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Großhandelsbranche im Umbruch

07.06.2004  00:00 Uhr
GIRP-Jahrestagung

Großhandelsbranche im Umbruch

von Thomas Bellartz, Berlin

von Thomas Bellartz, Sevilla

Die Pharmagroßhändler müssen sich auf einen fortlaufenden Umbau der europäischen Gesundheitssysteme einstellen. Bei der 45. Jahrestagung der Grossisten im spanischen Sevilla standen deshalb auch die jüngsten Entwicklungen des Marktes aber auch die Zukunftsperspektiven im Mittelpunkt des Interesses.

Jeff Harris, Präsident der Europäischen Vereinigung der vollsortierten Pharmagroßhändler (GIRP), umriss die Herausforderungen, mit denen sich die Gesundheitsberufe, aber auch die Großhändler in den kommenden Jahren auseinandersetzen müssen. Zu einem wirklichen Problem seien in der Vergangenheit die Parallelimporte geworden. Begünstigt von einer ungenügenden europäischen Gesetzgebung, litten Großhändler unter den teilweise erheblichen Umsatzverlusten. Harris: „Aber die Importeure werden dabei zu Millionären.“ Dies sei schlecht für den Großhandel, aber auch schlecht für die Apotheken.

Mehr als 200 Vertreter und Eigentümer von Pharmagroßhandlungen waren nach Sevilla gekommen, um miteinander zu diskutieren und die Berichte aus verschiedenen europäischen Ländern und auch aus den USA zu hören. Die Veranstaltung war die bislang größte ihrer Art und dokumentiert damit auch den Umbruch, denen vielen Gesundheitssysteme innerhalb Europas zurzeit unterworfen sind. Bei der GIRP glaubt man, die Zeichen der Zeit erkannt zu haben und will sich stärker als bisher in die öffentliche Diskussion einbringen. Harris betonte, dass man sich zuletzt vermehrt um die Zusammenarbeit mit den nationalen wie europäischen Verbänden von Apothekern und Herstellern bemüht habe.

Die Zusammenkunft war geprägt von der Positionierung des vollsortierten Großhandels in sich schnell verändernden Märkten. Entscheidend für den Großhandel dürfte dabei immer sein, welche Rolle die Gesundheitspolitik der Apotheke zuerkennt. Der Niederländer Dr. Hans Hof hatte eine beinahe apokalyptische Sicht der Dinge. Er prognostizierte den reinen Pharmagroßhandlungen den Niedergang, wenn sie sich nicht auch für den Einzelhandel oder für andere Kooperationsformen entscheiden würden. Der reine Vollsortierer werde den Wettbewerb ansonsten nicht überleben. Hof nahm den Lebensmittelhandel als Beispiel für einen unerbittlichen Wettbewerb. Bei der Frage, ob der Apotheker mehr Einzelhändler oder mehr Kaufmann sein müsse, wollte Hof keinen Zweifel gelten lassen. „Da gibt es kein oder, sondern nur ein und." Der Unternehmensberater ist der festen Überzeugung, dass ein Apotheker noch stärker Kaufmann sein müsse, um sich im Markt behaupten zu können. In den Niederlanden habe sich nicht nur der komplette Apothekenmarkt, sondern auch das Berufsbild des Apothekers in nur wenigen Jahren drastisch gewandelt, so Hof. Man befinde sich noch in einer Phase, in der es darum gehe, die Apotheken regelrecht auszuquetschen. Diese Entwicklung, die auch in anderen Ländern bereits vollzogen worden sei, werde sich quer durch Europa fortsetzen. Hof: „Der Pharmamarkt verliert seinen speziellen Charakter." Die Zeit des Closed Shop sei vorbei.

Die US-Amerikanerin Karen Silberblatt hatte zuvor kurz und knapp die aktuellen Verhältnisse der Apothekenlandschaft dargestellt. Derzeit suchen Apotheken händeringend nach Pharmazeuten. Mehr als 4000 Stellen gelten aktuell als unbesetzt. Zwischen 85 000 und 100 000 US-Dollar beträgt in dieser Situation das Einstiegssalär für Pharmazeuten. Doch dafür haben es die Apotheker jenseits des großen Teichs mit einer schier unendlichen Vielfalt an Chancen und Möglichkeiten, aber eben auch an Fallstricken zu tun. Ein enormes Wachstum bei den Verschreibungen, eine hohe Innovationskraft der Marktbeteiligten sowie ein zusätzlich rasant wachsender Markt für Spezialitäten dominieren zurzeit das Brancheninteresse.

Silberblatt hob hervor, dass dabei der Fokus auf den Patienten höher denn je sei. Neben dem Patienten interessieren sich nicht nur die Versicherungen, sondern auch die Versicherten selbst wie auch die Leistungsanbieter immer stärker für die Kostenseite. Hier gebe es in der Logistik und beim Management immer noch ein enormes Potenzial, das Leistungsanbieter abschöpfen müssten, um im Wettbewerb zu bestehen.

Einen weiteren ausführlichen Bericht über die GIRP-Jahrestagung lesen Sie in der nächsten Ausgabe der PZ. Top

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