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Wachstumsmaschine drosselt Tempo

26.07.2004
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eBay

Wachstumsmaschine drosselt Tempo

von Thomas Bellartz, Berlin

Parallel zu der öffentlichen Ankündigung, nun auch aktiv ins Medikamentengeschäft einzusteigen, verkündete eBay in der vergangenen Woche die weltweiten Quartalszahlen. Nach dem furiosen Wachstum drohen nun die Niederungen der unternehmerischen Normalität. In Deutschland stockt die Expansion.

Das Internetaktionshaus eBay steigerte seinen Nettogewinn im zweiten Quartal 2004 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um satte 108 Prozent auf rund 254 Millionen US-Dollar. Der Umsatz stieg im gleichen Zeitraum um rund 52 Prozent auf 773,4 Millionen Dollar an.

Allerdings verdeutlichen die Zahlen einen Trend, der sich erst auf den zweiten Blick ablesen lässt. Denn der Umsatz hat sich im Vergleich zum vorhergehenden Quartal nur leicht positiv entwickelt. eBay scheint damit zunächst eine weitere Spitze genommen zu haben. Das Unternehmenswachstum werde sich zusehends in Europa und in Asien abspielen, verkündete das Management. Die Börsen reagierten auf die deutlich geringere Wachstumsdynamik des Unternehmens äußerst skeptisch. Es hagelte Kursabstriche.

Normaler Einzelhändler

Fachleute rechnen damit, dass sich das Unternehmen mehr und mehr zu einem „normalen“ Einzelhandelskonzern entwickeln werde. Das ändert freilich nichts an der enormen und beinahe konkurrenzlosen Profitabilität von eBay.

Nicht ganz so positiv verlief schon im vergangenen Jahr das eBay-Geschäft in Deutschland. Das Unternehmen bleibt hinter den eigenen Erwartungen deutlich zurück. Das umsatzstarke Geschäft mit Autos und Immobilien kommt nicht recht in Schwung. Und auch der Zukauf der Online-Autobörse mobile.de für immerhin mehr als 120 Millionen Euro belastet das Unternehmen, das im Jahr 2003 hier zu Lande rund 300 Millionen Euro umgesetzt hat, schwer.

Nur verständlich, dass eBay nun auch offiziell in den Handel mit Medikamenten eingestiegen ist. Nachdem nämlich auch der Immobilienbereich eher vor sich hindümpelt als zur Euphorie treibt, setzt man in der Deutschland-Zentrale nahe Berlin nun auf den wachsenden Trend, Arzneimittel aus dem Internet zu beziehen.

Ein Mitarbeiter aus dem Unternehmen erläuterte gegenüber der PZ, dass man darauf setze, dass eine breitere Zielgruppe über die neu eingerichtete Rubrik „Medikamente“ zu eBay finde. Strategisch setze man darauf, dass der erfolgreiche Kauf oder Verkauf zu weiteren An- und Verkäufen, durchaus auch in anderen Marktplätzen führe.

Vertriebskanal prüfen

eBay wirbt nun gezielt um Apotheken, die das Angebot der Internet-Börse erweitern. Denn nur, wenn möglichst viele Apotheken bei eBay mitmachen, lohnt sich das Geschäft – für eBay.

Mit einer Handvoll Apotheken startete die Internetbörse eBay in der vergangenen Woche ihre neue Rubrik „Medikamente“. Doch innerhalb des Unternehmens setzt man darauf, dass möglichst bald schon mehr als 100 Apotheken ihre Shops online verkaufen wollen und im Wettbewerb miteinander treten.

Was sind die Folgen des Wettbewerbs bei eBay? Die Antwort liegt zunächst auf der Hand: Die Preisspirale startet, dreht sich möglicherweise immer schneller. Das dürfte bei eBay schneller geschehen, als im „normalen“, also nicht-virtuellen Markt. Allerdings hat dies Folgen. Positiv sind die Auswirkungen auf den ersten Blick für die Patienten, die in den Genuss preiswerter Arzneimittel kommen könnten. Das Ganze verbleibt allerdings im Konjunktiv. Denn berücksichtigt werden muss, dass nur nicht rezeptpflichtige Arzneimittel via eBay angeboten und verkauft werden dürfen. Diese Produkte gehören in der Regel einem preiswerteren Sortiment an. Die Gesamtkosten für den Patienten, die sich aus den eigentlichen Kosten für das Medikament und den zu addierenden Transportkosten ergeben, sind entscheidend. Patienten werden sorgsam prüfen, ob sich der Einkauf via eBay-Apotheke überhaupt lohnt.

Aus Sicht der Apotheken muss der neue Vertriebskanal – wie übrigens jeder Vertriebsweg – aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet werden. Ein entscheidender Punkt dürfte beispielsweise die Pflege des eigenen Shops sein. Denn der hierfür betriebene Aufwand muss sich in der Preisgestaltung wiederfinden. Damit nicht genug, ist bekanntermaßen „die letzte Meile“ die teuerste. Das bedeutet für die einzelne Apotheke, dass sie gewissenhaft klären muss, wie und zu welchen Kosten sie die verkauften Produkte an die Käufer versendet, welche Kosten die Käufer tragen und welche Kosten bei der Apotheke verbleiben – und damit in den Produktpreis eingerechnet werden müssen.

Mit diesen Punkten dürften diejenigen vertraut sein, die sich in den vergangenen Monaten nicht nur um den Erhalt der Versandhandelserlaubnis, sondern mit der faktischen Umsetzung des Versandhandels in ihrer Apotheke beschäftigten. Als Geschäftspartner von eBay erwartet die einzelne Apotheke allerdings noch weitere Kosten. Denn neben dem Aufwand, den die Pflege des eigenen Shops, den dauernden Preisvergleich, Bestellung, Lieferung et cetera verursachen, möchte auch eBay vom Geschäft zwischen Patient und Apotheke verdienen. Die Kosten hierfür müssen in die Preiskalkulation ebenso mit einfließen, wie die Kosten für Werbung, Verpackung, Shop-Pflege und so weiter.

Erst all die gesamte Kostenstruktur macht eine detaillierte Berechnung möglich, ob sich das Angebot via eBay lohnt. Die „Neulust“ auf eBay und das Geschäft innerhalb und mit der erfolgreichen Internetbörse macht manchem die Kooperation schmackhaft. Doch der neue Vertriebskanal ist nur einer von vielen. Die einzelne Apotheke sollte prüfen, welche Vor- und Nachteile der „Vertriebskanal“ eBay gegenüber bereits bestehenden oder alternativen Kanälen hat; und ob sich der Aufwand insgesamt überhaupt lohnt. Top

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