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Salutas Pharma setzt auf Komplett-Service

01.05.2000
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-Wirtschaft & HandelGovi-VerlagFIRMENPORTRÄT

Salutas Pharma setzt auf Komplett-Service

von Elke Wolf, Magdeburg

Hoher Einsatz, hoher Druck, große Aussichten? Rund 350 Millionen DM Investition für eine der nach eigenen Aussagen modernsten Produktionsstätten Europas bringen Salutas Pharma, Barleben-Magdeburg, in einen gewissen Zugzwang. Die selbstständige Tochter des Hexal-Konzerns hat sich zum Ziel gesetzt, in wenigen Jahren zu den ersten Adressen unter den Auftragsherstellern zu gehören. Was ist das Besondere am Salutas Service-Angebot? Die PZ hat nachgefragt.

Die Aufgaben zwischen Salutas und Hexal sind klar verteilt. Hexal in Holzkirchen steht für Forschung, Entwicklung und Marketing. Der produzierende Betrieb im Hexal-Konzern ist dagegen seit 1995 Salutas, und zwar weltweit für alle Niederlassungen. Als eigenständige Tochter im Konzernverbund firmiert Salutas darüber hinaus als Auftragshersteller. Die Angebotspalette umfasst die Fertigung fester peroraler Darreichungsformen sowie flüssiger und halbfester Zubereitungen, die Analytik und Qualitätskontrolle. In Zusammenhang mit der Herstellung übernimmt das Unternehmen auch den logistischen Service. Der Großhandel wird von Magdeburg aus beliefert.

Die Galenikabteilung entwickelt auf Wunsch neue Applikationsformen oder bietet Umformulierungen an. Außerdem können auch klimatisch abhängige Präparate, wie Brausetabletten, Hormone und Zytostatika, die Sonderbedingungen erfordern, gefertigt werden.

Auftragsherstellung ist nicht unbedingt eine Marktlücke. Womit glaubt Salutas, sich durchsetzen zu können? "Wir können eine Tandemlösung anbieten", erklärt der für den Bereich der Auftragsherstellung zuständige Vertriebsleiter Thomas Urny die Komplett-Service-Philosophie seines Unternehmens. "Die Zielsetzung der Kunden geht hin zu den Auftragsherstellern, die viele Darreichungsformen unterschiedlicher Chargengröße unter einem Dach produzieren." Zusätzlich übernehme Salutas Verwaltungs- und Dokumentationsaufgaben und kümmere sich, wenn gewünscht, um die Distribution.

Fertigungs-Knowhow transferieren

Als Auftragshersteller kommt Salutas die große Produktpalette von Hexal mit rund 150 Wirkstoffen zu Gute. "Bei vielen Arzneistoffen ist daher schon Fertigungs-Knowhow vorhanden, das wir auf identische Präparate anderer Firmen transferieren könnten", sagt Urny. Logische Konsequenz: Eventuell anfallende Probechargen verkürzen sich. Verarbeitet Salutas für zwei Firmen den gleichen Arzneistoff, dann stellt Salutas den Kontakt zwischen den Partnern her, um die Dossiers anzupassen. Die Herstellung kann dann durch Zusammenlegung der Fertigungsschritte optimiert werden. Andere Möglichkeiten der Zusammenarbeit sind Erwerb oder Verkauf von Lizenzen und Zulassung über Hexal.

"Wir können von Hexal nur profitieren, sowohl was die Auslastung als auch die Technologiekenntnisse betrifft", wertet Salutas-Geschäftsführerin Antje Schleußner. Der Mutterkonzern werde immer einen erheblichen Anteil der Fertigungskapazität für sich beanspruchen. "Er nimmt bei uns eine Auslastung von etwa 60 Prozent ein." Und welche Umsatzzahlen peilt man bei der Auftragsherstellung an? "In rund drei Jahren wollen wir zu den umsatzstärksten Auftragsherstellern gehören und als Auftragshersteller 10 bis 15 Prozent vom Salutas-Gesamtumsatz - 1999 waren es 380 Millionen DM – erreichen. Das bedeutet 25 Prozent Auslastung durch Drittkunden." So bleiben immer noch rund 15 Prozent zusätzliche Kapazität, um kurzfristig den Marktbedarf decken zu können.

