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Was bringt „Riester“ für die Altersversorgung?

22.07.2002
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Rentenreform 2002

Was bringt „Riester“ für die Altersversorgung?

von Markus Händeler, Hannover

Für das Alter sparen, sparen, sparen. So kann man mit wenigen Worten die staatliche Aufforderung zum Aufbau einer eigenen betrieblichen oder privaten Altersvorsorge zusammenfassen. Wie es funktioniert, wurde bereits dargestellt. Hier nun einige Entscheidungshilfen.

Eine eigene Altersversorgung kann man sowohl unter Einbezug seines Arbeitgebers über eine betriebliche Altersversorgung, als auch im privaten Bereich aufbauen. Für die Mitarbeiter in den deutschen Apotheken spricht Vieles für die private Altersvorsorge. Denn dafür gibt es neben staatlichen Zulagen unter Umständen noch einen Arbeitgeberzuschuss. Welche Anlageform eignet sich für welchen Arbeitnehmer?

Variante 1 - Der Banksparplan

Unter dem Motto „sicher ist sicher“ gelten klassische Banksparpläne nicht gerade als Renditeknüller. Allerdings haben sie den Vorteil der gesicherten Verzinsung. Dies ist gerade in Zeiten einer negativen Börsenentwicklung nicht zu unterschätzen. Ältere Arbeitnehmer, die nur wenig Zeit haben, etwas für die Rentenaufbesserung zu tun, werden zu Recht das große Risiko nicht eingehen wollen.

Variante 2 - Die Rentenversicherung

Die reine Rentenversicherung garantiert einen Zins von 3,25 Prozent. Unter Einrechnung von nicht garantierten Überschüssen kann durchschnittlich mit einer Rendite von 5,6 Prozent gerechnet werden. Die Laufzeit sollte mindestens zwölf Jahre betragen. Je nach Risikobereitschaft (Teile der eingezahlten Gelder werden in Aktien angelegt) sind mit fondsgebundenen Rentenversicherungen Renditen von 6,4 Prozent und mehr erzielt zu erzielen. Diese Policen bieten sich eher für jüngere Arbeitnehmer mit längerem Anlagehorizont an.

Variante 3 - Fondssparpläne

Fondssparpläne investieren das eingezahlte Geld in Rentenpapiere oder Aktien. Bei Rentenpapieren kann das Risiko gering eingeschätzt werden, bei Aktien sollte der Anleger sich über Chancen und Risiken bewusst sein. Aktienfondssparpläne eignen sich insbesondere für jüngere Arbeitnehmer, die noch eine aktive Berufszeit von 15 Jahren und mehr haben. Dann sind durchaus Renditen von 8 Prozent möglich. In jedem Fall sind zertifizierte Fondssparpläne abgesichert, das heißt es gibt mindestens das eingezahlte Kapital zurück.

Bevor ein Vertrag abgeschlossen wird, sollte man sich vom Anbieter einen individuellen Sparplan erstellen lassen, und zwar bis zum Rentenbeginn. Dieser muss berücksichtigen, wie lange zum Beispiel Kinder gefördert werden und wie hoch jeweils Eigenbeitrag und staatliche Zulagen sind. Außerdem sollte die Rendite des Vertrags erkennbar sein. Ein Vergleichsangebot sollte in jedem Fall eingeholt werden.

Wichtig ist auch dies: Spätere Leistungen aus Riester-Verträgen sind in voller Höhe steuerpflichtig. Außerdem wird die Rendite infolge der zu garantierenden Leistungen immer geringer sein als bei vergleichbaren Verträgen „ohne Riester“.

Wo in etwa Grenzwerte liegen, die den Abschluss eines geförderten Vertrags empfehlen, ergibt sich aus Tabelle 1. Arbeitnehmer, deren Einkommen oberhalb dieser Grenzen liegt, stellen sich in der Regel mit einer Variante der betrieblichen Altersversorgung ohne Riester-Förderung besser (zum Beispiel Unterstützungskasse).

 

Tabelle 1: Bruttoeinkommen, bis zu dem eine Riester-Förderung sinnvoll sein kann

Persönliche SituationBruttogehalt in Euro Ledig, keine Kinder 15.000 Ledig, ein Kind 27.500 Ledig, zwei Kinder 35.000 Verheiratet, keine Kinder 32.500 Verheiratet, ein Kind 42.500 Verheiratet, zwei Kinder 60.000

 

In jedem Fall gilt: Egal ob man sich für Altersvorsorge mit oder ohne „Riester“ entscheidet, durch das regelmäßige Sparen auch von vergleichsweise kleinen Summen kann man zu einem beachtlichen Vermögen kommen. Dies veranschaulicht Tabelle 2.

 

Tabelle 2: Angesammeltes Vermögen bei einer jährlich zu zahlenden Sparsumme von 500 Euro mit verschiedenen Renditen

Zeitraum

Angesammeltes Vermögen   4 % 6 % 8 % 10 % 10 Jahre 6243 6986 7823 8766 20 Jahre 15.485 19.496 24.711 31.501 30 Jahre 29.164 41.901 61.173 90.472 40 Jahre 49.413 82.024 139.891 243.426 50 Jahre 79.387 153.878 309.836 640.150

 

Zusammenfassung

Jeder ist aufgefordert, etwas zusätzlich für seine Altersversorgung zu tun. Eine individuelle und objektive Beratung ist sinnvoll. Für die Mitarbeiter in den deutschen Apotheken bietet die private Altersversorgung in den meisten Fällen die besten Chancen. Jeder muss nach seinen individuellen Verhältnissen (Einkommen, Familienstand, Anzahl der Kinder) entscheiden, ob er seine Altersvorsorge mit oder ohne „Riester“ anspart. Jeder muss anhand seiner Risikobereitschaft und seines Anlagezeitraums entscheiden, welches Produkt er wählt (Banksparplan, Rentenversicherung oder Fonds).

Es ist keine Eile geboten, ein Vertrag kann noch bis zum 31. Dezember 2002 abgeschlossen werden, um alle Zulagen für 2002 zu erhalten. Gleichwohl sollte das Thema Altersvorsorge nicht auf die lange Bank geschoben werden.

 

Anschrift des Verfassers:
Markus Händeler, Steuerberater
Geschäftsführer der Treuhand Hannover GmbH, StBG
Hildesheimer Straße 271
30519 Hannover
www.treuhand-hannover.de

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