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Pfizer verteidigt umstrittene Kampagne

22.11.2004
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Pfizer verteidigt umstrittene Kampagne

PZ/dpa  Das Pharmaunternehmen Pfizer hat die umstrittene Werbung für den Cholesterol-Senker Sortis® aus seinem Haus verteidigt. Der Konzern hatte vor einigen Tagen angekündigt, sich nicht an den ab Januar 2005 gültigen Festbetrag für sein Präparat halten zu wollen und schaltet seitdem publikumswirksame Anzeigen.

Das US-Unternehmen mit Sitz in Karlsruhe betonte am Montagabend in einer vom baden-württembergischen Sozialministerium eingeforderten Stellungnahme, die „Information über einen fachlich und rechtlich nicht haltbaren Festbetrag“ für das Medikament sei kein Verstoß gegen das Heilmittelwerberecht.

Die Entscheidung, den Festbetrag für das Medikament einzuführen, zeichne sich durch ein „hohes Maß an Intransparenz“ aus. Zugleich habe der Beschluss eine enorme Tragweite für viele Kassenpatienten. Deshalb habe man sich zu dem ungewöhnlichen Schritt entschlossen, die Öffentlichkeit direkt zu informieren.

Wenn ein Arzneimittel, das den Anforderungen an eine therapeutische Verbesserung entspreche, nicht mehr voll erstattet werde, verschlechtere sich die Qualität der Versorgung. Dies müsse

die Öffentlichkeit wissen, meinte Walter Köbele, Vorsitzender der Geschäftsführung von Pfizer Deutschland. Er berief sich zugleich auf die im Grundgesetz geschützte Meinungsfreiheit. Eine Information über dieses politische Thema sei ohne Nennung des Produktnamens nicht möglich.

Pfizer hatte mit großen Zeitungsanzeigen für sein Produkt geworben. Die parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium, Marion Caspers-Merk (SPD), hatte vergangene Woche die baden-württembergische Sozialministerin Tanja Gönner (CDU) zu Sanktionen gegen „unverantwortliche Pharmawerbung“ aufgerufen. Per Gesetz sei Publikumswerbung für verschreibungspflichtige Medikamente verboten. Für Caspers-Merk handelt es sich auch um einen „Fall von ethisch unanständiger Irreführung von Patienten und Verbrauchern“.

Auch der Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. (vzbv) hatte den Arzneimittelhersteller Pfizer abgemahnt. vzbv-Chefin Professor Dr. Edda Müller kritisierte das Vorgehen des Unternehmens scharf. Pfizer missbrauche die Sorge der Patienten für seine Unternehmenszwecke. „Pfizer sorgt sich nicht um die Patienten sondern um seine Gewinne“, sagte Müller. Top

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