Felder, auf denen diese Zusammenarbeit „kartellrechtlich unbedenklich“ sei.

Nach seiner eigenen Einschätzung, sei die Anzag in den vergangenen Jahren „sehr aggressiv und offensiv am Markt aufgetreten“. Das stehe im Gegensatz zur Sanacorp, die als klassische Genossenschaft eher traditionell ausgerichtet sei. Es gebe durchaus Schnittmengen, aber eben auch viele Unterschiede, besonders bei den Kunden – zwei Marken eben. Der neue Mann in der Frankfurter Anzag-Zentrale gibt sich indes für viele Denkmodelle offen: „Ich kann mir jede Kooperation vorstellen“, sagt er auf die Frage, ob er sich auch eine nähere Zusammenarbeit mit der Noweda vorstellen könne. Und ergänzt: „Aber dazu gehören bekanntlich immer zwei.“

Gesprächsbereit

Jedenfalls hat er mit der Spitze des Essener Pharmagroßhändlers, der ebenso wie die Sanacorp knapp 25 Prozent der Anteile an der Anzag hält, noch kein persönliches Gespräch geführt. Das werde sich sicherlich bald ergeben. Dem Aufsichtsrat, der Trümper einstimmig das Vertrauen aussprach, gehört die Noweda seit der letzten Hauptversammlung der Anzag im März nicht mehr an.

Der Markt allerdings ist aus seiner Sicht heraus „total verunsichert – in jeder Beziehung“. Es sei problematisch, dass die Diskussionen in der Politik „zu keinem Ende kommen“. Zur aktuellen, von einem erheblichen Wettbewerb der Großhändler um Marktanteile geprägten Lage, sagt er eher einsilbig: „Keiner kann mehr nachvollziehen, wie das genau gelaufen ist.“

Zu den Auswirkungen der angestrebten Reform sei er aber „grundsätzlich derselben Überzeugung, wie ABDA-Präsident Hans-Günter Friese, der viele Stellen bedroht sieht“. Man versuche, die von der Politik verursachten Strukturmaßnahmen nicht in vollem Umfang an die Kunden weiterzugeben. Aber das sei nun einmal nicht immer möglich. Er erwartet eine erhebliche Neuorientierung der Apothekenlandschaft: „Die Schwachen wird’s hart treffen. Aber ich habe noch keine Ahnung, welche Keule am Ende noch von der Politik ausgepackt wird.“

Die Anzag habe „wie alle anderen im Markt auch – Modelle in der Schublade“. Aber man wolle und müsse die tatsächliche Gesetzeslage abwarten, auch um den Markt nicht zu verunsichern. Er weiß aber, dass nun die Zeit der Netzwerke und Kooperationen kommt, in welcher Form auch immer. Trümper: „Wenn Krisenzeiten kommen, dann schließen sich die Menschen zusammen.“

Konzepte für die Kunden

Wenn man erkenne, dass durch die Strukturmaßnahmen der Regierung die Anzag-Kunden „in Gefahr geraten, dann müssen wir unseren Kunden helfen“. Man habe gute Konzepte entwickelt, um die Wettbewerbsfähigkeit der Apotheken zu sichern. Da gebe es sogar Stufenpläne. Aber für detailliertere Informationen sei die Zeit noch nicht reif. Trümper: „Wir lassen unsere Kunden jedenfalls nicht alleine.“

Nicht nachvollziehbar sei, dass die Politik dem Versandhandel derartige Wettbewerbsvorteile einräume. „Bei diesem engmaschigen Netz von Apotheken macht ein Versandhandel faktisch keinen Sinn“, so der Manager, der über „Die Optimierung von Tunnelvortriebsmaschinen“ promovierte. Lege die Regierung dem Versandhandel aber dieselben Fesseln an, wie der Apotheke, dann „brauchen die Apotheken keine Angst zu haben“.

Trotz der anstehenden Herausforderungen sorgt sich der neue Vorstandsvorsitzende nicht um den Fortbestand der Anzag: „Die Anzag hat sich in den letzten Jahren so positiv entwickelt, dass man da nur aufsetzen kann.“ Durchgeladen habe man bei der qualitativ hochwertigen Beratung und lege höchstes Augenmerk auf Qualität. Eine Änderung im Vertriebsnetz oder bei den Personalstrukturen werde es kaum geben, da habe man bereits viel erreicht.

In den nächsten Wochen werde er alle Vertriebsstellen besuchen, um „die Leute alle kennen zu lernen“. Er will das Gefühl vermitteln, dass im Pharmagroßhandel in Zukunft durchaus „Größe gleich Stärke ist“. Und so sieht er den Markt im Wandel und die Anzag gut vorbereitet. In einigen Jahren werde wohl keine der kleinen Großhandlungen noch am Markt sein. Das liege am Kostendruck und an den sich neu bildenden Strukturen. Für sein Unternehmen blickt Trümper optimistisch in die Zukunft: „Die Anzag jedenfalls wird das packen.“ Top

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