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Der deutsche Standort ist wenig attraktiv

19.03.2001
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PHARMAINDUSTRIE DER OECD

Der deutsche Standort ist wenig attraktiv

von Karl H. Brückner, Berlin

Die deutsche pharmazeutische Industrie hat in den letzten Jahren gegenüber der Konkurrenz insbesondere in den USA, Großbritannien und Schweden an Boden eingebüßt. Zu dieser Einschätzung kommen fünf unabhängige Forschungsinstitute, die im Auftrag der Bundesregierung einen 175-seitigen Bericht "Zur technologischen Leistungsfähigkeit Deutschlands" erarbeitet haben.

Das Gewicht der Forschungs- und Entwicklungs-(F&E)-Aktivitäten in der Pharmaindustrie hat dem Bericht zufolge in den 15 großen industrialisierten Ländern der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) seit den 70-er Jahren deutlich zugenommen. Der Anteil der Arzneimittelhersteller an der Industrieforschung ist in den OECD-Ländern von knapp 5 Prozent 1973 auf 10 Prozent Mitte der 90-er Jahre gestiegen.

In Deutschland zeigt sich jedoch eine gegenläufige Entwicklung: Hier ist der Anteil der F&E-Aufwendungen der Pharmaindustrie gemessen an der verarbeitenden Industrie insgesamt gleichzeitig von etwa 7 auf 5 Prozent zurückgegangen. "Das Gewicht Deutschlands als Akteur in der weltweiten Pharmaforschung ist dadurch geringer geworden", heißt es in dem Report. 1973 erreichten demnach die F&E-Aufwendungen der deutschen Pharmaindustrie einen Anteil von knapp 13 Prozent an denen der Branche in der OECD. Dieser Anteil sei dann kontinuierlich zurückgegangen.

Allerdings zeigte sich in der zweiten Hälfte der 90-er Jahre eine Besserung. Die Arzneimittelhersteller steigerten ihre F&E-Anstrengungen deutlich auf jeweils rund 7 Prozent Anteil in der Bundesrepublik und in der OECD.

Weitere Befunde zur Pharmaindustrie aus dem Bericht der Bundesregierung: Gemessen an den hohen Patentaktivitäten in anderen Bereichen zählen Arzneimittel sowie biotechnologische und pharmazeutische Wirkstoffe nicht zu den Spezialitäten der Bundesrepublik. Die Erfindungstätigkeit könne der internationalen Patentdynamik nicht folgen. Aber nur ein kleiner Teil der patentierten Innovationen generiert auch signifikanten medizinischen Nutzen und ökonomische Erträge.

Kein Rückgang des Innovationserfolgs

Gemessen an der Anzahl der Neueinführungen, die auf deutschen Erfindungen beruhen, zeigt sich in der kurzfristigen Perspektive der 90-er Jahre kein Rückgang des Innovationserfolgs. Bezüglich der Anzahl der Erfindungen von neu im Markt eingeführten Wirkstoffen (NEC =New Chemical Entities) konnten die Hersteller ihre Position gegen Ende der 90-er Jahre sogar leicht verbessern und damit den Anteil an der Zahl der weltweiten Neueinführungen erhöhen (etwa 10 Prozent 1997 bis 99). 

Im Durchschnitt dieser Jahre wurden weltweit etwa 40 NECs auf den Markt gebracht. Die Anzahl der Neueinführungen ist damit in den 90-er Jahren weltweit zurückgegangen - im Schnitt der Jahre 1985 bis 89 wurden nämlich noch 55 NECs gezählt.

Betrachtet man jedoch nur die jeweils 50 weltweit erfolgreichsten Neueinführungen in diesen beiden Zeiträumen, ist eine deutliche Abnahme des weltweiten Umsatzanteils der deutschen Hersteller festzustellen. Die Verbesserung der Innovationskraft der USA zeigt sich eindrucksvoll mit einem Umsatzanteil der am besten verkauften neuen Präparate von knapp 70 Prozent im Zeitraum 1995 bis 99 (Deutschland: etwa 3 Prozent). Eindeutiger Verlierer erfolgreicher Markteinführungen war in den 90-ern Japan mit unter 5 Prozent Anteil, er lag in den 80-ern bei 35 Prozent.

Deutschland ist jedoch seit Jahren der größte Exporteur pharmazeutischer Produkte. Diese Position konnte - stimuliert durch das starke Wachstum des Weltmarktes (jährlich knapp 7 Prozent seit 1995) und durch die Abwertung der DM - seit 1996 weiter ausgebaut werden. Alleine die Exporte in die USA stiegen 1997 bis 1999 um 86 Prozent und machen heute etwa ein Fünftel der gesamten deutschen Arzneiausfuhren aus.

Dank Generika stabile Arzneimittelpreise

Dagegen verlief die Entwicklung des deutschen Marktes in den 90-er Jahren eher schleppend. Nicht zuletzt bedingt durch das geringe Wachstum des GKV-Marktes war Deutschland regelmäßig am Ende der internationalen Wachstumshierarchie zu finden. Der steigende Generika-Anteil trug seinerseits dazu bei, dass die Arzneipreise weitgehend stabil geblieben sind. Entsprechend wenig dynamisch entwickelte sich auch der Umsatz der Pharmaindustrie mit rund 3,5 Prozent jährlich seit 1995. Top

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