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Vom Penicillin zur Pille – 50 Jahre Jenapharm

24.04.2000  00:00 Uhr

-Wirtschaft & HandelGovi-Verlag

Vom Penicillin zur Pille –
50 Jahre Jenapharm

dpa Das seit 1996 zu Schering gehörenden Jenaer Traditionsunternehmen ist "gut im Geschäft", wie Firmenchef Dieter Taubert sich anlässlich des kürzlich gefeierten 50-jährigen Firmenjubiläum äußerte. Zwei Drittel des Gesamtumsatzes von 234 Millionen DM machen verschiedene Hormonpräparate aus. Jenapharm gelte als einer der weltweit führenden Hersteller von Sexualhormonen.

In den Labors der Forschungsabteilung, in denen 200 der über 500 Jenaer Mitarbeiter beschäftigt sind, werde fieberhaft an neuen Präparaten gearbeitet. Nach der niedrigdosierten Pille Valette, sollen bei der Schwangerschaftsverhütung zunehmend natürliche, körpereigene Wirkstoffe zum Einsatz kommen.

In der Hormonersatztherapie sieht Taubert einen Zukunftsmarkt sowohl für ältere Frauen als auch Männer. Das Hormontief beim Mann über 50 werde bei Jenapharm wissenschaftlich bearbeitet.

Der Mediziner Hans Knöll begründete die Tradition der Pharmaherstellung in Jena Anfang vor 50 Jahren. Ab 1945 wurde von ihm nach den Krieg dringend benötigtes Penicillin hergestellt. Das Institut für Mikrobiologie, aus dem 1950 Jenapharm hervor ging, wurde wie viele andere Firmen in der Thüringer Industriestadt von den Stiftungsunternehmen Zeiss und Schott gegründet. In den Jahren danach entwickelte sich Jenapharm vom Penicillin-Produzenten zum Arzneimittelhersteller, der mit Ovosiston 1965 die erste DDR-Pille auf den Markt gebrachte.

Nach dem Mauerfall 1989 orientierte sich das zum Kombinat Germed gehörende Unternehmen schnell neu. Es galt, so Taubert, als "Perle der Ostwirtschaft". 1991 wurde die Frima vom Stuttgarter Pharmagroßhändler Gehe übernommen. Umfangreiche Investitionen begannen. Allein in eine neue Fabrik in Weimar, die 1994 in Betrieb ging, flossen 134 Millionen DM. Zusammen mit der Produktionsgesellschaft, in der Tabletten, Dragees und Kapseln hergestellt werden, beschäftigt die Jenapharm-Gruppe heute rund 1000 Mitarbeiter. Weil Gehe seine Geschäftsfelder neu ordnete, ist der Pharmakonzern Schering seit 1996 mit 74,9 Prozent Hauptgesellschafter. Top

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