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Die Anzag unterstützt ihre Kunden individuell

07.08.2000  00:00 Uhr

-Wirtschaft & HandelGovi-Verlag

Die Anzag unterstützt ihre
Kunden individuell

von Erdmuthe Arnold, Frankfurt am Main

Eine Produktivitätssteigerung in den vergangenen fünf Jahren um mehr als 40 Prozent bei etwa konstanten Betriebskosten und eine deutliche Senkung der Aufragskorrekturen ab 1990 unter ständiger Prozessverbesserung haben sich für die Pharmagroßhandlung Andreae Noris Zahn AG (Anzag) in Frankfurt am Main ausgezahlt.

Noch besser stellt sich das Ergebnis der Sanierung und die Vorgabe restriktiver Ausgaben unter dem damaligen Vorstandsvorsitzenden Franz H. Wolf in den 80er Jahren dar. Sie geben der Anzag heute einen großen finanziellen Spielraum, wie der neue Vorstandsvorsitzende Horst Trimborn in einem Gespräch mit der PZ hervorhob. Als Folge konnten die Verbindlichkeiten gegenüber den Kreditinstituten zwischen 1980 bis 1999 von 181,6 Millionen auf 75,6 Millionen DM reduziert und zugleich die Rücklagen von 63,8 Millionen auf 307,3 Millionen DM und das Eigenkapital von 94,1 Millionen auf 383,5 Millionen DM erhöht werden. "Die Eigenkapitalquote von rund 50 Prozent kann sich sehen lassen", sagte Trimborn, der damit auf die sehr viel niedrigeren Quoten der Mitbewerber Phoenix und Gehe anspielte.

Während diese beiden auf Europatour befindlichen Pharmagroßhandlungen durch teure Neuerwerbungen und Fusionen an der ehemals größten deutschen Arzneimittelgroßhandlung vorbei sprinteten, stellt sich die Anzag heute als finanziell grundsolides auf Deutschland konzentriertes Unternehmen mit 23 zertifizierten Niederlassungsbetrieben dar. Über all die Jahre hinweg konnte das Unternehmen seinen Marktanteil von 16 Prozent halten. In der dritten markt- und kundenorientierte Phase will der Vorstand nun die Position der Anzag als Marke ausbauen und ihre Attraktivität und ihren Wert noch weiter steigern.

Internationalisierung bringt nichts

Im Vorstand und auf Führungsebene, so Trimborn, hat man sich detailliert mit der Frage beschäftigt, ob eine Internationalisierung beziehungsweise Europäisierung des Geschäftsangebots einen Stellenwert für die individuelle Apotheke und die Aktionäre in Deutschland haben könnte ist und zu dem Ergebnis gekommen, dass dies nicht der Fall wäre, auch nicht auf der Produktlinie. Im übrigen verweist Trimborn auf die seinerzeit zusammen den Großaktionären der Anzag gegründete Tochtergesellschaft IPSO in den Niederlanden, mit der im Bedarfsfall eine Zusammenarbeit auf europäischer Ebene möglich wäre.

"Für die Anzag ergibt es mehr Sinn, mit den Apothekengenossenschaften Sanacorp und Noweda in bestimmten Sortimentsbereichen enger zu kooperieren und die Zentrallagerversorgung und Transportgesellschaften gemeinsam zu nutzen", erläuterte Trimborn die Zielsetzung des Vorstands, der – wie in PZ 28/00, Seite 70 berichtet - seine Aufgabenteilung konsequent auf die Apotheken ausgerichtet hat, um mit diesen gemeinsam über gezielte individuelle Partnerschaftskonzepte marktorientierte Strategien zu erarbeiten, die ein Überleben im härter werdenden Wettbewerb ermöglichen. Dies muss, so Trimborn, permanent vor Ort in den Apotheken betrieben werden.

Anzag-Aktionärsstruktur Ende 1999 in %

Sanacorp Pharmahandel AG* 24,99 Deutsche Genossenschaftsbank 24,99 Noweda eG 24,99 UniChem Healthcare B.V. 10,01 OPG Holding GmbH 6,18** Streubesitz 8,84 *) Der Sanacorp eG steht ein Erwerbsrecht auf weitere 25 Prozent (plus 3 Aktien) bei Ausübung eines Call-Optionsvertrages zu.

**) zur Hauptversammlung am 18. März 1999 gemeldete Beteiligung.

Kooperative Zwei-Marken-Strategie

Die in den vergangenen Jahren immer wieder von Journalisten aufgeworfene Frage nach einer Fusion mit der Sanacorp, verneint der neue Vorstandsvorsitzende entschieden. "Von zwei bekannten Marken eine zu löschen", das sei für ihn absurd. "Wir treten bewusst getrennt als Apothekengenossenschaft und als Aktiengesellschaft auf und werden die Zwei-Marken-Strategie noch präziser positionieren und gemeinsam Kooperationsmöglichkeiten zu nutzen. So erreichen wir den größtmöglichen Nutzen für die Apothekenkunden und die Aktionäre."

Als ein wichtiges Kooperationsfeld nannte Trimborn die Aufbereitung und Vermarktung von Informationen der drei Pharmagroßhandlungen an institutionelle Nachfrager (wie beispielsweise IMS Health) über die hundertprozentige Anzag-Tochtergesellschaft für Informationsmangement GESDAT GmbH. Sie wurde 1999 gegründet und kann seit diesem Jahr die Abverkaufsdaten von Anzag, Sanacorp und Noweda mit einem Marktanteil von 36 Prozent zu einem deutlich besseren Preis verkaufen kann. Den Apothekenkunden sollen ab dem kommenden Jahr im Rahmen der E-Business-Aktivitäten gleichfalls zeitnahe Abverkaufsdaten zur Verfügung stehen, damit sie regionale und lokale Auswertungen nach ihren apothekenspezifischen Bedürfnissen vornehmen können.

DaFü-Leitungen sind unersetzlich

Kundenorientiert gibt sich die Anzag schon seit langem mit ihrem Online-Auftritt, der ständig erweitert wird und in den jetzt das Warenwirtschaftssystem Wapha integriert wurde. Dieses unterstützt die Auftragsabwicklung zwischen den Apotheken und der Anzag sowie die Lager-, Förder- und Kommissioniertechnik, Einzelfakturierung der Aufträge bei der Lieferung sowie die Erstellung einer monatlichen Sammelrechnung für die Apothekenkunden. Zur Pharmaindustrie hin deckt es außerdem das Beschaffungswesen mitsamt der Dispositions- und Bestellabwicklung ab, wie es in einem neuen Prospekt der Anzag heißt.

Trimborn relativierte die Möglichkeiten des Business- to Business-Geschäfts. "Das Internet ist für das Massengeschäft zwischen Apotheken und Pharmagroßhandel völlig ungeeignet und wird die DaFü-Leitungen nicht ersetzen können." Wie die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Apothekensoftwarehäuser (ADAS) in einem PZ-Interview (Heft 29, Seite 52) ausführte, strebt sie zusammen mit der datenfernübertragungsgeräte-Gesellschaft (DATEG) des Phagro die EDV-gestützte serielle Bestellung als einzige Norm an.Top

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