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APO-Bank will die Zukunft mitgestalten

26.06.2000
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-Wirtschaft & HandelGovi-Verlag

APO-Bank will die Zukunft mitgestalten

von Erdmuthe Arnold, Neuss

Mit dem Aufbau von E-Commerce für die Heilberufe will die Deutsche Apotheker- und Ärztebank für ihre Mitglieder und Kunden im immer schnelleren Wandlungsprozess die Zukunft mitgestalten. So soll jetzt – in Abstimmung mit den Bundeskörperschaften sowie wichtigen Institutionen und Verbänden der Heilberufe eine Netzakademie gegründet werden, die die Versorgungsstrukturen im Gesundheitswesen im Blick haben soll. Dies berichtete der Sprecher des Vorstands der Bank, Diplom-Betriebswirt Werner Wimmer, der Vertreterversammlung am 16. Juni 2000 in Neuss.

In der konstituierenden Sitzung der 11. Wahlperiode unter Sitzungsleitung des Aufsichtsratsvorsitzenden Dr. Wilhelm Osing konnte Wimmer nicht nur über ein sehr erfolgreiches Geschäftsjahr 1999 berichten, er beschäftigte sich zugleich mit längerfristigen Perspektiven der APO-Bank zwischen Kreditwirtschaft und Gesundheitswesen in Zeiten eines starken kurzfristigen Wandels und Umbruchs. Im Mittelpunkt stehen dabei nach einer Prognose des Batelle-Instituts unter anderem die gentechnikgestützte Gesundheitsvorsorge, eine omnipräsente und extrem individualisierte Computerleistung durch Miniaturtechnologien, Nanomaschinen vor allem für die Medizintechnik und die Entwicklung hin zur Unterstützung der Sinnesorgane mit elektronischer oder genetischer Technologie stehen.

Für Wimmer steht fest, "dass sich die Welt nach dem 20. Jahrhundert der Massenproduktion im 21. Jahrhundert der neuen Technologien schneller und nachhaltiger verändern wird als je zuvor". Absehbar sei ein prägnanter Kommunikationswandel sowohl in der Kreditwirtschaft als auch im Heilberufssektor. Denkbar seien Überweisungen zum Facharzt oder ins Krankenhaus per Internet, die Zurverfügungstellung von Befundergebnissen online, Smart-Card-orientierte elektroniche Rezepete oder Terminvereinbarungen des Patienten auf der Homepage des Arztes.

Dem satzungsgemäßen Förderauftrag entsprechend gehe es der Bank darum, die Entwickungen zu analysieren, Tendenzen sichtbar zu machen und Wege zur Nutzung der Trends aufzuzeigen. Hierzu habe man bereits die elektronischen Plattformen aufgebaut und sich frühzeitig positioniert.

Die gravierenden Umwälzungen in der Kreditwirtschaft (mit wenigen erfolgreichen Bankenfusionen) nimmt der Vorstand "sehr ernst", so Wimmer, zumal die APO-Bank "mittelbar oder unmittelbar betroffen ist", und zwar durch die anhaltende Globalisierung, weitere Verschärfung der Konkurrenzsituation, Markteintritt der Direktbanken und dem zusätzlichen Druck auf die Zinsmarge. Die wirtschaftliche Entwicklung im Heilberufssektor und die Auswirkungen der dort geltenden gesetzlichen Regelwerke kämen hinzu.

Erfolgreichstes Jahr seit Bestehen

Die Konzentration auf die Heilberufe hat jedoch durchaus auch Vorteile, wie Wimmer zugleich betonte, weil das gewonnene Know-how so zum Wohl und im Interesse der Kunden eingesetzt werden kann, die diese Kompetenz in schwierigeren Zeiten offensichtlich auch besonders zu schätzen wissen. So ist die Zahl der Kunden 1999 um 6000 auf 217 400 gestiegen. Dies ging einher mit einer zusätzlichen Kreditnachfrage und einer deutlichen Ausweitung des durchschnittlichen Darlehenvolumens. Der Zinsüberschuss hat sich so um 24,3 Millionen auf 631,9 Millionen DM erhöht – trotz der sinkenden Zinsmarge von 2,06 auf 1,9 Prozent, für die Wimmer die zunehmende Konkurrenzsituation verantwortlich macht. Für die Bank war dies Anlass, das zinsunabhängige Geschäft weiter auszubauen, was sich im Anstieg des Provisionsüberschusses um 17,5 Millionen auf 151,3 Millionen widerspiegelt.

