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"Wir machen uns keine Sorgen"

10.12.2001
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EURO-UMSTELLUNG

"Wir machen uns keine Sorgen"

von Christina Hohmann, Frankfurt am Main

Der Euro kommt und die Apotheker sehen ihm gelassen entgegen. Am 1. Januar 2002 wird die neue Währung die D-Mark ablösen und die Apotheker vor einige logistische Herausforderungen stellen. Aber wie eine PZ-Umfrage in der Euro-Stadt Frankfurt zeigt, sind die Pharmazeuten gut vorbereitet und haben ihre Hausaufgaben gemacht - zumindest die meisten.

"So wild wird das alles nicht", meint Markus Peschke aus der Kant-Apotheke in Frankfurt-Bornheim ruhig. Der junge Apotheker ist von seiner Chefin mit den Vorbereitungen auf die Umstellung beauftragt. Das Wechselgeld hat er schon bestellt und auch sonst sieht er der Umstellung auf den Euro gelassen entgegen: "Es ist viel Hysterie verbreitet worden. Aber bei uns fruchtet das nicht." Eine zweite Kasse für die beiden Währungen will er in der Übergangszeit nicht aufstellen, das findet er "albern". Die alten Scheine und Münzen sollen dagegen in einer großen Box gesammelt werden. "Zum Glück haben wir zu dieser Zeit einen Praktikanten. Der kann dann alle paar Stunden das alte Geld ausräumen und sortieren." Und falls kein Euro-Wechselgeld mehr in der Kasse sein sollte, bekommen die Kunden eben DM zurück. "Das ist Gott sei Dank ja nicht verboten", sagt Peschke. Außerdem hat er sich fest vorgenommen, aus der Apotheke keine Wechselstube zu machen. "Wenn einer ein Päckchen Taschentücher mit einem großen DM-Schein bezahlen möchte, dann bekommt er das Päckchen halt geschenkt." Den Banken möchte er nicht die Arbeit abnehmen.

An Neujahr umetikettieren

Am Neujahrstag wird Peschke für drei bis vier Stunden in die Apotheke kommen und die Freiverkaufspreise ändern. Dabei will er durch Auf- und Abrunden sicherstellen, dass nicht so "allzu gruselige Preise" entstehen. Insgesamt macht er sich keine Sorgen: "Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Wir haben hauptsächlich Stammkundschaft und die wartet bestimmt geduldig, wenn das Umrechnen ein wenig länger dauert. Schlimmer sind da die Kollegen auf der Zeil dran - mit der vielen Laufkundschaft."

Und tatsächlich rechnen die Kollegen in Deutschlands umsatzstärkster Einkaufsstraße in der Frankfurter Innenstadt mit ein wenig Hektik: "Wir machen das am Sonntag, den 30. Dezember, all-in-one. Dann treffen wir uns alle in der Apotheke und machen die Inventur und die Umstellung auf den Euro in einem", erklärt Reka Kristen, PTA und Kosmetikerin in der Hirsch-Apotheke auf der Zeil. Dann wird auch die Freiwahl neu etikettiert und der Chef schult seine 15 Angestellten Mitarbeiter im Umrechnen und den Besonderheiten der neuen Währung. "Das wird wohl den ganzen Tag dauern und vermutlich ein absolutes Chaos werden - aber solche Hauruck-Aktionen haben bei uns immer prima funktioniert."

Andere Kollegen fangen früher mit dem Etikettieren an. "Was wir machen können, machen wir jetzt schon. Sobald die Preise feststehen, zeichnen wir in Euro und DM aus", erklärt Mareen Pelster-Frank von der Merian-Apotheke. "Die Kollegin ist schon seit Tagen damit beschäftigt." Die Apothekerin macht sich keine Sorgen wegen der Umstellung. Die Software wird automatisch upgedatet und das Wechselgeld in Höhe von zwei Tageseinnahmen ist auch schon seit Anfang November da. "In der Anfangszeit wollen wir zwei verschiedene Kassen benutzen - eine für Euro eine für DM. Und was das Wechselgeld anbelangt: Wir lassen uns überraschen, wer was womit bezahlt."

Gelassen zurücklehnen kann sich auch das Team der Eichwald-Apotheke in Bornheim: Die Freiwahl ist schon seit dem Sommer doppelt ausgepreist. Mehr Sorgen als die Umstellung auf den Euro machen ihr die fallenden Aktienkurse, erklärt die Apothekerin Irmtraud Schmidt lächelnd. "Wir haben gute Kassen und eine gute Software - die machen die Arbeit für uns."

