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Anzag mit hohem Gewinn

11.02.2002
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Anzag mit hohem Gewinn

von Erdmuthe Arnold, Frankfurt am Main

Äußerst zufrieden präsentierte der Vorstandschef der Andreae Noris Zahn AG (Anzag), Horst Trimborn, das Ergebnis des Geschäftsjahrs 2000/01 (31. August). Der Umsatz kletterte um 9,3 Prozent auf 2,74 Milliarden Euro und wuchs stärker als der Gesamtmarkt. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit stieg um 18,6 Prozent auf 52,5 Millionen Euro. Um satte 45 Prozent auf 30 Millionen Euro nahm der Jahresüberschuss zu.

Der Großhandel profitierte im Jahr 2001 von der Gesundheitspolitik, wie Trimborn darlegte. Nach der Lockerung der Wachstumsbremse stieg der Umsatz im Apothekenmarkt erheblich. Auch nahm die Direktbelieferung der Apotheken durch Hersteller zu. Wegen ihres Mikrologistiksystems "zur perfekten Arzneimitteldistribution" partizipierte die Anzag an diesem Geschäft.

Der gezielte Ausbau der Marktposition bescherte dem Unternehmen eine Rohertragssteigerung um 12,6 Millionen auf 200,5 Millionen Euro. Das Betriebsergebnis kletterte um 17,6 Prozent auf 53,1 Millionen Euro. Alle Konzerngesellschaften hätten mit einem positiven Ergebnis dazu beigetragen. Das gute Ergebnis erlaubt es Vorstand und Aufsichtsrat der Hauptversammlung eine Bardividende (einschließlich Bonus) von 1,35 Euro vorzuschlagen. Dies entspricht einer Dividendenrendite von 7,7 Prozent.

Die erheblichen Investitionen in die Effizienz und Qualität in allen Betrieben haben sich laut Trimborn ausgezahlt. Mit ihnen konnte die Produktivität der Mitarbeiter verbessert werden. Und es wird weiter investiert und automatisiert, so in eine neue Niederlassung in Regensburg, an der die Apothekenkunden mit Fondsanteilen beteiligt sind.

Verurteilung zu Schadenersatz

Ebenfalls erfolgreich war die Anzag in ihrem Gerichtsstreit mit dem früheren Vorstandschef, Dr. Hermann Franke, der zusammen mit seinem persönlichen Berater Wolfgang Ernst über die Gründung einer Drittfirma Logistikdienstleistungen überteuert an die Anzag verkaufte und damit einen Gesamtgewinn von 5 Millionen Euro einstrich. Beide sollen am 20. Dezember zu einer Schadensersatzzahlung von 5,11 Millionen verurteilt worden sein.

Rein zufällig, wegen des Wechsels im Vorstand, sei diese Veruntreuung überhaupt aufgedeckt worden. Als Konsequenz verabschiedeten Vorstand und Aufsichtsrat ein Maßnahmenpaket, um solche Vorfälle zu verhindern.

Marktmacht wird nicht abgeben

Die Anzag stehe mit beiden Beinen im Lager der apothekennahen Pharmagroßhändler. Das machte Trimborn ebenfalls deutlich. Zusammen mit Sanacorp und Noweda halten sie einen Marktanteil von gut 36 Prozent. 13.000 der 21.500 Apothekenleiter sind als Genossenschaftler oder Aktionäre Anteilseigner. Über eine enge Kooperation könne die Position und der unternehmerische Handlungsspielraum der selbstständigen Apotheker vergrößert und die Interessen der Apothekerschaft in der Arzneimitteldistribution gewahrt werden. Dies sagte der Vorstandschef mit Blick auf das noch schwebende Rechtsverfahren der Sanacorp vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf. Dort soll der am 20. September 2001 ergangene ablehnende Bescheid der Kartellbehörde auf Übernahme eines Aktienpakets wieder rückgängig gemacht werden. Sicher ist sich Trimborn, dass auch bei negativem Ausgang das Anzag-Anteilspaket der Deutschen Genossenschaftsbank in der Hand der Apotheker oder ihrer Partner bleibt.

Im Gesundheits-Logistikmarkt

Die Kostensituation im Gesundheitsbereich verlangt Änderungen in der Gesundheits- beziehungsweise Healthcare-Logistik, berichtete Trimborn unter Verweis auf die "steinzeitlichen Strukturen" in den Krankenhäusern, wo mit hohen Personalkapazitäten eigene Ver- und Entsorgungsbereiche für Arzneimittel, technische Geräte, Instrumente et cetera vorgehalten werden. Standardisierungs- und Bündelungseffekte würden kaum genutzt. Hier stehe die Anzag als Logistikdienstleister bereit. Trimborn schätzt diesen Markt auf 7 bis 10 Milliarden Euro, also 8 bis 11 Prozent des deutschen Logistikmarkts. Die Anzag-Töchter hätten in ihren Geschäftsfeldern im abgelaufenen Geschäftsjahr bereits 180 Millionen Euro erlöst, davon fielen 38 Millionen Euro im Außenumsatz an.

Im Einzelnen nannte Trimborn die AS Logistik mit Transportdienstleistungen für andere Pharmagroßhändler und andere Branchen. Der CPL Pharma Lager und Vertrieb bietet Pharmagroßhändlern ein zentrales Auslieferungslager mit 10.000 Palettenplätzen an. Das Konsignationslagerkonzept CPL plus bietet Pharmaherstellern das Outsourcing ihrer Logistik zum Mikrologistiksystem der Anzag an. Es übernimmt die Lagerung der Ware in allen Niederlassungen bis zur Rechnungsstellung im Namen des Kunden. Logistikprojekte für andere Handelsunternehmen plant und übergibt schlüsselfertig die Anzag-Tochter APL Logistik und Bauplanung.

Wie Trimborn einräumt, ist der Markt für Gesundheitslogistik noch sehr zersplittert: "Zu den Gewinnern werden Unternehmen gehören, denen es gelingt, die Strukturen zu integrieren und die Teilleistungen verschiedener Dienstleister in einem effizienten Prozess zu vernetzen. Genau hier liegt das Know-how der Anzag".

Keine Angst vor der Politik

Nur wenig Sorge bereitet dem Anzag-Chef das laufende Geschäftsjahr, in dem von September bis Dezember 2001 der Umsatz weiter um 6,6 Prozent gestiegen ist. Zwar wirkten sich die verschiedenen Regelungen im Gesundheitswesen auf den Geschäftsverlauf aus. Die Maßnahmen könnten aber das Marktwachstum nicht stoppen. Ihr Ziel sei es lediglich, die Ausgabenentwicklung der GKV auf ein finanzierbares Niveau zu begrenzen. Das Drehen an der Preisschraube helfe nicht weiter, das hätten inzwischen alle Parteien begriffen. Daher zielten die Vorschläge jetzt überwiegend auf strukturelle Reformen, wie etwa des Preis- und Distributionssystems durch die Ermöglichung des Versandhandels und der Internet-Apotheke. Bei einer Abwägung werde jedoch schnell deutlich, dass nur die traditionelle Apotheke vor Ort dem Patienten alle Vorteile bringt. Versandhandel werde daher bei der im Internet bereits präsenten Anzag nur in enger Absprache mit den Apotheken geben. Bereits heute könnten Verbraucher freiverkäufliche Produkte unter www.gesundheit.de bestellen und sie dann in ihrer Apotheke abholen. Top

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