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Die wichtigsten Bestandteile der Steuerreform 2001

31.07.2000  00:00 Uhr

-Wirtschaft & HandelGovi-VerlagSTEUERTIPP

Die wichtigsten Bestandteile
der Steuerreform 2001

von Reinhard Garbe, Hannover

Das umfangreiche Konzept zur Reform der Unternehmensbesteuerung bei gleichzeitiger Senkung der Steuersätze war schon einmal Gegenstand des Steuertipps in PZ 15/2000. Vieles war zu diesem Zeitpunkt jedoch noch im Unklaren. Für viele überraschend hat mittlerweile der Bundesrat in seiner Sitzung vom 14. Juli 2000 dem Vermittlungsvorschlag für die Reform ab 2001 zugestimmt, so dass nunmehr gesetzgeberische Planungssicherheit für Steuerpflichtige und deren steuerliche Berater besteht.

Entlastung beim Einkommensteuertarif

.

1999

2000

2001

2003

2005 Eingangssteuersatz
in Prozent

von 25,9 auf 23,9

22,9

19,9

17,0

15,0 Grundfreibetrag
in DM

13.067/
26.134

13.500/
27.000

14.093/
28.186

14.525/
29.050 15.011 /
30.022 Höchststeuersatz für gewerbliche Einkünfte in Prozent

(nur Apotheken)

von 47,0 auf 45,0

von 45,0
auf 43,0

entfällt

entfällt

entfällt Spitzensteuersatz in Prozent

53,0

51,0

48,5

47,0

42,0
(geplant: 45)

Kapitalgesellschaften zahlen ab 2001 einen definitiven Körperschaftsteuersatz von 25 Prozent. Bisher beträgt er für einbehaltene Gewinne 40 Prozent und für ausgeschüttete Gewinne 30 Prozent. Zugleich wird bei der Körperschaftsteuer das heutige Anrechnungsverfahren abgeschafft und das sogenannte Halbeinkünfteverfahren eingeführt. Zusammen mit der Gewerbesteuer werden Kapitalgesellschaften zukünftig mit rund 38 Prozent belastet.

Gewerbesteuer wird angerechnet

Die Einkommensteuerbelastung wird um das 1,8-fache (und nicht wie bisher geplant um das Zweifache) des Gewerbesteuermessbetrages vermindert. Diese pauschale Anrechnung der Gewerbesteuer bleibt auf den Teil der Einkommensteuer beschränkt, der auf gewerbliche Einkünfte entfällt. Außerdem bleibt die Gewerbesteuer eine Betriebsausgabe im Rahmen der steuerlichen Gewinnermittlung, so dass sich die Einkommensteuer bei einem Gewerbesteuerhebesatz bis 360 Prozent günstigenfalls in voller Höhe um die zu zahlende Gewerbesteuer reduziert. Bei höheren Hebesätzen wird allerdings keine Vollentlastung erreicht.

Verzicht auf das Optionsmodell

Die Möglichkeit, sich als Gewerbetreibender oder Freiberufler wie eine Kapitalgesellschaft besteuern zu lassen, entfällt. Dieses umstrittene Vorhaben ist nach Auffassung des Gesetzgebers entbehrlich, da der Spitzensteuersatz von 42 Prozent sowie die Anrechnung der Gewerbesteuer eine genügende Entlastung bietet.

Dividendenerträge

Ab 2002 müssen Anteilseigner ihre Dividendeneinkünfte - nach Abzug von Werbungskosten und Sparerfreibetrag - nur noch zur Hälfte besteuern (Halbeinkünfteverfahren). Im Gegenzug entfällt allerdings die anrechenbare Körperschaftsteuer, so dass sich diese Neuregelung in vielen Fällen als ungünstiger erweisen wird.

Verkauf von Wertpapieren

Ab 2001 sind Kursgewinne, die bei Kauf und Verkauf von Wertpapieren innerhalb eines Jahres erzielt werden, nur noch zur Hälfte steuerpflichtig. Gewinne aus Verkäufen außerhalb der Jahresfrist bleiben ebenso wie Gewinne bis 1000 DM steuerfrei.

Sonderabschreibungen

Als weitere Entlastung für den Mittelstand bleiben die Möglichkeiten der Bildung von Ansparrücklagen und Sonderabschreibungen nach § 7g EStG erhalten Allerdings erfolgt eine Absenkung auf 40 gegenüber bisher 50 Prozent.

Gewinn bei Aufgabe des Betriebs

Gewinne, die bei der Veräußerung des Betriebes oder der Praxis erzielt werden, bleiben bis 100.000 DM steuerfrei (bisher 60.000 DM). Voraussetzung ist dabei, dass der Unternehmer das 55. Lebensjahr vollendet hat oder dauerhaft berufsunfähig ist. In einem ergänzenden Gesetz, das ebenfalls noch zum 1. Januar 2001 in Kraft treten soll, wird eine weitere Begünstigung für Gewinne bei Betriebsveräußerungen geschaffen. So wird an die Wiedereinführung des halben durchschnittlichen Steuersatzes gedacht (wie schon bis 1998). Hier muss die genaue Ausgestaltung abgewartet werden.

Abschreibungen eingeschränkt

Die degressive Abschreibung für bewegliche Wirtschaftsgüter wird zur Gegenfinanzierung von 30 auf 20 Prozent gesenkt. Die lineare Abschreibung für Gebäude im Betriebsvermögen verringert sich von 4 auf 3 Prozent, um hier eine Annäherung an die tatsächliche Nutzungsdauer des Gebäudes zu erreichen. Zugleich werden die amtlichen Abschreibungstabellen ab 2001 an realitätsnähere Nutzungsdauern angepasst.

Anschrift des Verfassers:
Reinhard Garbe, Steuerberater
Treuhand Hannover GmbH, Stbges.
Hildesheimer Str.271,
30519 Hannover
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