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Moderates Wachstum, aber keine rosigen Aussichten

26.07.1999
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-Wirtschaft & HandelGovi-VerlagPHOENIX

Moderates Wachstum, aber
keine rosigen Aussichten

von Daniel Rücker, Mannheim

Der Mannheimer Pharmagroßhändler Phoenix hat im Geschäftsjahr 1998/1999 die selbstgesteckten Ziele erreicht. Im Inland stieg der Umsatz um 5,28 Prozent auf 7,934 Milliarden DM und das Ergebnis vor Steuern um 27 Prozent auf 43,614 Millionen DM. Beim Konzernumsatz, der die Umsätze aller europäischen Töchter beinhaltet, legte Phoenix um 8 Prozent auf 12,8 Milliarden DM zu.

"Wir wollten Umsatz und Ertrag steigern, Dies ist uns gelungen," bilanzierte der Vorstandsvorsitzende Dr. Bernd Scheifele das zum 31. Januar abgelaufene Geschäftsjahr. Das Plus von Phoenix liegt in etwa auf dem Niveau des Marktwachstums. Der Umsatz des pharmazeutischen Großhandels stieg 1998 in Deutschland um 5,7 Prozent auf 47,9 Milliarden DM. National ist Phoenix nach eigenen Angaben mit einen Anteil von 28 Prozent Marktführer.

Den überproportionalen Ergebnisanstieg führt Scheifele vor allem auf ein "intensives Kostenmanagement" zurück. So reduzierte das Unternehmen die Personalkosten um 1 Prozent, die Sachkosten blieben auf dem Vorjahresniveau. Der Rückgang bei den Personalkosten spiegelt die geringere Zahl der Angestellten wider. Sie sank im Vergleich zum Vorjahr um 223 auf nunmehr 4958 Mitarbeiter.

Als Höhepunkte des Geschäftsjahres 1998/1999 bezeichnete der Phoenix-Chef den Neubau der Filialen in Berlin und Leipzig, die Zusammenlegung der beiden Kölner Filialen und den Markteintritt in Großbritannien mit elf Niederlassungen. Auf der Insel hat Phoenix einen Marktanteil von 10 Prozent. Durch das Engagement in Großbritannien sei das Unternehmen jetzt in den vier größten europäischen Pharmamärkten (Deutschland, Frankreich, Italien und Großbritannien) präsent. Darüber hinaus unterhält Phoenix Niederlassungen in den Niederlanden, Österreich, Polen, Tschechien und Ungarn.

Für das laufende Geschäftsjahr erwartet Scheifele in Deutschland weiterhin ein moderates Wachstum. Nach einem deutlichen Anstieg im ersten Halbjahr werde sich das Wachstum in den kommenden Monaten jedoch abschwächen. Für das kommende Jahr rechnet er mit einer Stagnation.

Kritik an der Bundesregierung

Unzufrieden ist der Vorstandsvorsitzende mit der Dialogbereitschaft der Bundesregierung. Das Reformgesetz 2000 sei vom Ministerium im Alleingang vorbereitet worden, eine Diskussion mit den Verbänden habe nicht stattgefunden. "Wir hatten praktisch keine Mitsprachemöglichkeit," kritisierte er.

Auch mit dem Resultat der Reform kann sich Scheifele nicht anfreunden: "Globalbudgets zielen ausschließlich auf Kostenreduktion, Qualität spielt hierbei keine Rolle." Das Benchmarking, mit dem die Arzneiausgaben aller Kassenärztlichen Verenigungen (KV) auf das Niveau der sparsamsten Bezirke gedückt werden sollen, hält er schlicht für unsinnig. "Benchmarking ist per se nichts Schlechtes, doch müssen Details, wie Alters- und Infrastruktur einer Region sowie die Arbeitslosenquote berücksichtigt werden." Dies ignoriere die Regierung.

In den anderen westeuropäischen Märkten stehen dem Mannheimer Pharmagroßhändler keine rosigen Zeiten bevor. In Frankreich soll die Großhandelsspanne zum 1. September um 0,3 Prozent gesenkt werden, zudem hat die Regierung per Gesetz die 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich beschlossen. In Großbritannien werden Arzneimittel zum 1. Oktober um 4,5 Prozent billiger.

Phoenix will in den kommenden Jahren den Expansionskurs im Ausland fortsetzen, aber nur "mit Augenmaß akquirieren", kündigte Scheifele an. Einzelne Länder, in den das Unternehmen andere Firmen übernehmen will, nannte er jedoch nicht.Top

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