Die Identität mit der Holzkirchener Mutterfirma spiegelt sich in der Bauweise des Magdeburger Werkes wider. Das im Hexal-Firmenlogo angedeutete Oktagon diente als Vorbild für die architektonische Gestaltung. Bisher sind vier sechseckige Module kreisförmig angeordnet. Drei weitere Module können angebaut werden. Die technische Planung besticht durch ihre funktionelle Einfachheit. Unter dem Werk liegt ein Versorgungsring, der alle Module mit der notwendigen Energie speist. Jedes Gebäude ist autark. Die anfallende Abwärme wird umweltfreundlich zur Klimatisierung genutzt.

Insgesamt erstreckt sich das Werk auf 55.000 Quadratmeter. Die Produktion nimmt 15.000 Quadratmeter im Obergeschoss ein. Seitlich zum Gebäudering steht das Hochregallager, das bis zu 16.500 Europaletten aufnehmen kann. Raum für 100.000 Behälter bietet ein Lager, das die Kommissionierung versorgt.

Saccharin begründete den Erfolg

Salutas kann auf eine mehr als 100-jährige Firmengeschichte zurückblicken. Die Tradition geht zurück auf die 1886 von Chemiker Dr. Constantin Fahlberg und Agrarwissenschaftler Dr. Adolph List gegründete Fahlberg-List GmbH in Magdeburg. Ihr Ziel war die Entwicklung von Agrochemikalien. Der Aufschwung war einem Zufall zu verdanken: Bei der täglichen Laborarbeit fiel als Nebenprodukt eine süße Substanz an. Fahlberg wurde erst aufmerksam, als er beim Essen zufällig seine Finger mit der Zunge berührte und einen süßen Geschmack verspürte: Der Süßstoff Saccharin war synthetisiert, und er übernahm in den Folgejahren den Hauptproduktionspart.

Erst 1912 wurde eine Abteilung für Pharmazeutika errichtet. In DDR-Zeiten mauserte sich Fahlberg-List zu einem pharmazeutischen Betrieb, den man heute als Generikahersteller bezeichnen würde. Viele der verarbeiteten Arzneistoffe standen auch auf der Fertigungspalette von Hexal. Grund genug für die Hexal-Geschäftsführer, nach der Wende Interesse am Fahlberg-List-Werk zu bekunden. Das war ein guter Schachzug der Gebrüder Strüngmann, denn das Magdeburger Werk bediente nicht nur den Markt der ehemaligen DDR, sondern auch Rußland, Tschechien oder Polen. Die Pharmasparte wurde 1992 durch Hexal als Salutas Fahlberg-List privatisiert. Mit dem Umzug 1995 in die neue Fertigungsstätte sind die beiden Gründernamen aus dem Firmennamen verschwunden.

"Wir sind ein relativ schnell gewachsenes Unternehmen, aber die Mitarbeiter wachsen mit", sagt Schleußner. Momentan beschäftigt Salutas 480 Personen, 15 davon sind Apotheker. Sie besetzen gemäß Arzneimittelgesetz leitende Positionen in der Qualitätskontrolle, Herstellung oder Galenik. "Nach der Privatisierung wollte man nicht ein neues Werk mit komplett neuem Personal. 186 Mitarbeiter wurden vom Altwerk übernommen und geschult. Sie bilden den Grundstock für die heutige Belegschaft."

"Als Auftragshersteller darf man nicht auf der Stelle treten", so Urny. Zwar arbeite man momentan mit den modernsten Geräten wie kontinuierlichen Wirbelschichtgranulierern oder mit vollautomatischen Tablettiersystemen. "Jedoch werden wir auch künftig bemüht sein, den Ansprüchen des Marktes mit aktuellen Techniken gerecht zu werden. Mittelfristig werden wir die FDA-Zertifizierung für einzelne Präparate ansteuern, eine für Auftragshersteller wichtige Hausnummer, besonders im Hinblick auf die Globalisierung der Märkte." Momentan investiert Salutas rund 100 Millionen DM in den Ausbau des gesamten logistischen Bereichs und in die Schaffung weiterer Konfektionierungs-Kapazität. Daraus sollen sich 100 neue Arbeitsplätze ergeben.

Was erwartet Salutas von Europa? "Momentan findet ein Lernprozess statt. Die Auslastung der vorhandenen Kapazität wird häufig über den Angebotspreis entschieden. Zwar sind im Ausland die Lohnnebenkosten und der Standard meist niedriger. Trotzdem bleibt der Standort Deutschland attraktiv", meint Urny und Schleußner ergänzt: "Mittelfristig wird man feststellen, dass die Kontinuität in der Qualität und Zuverlässigkeit zwar eine preisliche Differenz gegenüber dem Ausland mit sich bringt. Diese wird sich aber letztlich auszahlen." Top

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