Um 56,1 Millionen auf 283,7 Millionen DM stieg das Betriebsergebnis, das mit 188,7 Millionen DM zu versteuern war. 60 Millionen wurden den Rücklagen zugeführt, die verbleibenden 35 Millionen DM gelangen zur Ausschüttung einer Dividende von wieder 6 Prozent (einschließlich Steuergutschrift 8,57 Prozent). Mit dieser Ertragsentwicklung, so betonte Wimmer, konnte der Rekord von 1999 nochmals übertroffen werden. Er resultiert aus einem respektablen Zinsüberschuss, gesteigerten Provisionsüberschuss und einem zwar zunehmenden aber angemessenen Verwaltungsaufwand (um 17,4 Millionen auf 442 Millionen DM).

Die Rahmenbedingungen und Markteinflüsse künftig auszugleichen, wird jedoch künftig schwieriger, wie Wimmer in seinem Ausblick auf das Geschäftsjahr 2000 darlegte. Zwar werde nochmals das Rekordergebnis des Vorjahres erreicht, doch seien im operativen Geschäft nicht ständig neue Steigerungen zu erzielen. Dem wachsenden Preisdruck und verschärften Kampf um Marktanteile stelle sich die APO-Bank kurzfristig durch Ausbau und Intensivierung der Vertriebskonzeption – dem so genannten "Multi-Channel-Banking" (stationär: die Filialen, mobil: im Außendienst, elektronisch: PC-Banking, und telefonisch: Bankservice Apodialog). Längerfristig komme es zu einer modifizierten strategischen Ausrichtung. Ziel ist, so der Vorstandssprecher, "im E-Commerce ein System aufzubauen, das in seinen Funktionalitäten den Bedürfnissen der Heilberufe entspricht". Wimmer sieht in der "rigiden Rationierung" im Gesundheitswesen eine konkrete Gefährdung sowohl der sachgerechten Versorgung der Patienten, der Funktionsfähigkeit der berufsständischen Selbstverwaltung als auch der wirtschaftlichen Existenz der freiberuflich tätigen Heilberufsangehörigen. Dies erfolge zu Gunsten der Krankenkassen.

Die neue Versorgungsform der "vernetzten Versorgungsstrukturen" könne durchaus eine schrittweise Reduzierung des Sicherstellungsauftrags der Körperschaften mit sich bringen, befürchtet Wimmer, "falls ein massiver Ausbau der Integrationsversorgung ohne Einbeziehung der Organisationen erfolgen sollte". Die APO-Bank werde daher im Rahmen ihres Beratungsangebots nachdrücklich darauf hinwirken, "dass Sachverstand und Erfahrung der Körperschaften bei der Erörterung" genutzt und die Organisationen der Selbstverwaltung konkret in die Verhandlungen einbezogen werden. Die neue Tochtergesellschaft Apokom – Kooperations- von Organisations-Mangement werde sich primär der ökonomischen Optimierung von Kooperationen widmen, wobei der Schwerpunkt der Beratungstätigkeiten auf der Kostenseite liegen soll. Darüber hinaus solle – wie eingangs erwähnt - eine Netzakademie zum "Management für Versorgungsstrukturen im Gesundheitswesen gegründet werden.

Einstimmig fielen die Beschlüsse über den Jahresabschluss 1999 und die Verwendung des Bilanzgewinns, Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat. In den Aufsichtsrat wiedergewählt wurden seitens der Apothekerschaft Dr. Hartmut Schmall und Gerhard Reichert.Top

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