Die Software arbeiten lassen

Auf seine Software verlässt sich auch der Leiter der Arnsburg-Apotheke, Thomas Wiesner. "Die erledigt die Hauptarbeit. Wir haben uns für die Euro-Einführung extra eine neue Kasse angeschafft." Um nicht in allzu großen Stress zu kommen, hat er die Inventur auf Mitte Dezember vorverlegt. "Dankenswerterweise fällt ja auch die Preiserhöhung Ende dieses Jahres aus." Durch die Konfusion der ersten Tage, die doppelten Preise und mögliche unvorhergesehene Fälle würde sowieso mehr Arbeit als sonst anfallen. "Der Skiurlaub mit der Familie fällt in diesem Winter aus", erklärt Wiesner. Allerdings ist der Apotheker auf die neue Währung gut vorbereitet. Auf der Bank hat er die neuen Münzen und Scheine bereits "angeschaut und angefühlt". Außerdem wird er seine Mitarbeiter vor dem 1. Januar 2002 noch auf die Sicherheitsmerkmale hinweisen. Schon seit einer Weile hängt in der Offizin ein Poster mit den Euro-Scheinen und -Münzen - gleich neben dem Poster mit den Fälschungshinweisen von der Europäischen Zentralbank.

Hoffentlich ist das Geld echt

Auf die Währungsumstellung hat sich auch das Team der Raben-Apotheke vorbereitet. Das Wechselgeld ist schon eingelagert und mit der neuen Währung kennt sich die Mannschaft bestens aus: Apothekerin Birgit Oftring hat ein Seminar der Europäischen Zentralbank besucht und ihre Kolleginnen und Kollegen über die unterschiedlichen Sicherheitsmerkmale aufgeklärt. "Am Anfang des neuen Jahres könnte es zu Verwirrungen kommen, weil die neue Währung noch nicht so vertraut ist", meint Oftring. Außerdem würde ein UV-Gerät allein zum Erkennen von Blüten nicht ausreichen. "Da sind noch verschiedene andere Merkmale zu testen."

"Unsere einzige Sorge ist, dass das Geld nicht echt ist", sagt auch der Apothekenleiter Dr. Paul Edmund Raabe, "ansonsten sind wir gut vorbereitet und die Inventur machen wir am letzten Tag des Jahres per Knopfdruck." Schlimm wäre allerdings auch, wenn die Kassenanlage in der Übergangszeit ausfiele. "Dann könnten wir die Abverkäufe gar nicht mehr festhalten und die Umrechnung wäre auch viel komplizierter."

Andere Kollegen gehen die Umstellung sehr viel ruhiger an. "Wir haben ehrlich gesagt noch nicht viel gemacht", sagt Konrad Wilhelm von der Schweizer Apotheke und grinst. "Wir haben noch nicht mal auf Euro umgepreist." Der Apotheker aus Sachsenhausen verlässt sich da auf seine Softwarefirma. Auch um die Menge des Wechselgeldes macht er sich keine Sorgen. "Das bargeldlose Zahlen federt sicher Einiges ab." Außerdem wird er nach ein paar Wochen keine größeren DM-Scheine mehr annehmen, sondern die Kunden lieber an die Bank verweisen, um sich kein Falschgeld einzufangen. Im Umgang mit seinen Kunden konnte der Apotheker allerdings beobachten, dass einigen, vor allem älteren Menschen, bei dem Gedanken an eine neue Währung "ganz mulmig" zumute wäre.

Keine Panik

Andere Frankfurter Kollegen haben ganz andere Erfahrungen gemacht: "Von einer Panik ist nichts zu spüren", sagt Doris Bouimtas von der Malteser-Apotheke in Bornheim. Vor allem die älteren Kunden haben die Einstellung, dass sie das alles schon einmal erlebt haben und dieses Mal auch hinter sich bringen werden. Allerdings ist ihr aufgefallen, dass ihre Kunden zurzeit mit sehr viel Kleingeld bezahlen. "Das wollen sie wohl rechtzeitig loswerden."

Auch Renate Rammacher aus der Struwwelpeter-Apotheke an der Hauptwache kann keine Verunsicherung der Kunden feststellen. "Gerade heute hat sich eine ältere Dame gefreut, wie viel einfacher es doch durch den Euro sein wird, in fast allen europäischen Ländern mit der gleichen Währung zu zahlen." Die Geschäftsleute haben ihrer Ansicht nach mehr Angst vor der Währungsumstellung als die Kundschaft. Aber auch die Apothekerin sieht dem Jahresanfang optimistisch entgegen: "Wir hoffen, dass alles funktioniert."

 

Informationsmaterial für Euro-ZuzahlungenABDA  Der letzten Ausgabe der PZ wird dieses Jahr ein Umschlag mit Informationsmaterial der ABDA-Abteilung Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit zu den neuen Euro-Zuzahlungsbeiträgen beiliegen. Es umfasst ein beidseitig bedrucktes Plakat sowie einen Aufsteller für den HV-Tisch. Auf der Innenseite des Umschlags sind die Informationen abgedruckt. Sie können kopiert und den Kunden bei Bedarf mitgegeben werden. Zusätzliche Plakate und Thekenaufsteller können mit einem integrierten Bestellformular per Fax angefordert werden. Kopievorlage und Bestellformular kann man auch unter www.abda.de im Bereich für Apotheker ausdrucken.

 

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