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Warnung vor vertikaler Integration

20.06.2005  00:00 Uhr
Parmapharm

Warnung vor vertikaler Integration

von Patrick Hollstein, Würzburg

Innerhalb der nächsten zehn Jahre wird es laut Professor Dr. Eberhard Wille, Sachverständigenrats-Vorsitzender der Bundesregierung, zu einer Lockerung des Mehr- und Fremdbesitzverbots kommen. Auf der Gesellschafterversammlung der Parmapharm warnte Wille gleichzeitig vor der Bildung marktbeherrschender Strukturen.

Dass es innerhalb der nächsten Legislaturperiode zu einer Aufhebung des Fremd- und Mehrbesitzverbots im Apothekenwesen kommt, schloss Wille aus. Langfristige Entwarnung geben wollte er allerdings nicht. Zwar müssten die Betroffenen ausreichend Zeit erhalten, um sich auf die zu erwartenden Umwälzungsprozesse hinreichend einzustellen. Dass auf lange Sicht der reine Qualitätswettbewerb den Bestandsschutz ablösen muss, steht allerdings für den Vorsitzenden des Sachverständigenrats zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen fest: Die Krankenkassen könnten nicht länger für Gesundheitseinrichtungen, sondern allein für deren medizinische Leistungen aufkommen, hatte bereits die Empfehlung des Gremiums vor einigen Wochen gelautet. Eine flächendeckende Arzneimittelversorgung sei auch mit 15.000 Apotheken noch machbar, unterstrich Wille daher auf Nachfrage.

Die größte Gefahr einer Öffnung des Marktes sehe er allerdings in einem umfassenden Konzentrationsprozess im Apothekenwesen. Im bereits oligopolisierten Großhandelsbereich verfügten zwei Unternehmen, die bereits heute die Hälfte des Marktes unter sich aufteilten, über hinreichende Kapazitäten, einen Großteil der Einzelhandelsbetriebe aufzukaufen. Dies käme nicht nur einem völligen Erliegen des Wettbewerbs unter den Großhändlern gleich; angesichts der internationalen Aufstellung der Unternehmen sowie der Durchdringung auf Hersteller-, Vertriebs- und Einzelhandelsebene müsse vielmehr mit einer »perfekten vertikalen Integration« gerechnet werden.

Wille verwies in diesem Zusammenhang auf die Rolle der integrierten Versorgung: Zwar liege die Einschreibequote erfahrungsgemäß bei 5 Prozent der Versicherten. Auf Grund der hohen Morbidität des Kollektivs könnten allerdings in diesem einzelvertraglich geregelten Bereich bis zu 50 Prozent der Arzneimittel umgesetzt werden. Durch die Einbindung in die Vergütung durch Komplexpauschalen könnten hier ganz neue Dynamiken entstehen.

Dennoch sah Wille die Zukunft der Apotheken optimistisch. Die Apothekenpflicht steht seiner Meinung nach nicht zur Diskussion. Auch werde der Arzneimittelmarkt weiter wachsen. Von der Teilnahme an den Einsparprogrammen der Kassen profitieren seiner Meinung nach auch die Apotheken; allerdings müssten die Leistungserbringer mutiger und engagierter in die neuen Versorgungsformen einsteigen, um weiterhin wettbewerbsfähig zu bleiben.

Neuer Beirats-Vorsitzender

Karl-Rudolf Mattenklotz, neues Beiratsmitglied und politischer Sprecher der Parmapharm, nahm den Faden auf und verwies auf die Bedeutung der pharmazeutischen Qualität im Ausschreibewettbewerb. Seiner Meinung nach bietet das Standpunkte-Programm der Kooperation die beste Voraussetzung, im mittelfristig zu erwartenden Selektionsprozess zu bestehen. Neuer Vorsitzender des Parmapharm-Beirats ist Dr. Harald Perschbacher; die bisherige Vorsitzende Karin Klindwort hatte sich nicht zur Wiederwahl gestellt. Parmapharm erwirtschaftete im vergangenen Geschäftsjahr einen Gewinn von 1,2 Millionen Euro, der zu 90 Prozent an die Gesellschafter ausgeschüttet wird. In Zukunft will die Kooperation die Rechte der Apotheker weiter stärken.

 

Interview: Absolut unabhängig Die PZ sprach mit den Parmapharm-Geschäftsführern Thomas Worch und Dr. Dirk Düvel über die Zukunft der Apotheken.

PZ: Wie hat sich Parmapharm im vergangenen Geschäftsjahr entwickelt?

Worch: Wir haben ein sehr positives Ergebnis erzielt. Unser Gewinn in Höhe von 1,2 Millionen Euro wird zu 90 Prozent an die Gesellschafter ausgeschüttet. Die Mitgliederzahl hat sich mit knapp 900 Gesellschaftern zuzüglich 50 Filialapotheken konsolidiert.

PZ: Was sind die Ziele für 2005?

Düvel: Wir bauen die Beratungskompetenz der Apotheker weiter aus. Wir sind ganz klar für die Stärkung des Heilberuflers. Wir agieren innerhalb des Deutschen Apothekerverbandes (DAV), aber wir wollen an der Spitze der Apothekerschaft stehen. So haben wir beispielsweise unser Callcenter-Angebot ausgebaut, weil wir rund um die Uhr erreichbar sein wollen. Auch fachärztliche Berater werden hier künftig zu erreichen sein.

PZ: Was ist das Besondere an Parmapharm?

Worch: Die absolute Unabhängigkeit des einzelnen Apothekers.

PZ: Wie wird sich der Arzneimittelmarkt entwickeln?

Düvel: Wir glauben, dass die Funktion der Apotheke im Gesundheitswesen wieder stärker wahrgenommen wird.

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