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Bundes-Statistiker vertrauen Daten der Arzneimittelhersteller

05.07.2004  00:00 Uhr

Bundes-Statistiker vertrauen Daten der Arzneimittelhersteller

von Patrick Hollstein, Berlin

Von den fast 224 Milliarden Euro der deutschen Gesundheitsausgaben des Jahres 2002 wurden 32 Milliarden Euro in Apotheken ausgegeben. Zu diesem Ergebnis kommt die Krankheitskostenrechnung des Statistischen Bundesamts, die öffentliche und private Gesundheitsaufwendungen nach Krankheit, Alter, Geschlecht und Einrichtung aufschlüsselt und so die Berichterstattung des Bundes ergänzen soll.

Die Ausgaben in den Apotheken lagen damit im ambulanten Bereich (insgesamt 108 Milliarden Euro) am höchsten, dicht gefolgt von den Aufwendungen für Arztpraxen mit 31,5 Milliarden Euro. Für die Behandlung in stationären und teilstationären Einrichtungen wurden 2002 86 Milliarden Euro ausgegeben, 60 Milliarden Euro entfielen allein auf die Krankenhäuser. Die Verwaltungsausgaben betrugen knapp 14 Milliarden Euro.

Grundlage der Berechnungen des Statistischen Bundesamtes für die Apotheken bildeten Erhebungen des Verbandes forschender Arzneimittelhersteller (VFA), berichtete der Präsident des Statistischen Bundesamtes, Johann Hahlen, bei der Präsentation der ersten Krankheitskostenrechnung in Berlin. Auch die Selbstmedikation der Patienten sei eingeflossen.

Fast ein Viertel der Aufwendungen entfiel demzufolge auf Krankheiten des Kreislaufsystems; allein für die Behandlung des Bluthochdrucks wurden fast 5 Milliarden Euro ausgegeben. Endokrine Störungen und Stoffwechselerkrankungen, allen voran Diabetes mellitus, fielen mit 4,8 Milliarden Euro ins Gewicht. Weitere Spitzenpositionen bei den in den Apotheken umgesetzten Arzneimittelkosten nahmen Medikamente zur Behandlung von Erkrankungen des Atmungssystems (3,3 Milliarden Euro), des Nerven-, des Verdauungs- und des Skelettmuskelsystems sowie zur Therapie psychischer Störungen (jeweils etwa 2 Milliarden Euro) ein.

Alte verursachen hohe Kosten

Wie Hahlen weiter berichtete, lagen auch bei den Gesamtkosten Krankheiten des Herzkreislaufsystems (35,4 Milliarden Euro), des Verdauungssystems (31,1 Milliarden Euro, davon 19 Milliarden Euro für zahnärztliche Behandlung und Zahnersatz) sowie psychische Störungen (22,4 Milliarden Euro) vorn.

Die Ausgaben pro Kopf lagen im Durchschnitt für Männer bei 2240 Euro, für Frauen bei 3160 Euro. Verantwortlich hierfür waren laut Hahlen eine stärkere Inanspruchnahme von Gesundheitsdienstleistungen durch Frauen, unterschiedliche geschlechterspezifische Erkrankungen sowie der größere Anteil von Frauen vor allem an der älteren Gesamtbevölkerung.

Mit zunehmendem Alter stiegen die Kosten stark an: Für Kinder und Jugendliche bis 15 Jahren, die 15 Prozent der Bevölkerung stellten, aber mit insgesamt 12,5 Milliarden Euro nur 6 Prozent der Krankheitskosten verursachten, lag der Durchschnitt bei 1000 Euro pro Kopf. Im Vordergrund standen dabei Krankheiten des Atmungssystems sowie psychische Störungen. Demgegenüber verursachten die mehr als 65-Jährigen, deren Anteil an der Bevölkerung bei 17 Prozent lag, mit 96 Milliarden Euro fast 43 Prozent der Kosten. Die Ausgaben pro Kopf lagen bei den über 85-Jährigen mit 12 430 Euro am höchsten. Im Vordergrund standen bei den Rentnern Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Hirninfarkt und Schlaganfall. Bei der erwerbsfähigen Bevölkerung dominierten die Kosten für Krankheiten des Verdauungssystems, wofür sich laut Hahlen primär zahnärztliche Leistungen und Zahnersatz verantwortlich zeigten.

Die Krankheitskostenrechnung soll künftig alle zwei Jahre veröffentlicht werden und einen wichtigen Beitrag zu aktuellen gesundheitspolitischen Diskussionen leisten. Gemeinsam mit der Gesundheitsausgabenrechnung und der Gesundheitspersonalrechnung ermögliche die Krankheitskostenrechnung eine tiefgehende Analyse des Gesundheitswesens aus unterschiedlichen Blickwinkeln, sagte Hahlen. Top

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