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Rabattkarten für Arzneimittel

05.04.2004
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US-Gesundheitswesen

Rabattkarten für Arzneimittel

von Thomas Bellartz, Berlin

Die US-Regierung hat 28 Unternehmen ausgewählt, die die so genannten Arzneimittel-Rabattkarten für ältere Menschen in den Markt bringen sollen. Damit will die Regierung die Kritik an ihrer Gesundheitsreform entschärfen.

Gesundheitsminister Tommy Thomson, ein Republikaner, hofft, dass die Kosten für diejenigen Patienten, deren verschreibungspflichtige Arzneimittel nicht erstattet werden, um zehn bis 25 Prozent sinken. Thomson sagt sogar voraus, dass die Einsparungen „eher 25 Prozent ausmachen“ werden. Allerdings kann der Gesetzgeber nicht vorschreiben, wie hoch die Ersparnisse für die Betroffenen älteren und behinderten Un- oder Schlecht-Versicherten sein werden. Zudem sind in den vergangenen Monaten die Preise für verschreibungspflichtige Arzneimittel erneut angestiegen.

Die Rabattkarten sind nur eine Übergangslösung. Denn im Jahr 2006 soll es landesweit Rabatte für alle Betroffenen geben. Bis dahin unterstützt der Staat diejenigen, die wegen ihres geringen Einkommens kaum selbst für ihre Medikamente bezahlen können, indem er in den Jahren 2004 und 2005 bis zu 600 US-Dollar jährlich zuschießt. In der Regierung hofft man, dass diese Übergangslösung dazu führt, dass das Gesetz positiver aufgenommen wird.

Vor den Präsidentschaftswahlen im November will Präsident George W. Bush mit dieser Maßnahme erneut Punkte sammeln. Doch die Demokraten werfen ihm vor, lediglich die Pharmaindustrie und die großen Versicherungsgesellschaften zu begünstigen. Thomson aber stellt klar, dass dank der Rabattkarten nun in kürzester Zeit Millionen Amerikaner von der Medicare-Reform profitieren. Thomson: „ Je mehr die Älteren über die Reform erfahren, desto mehr werden sie das Gesetz mögen.“

Das Kartensystem funktioniert dank eines Zusammenspiels verschiedener Ebenen. Die 28 ausgewählten Unternehmen bemühen sich darum, mit den Herstellern verbesserte Konditionen zu vereinbaren. Parallel hierzu verhandeln sie mit den Apotheken. Die müssen sich bereit erklären, die Karten zu akzeptieren, wenn sie ins Geschäft kommen oder im Geschäft bleiben wollen. Wenn ein Karteninhaber die Apotheke besucht und seine Karte vorzeigt, ist der Apotheker verpflichtet, den Patienten auf die deutlich günstigere generische Alternative hinzuweisen.

Zu den Unternehmen, die die Erlaubnis zu Ausgabe von Rabattkarten erhalten haben, zählen Tochtergesellschaften der Branchengrößen Aetna, Caremark, Medco und AdvancedPCS. Die Kartenunternehmen können von den Patientinnen und Patienten eine einmalige Einschreibegebühr von bis zu 30 Dollar nehmen. Ein Viertel der Gesellschaften hat jedoch angekündigt, komplett auf die Gebühr zu verzichten. Ohnehin hoffen die Firmen, durch gute Verträge mit den Herstellern und den Apotheken ein einträgliches Geschäft machen zu können. Wie weitreichend das Rabattkartensystem ist, verdeutlicht die Ankündigung eines Karten-Providers, auf alle von der FDA zugelassenen Medikamente Rabatte zu gewähren.

Die meisten Gesellschaften wollen ihre Karten landesweit an Mann und Frau bringen. 29 weitere Unternehmen, die sich um eine Teilnahme beworben hatten, wurden vom Gesundheitsministerium abgelehnt. Top

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