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Gute Aussichten

21.05.2001
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SELBSTMEDIKATION

Gute Aussichten

von Daniel Rücker, Bonn

Während die Selbstmedikation in der Apotheke weiterhin leicht zulegt, bleibt der Umsatz mit verordneten rezeptfreien Arzneimitteln im Abwärtstrend. Nach der Analyse von IMS Health steht einem Umsatzplus von rund 6 Prozent bei von Kunden bezahlten Präparaten ein Minus von 9 Prozent bei verordneten OTC-Produkten gegenüber. 

Nur noch 44 Prozent des Umsatzes mit OTC-Präparaten erzielen die Apotheken über ärztliche Verordnungen. Rund 7,4 Milliarden DM setzten die deutschen Apotheken im Jahr 2000 in der Selbstmedikation um, erklärte Jürgen Petersen, Leiter des Geschäftsbereichs OTC bei IMS, auf einer Euroforum-Veranstaltung in Bonn. Dem stehen 5,8 Milliarden DM Umsatz mit verordneten OTC-Präparaten gegenüber. Rückläufig ist der ohnehin bescheidene Anteil der Selbstmedikation außerhalb der Apotheke. Mit 776 Millionen DM sank der Umsatz mit freiverkäuflichen Arzneimitteln in Massenmärkten und Tankstellen um 0,3 Prozent. Nach IMS-Zahlen waren im vergangenen Jahr allgemeine Schmerzmittel die führende Indikationsgruppe im OTC-Markt. Es folgen Expektorantien vor durchblutungsfördernden Mitteln. Große Unterschiede gibt es beim Verordnungsanteil in den Top-Indikationen: Während nur eine von zehn Schmerzmittelpackungen vom Arzt verordnet wurde, sind es bei Expektorantien 44 Prozent und bei durchblutungsfördernden Mitteln 68 Prozent.

Letztere gehörten im vergangenen Jahr zu den großen Gewinnern. Um 29 Prozent stieg ihr Umsatz in den Apotheken. Auf Platz zwei der Aufsteigerliste liegen die systemischen Muskel- und Gelenkschmerzmittel. Sie legten um 23 Prozent zu. Die systemischen Venenmittel konnten 18 Prozent hinzugewinnen. Die Liste der Verlierer wird von stimmungsaufhellenden Präparaten angeführt. Johanniskraut und andere Produkte verloren 16 Prozent des Umsatzes im Vergleich zum Vorjahr. Nur unwesentlich besser erging es den Knoblauch-Präparaten, die 12 Prozent verloren, und Zellschutz-Produkten mit minus 9 Prozent.

Als erfolgreichste Neueinführung im OTC-Markt konnte sich Aspirin Migräne profilieren. Mit ihr konnten im Referenzmonat März 2001 mehr als 15 Millionen DM Umsatz erzielt werden. Es folgen Eunova Langzeit Multivitamin mit rund 11,5 Millionen DM und Dolormin Migräne mit knapp 10 Millionen DM.

Arzt und Apotheker verlieren Einfluss

Nach einer Untersuchung der GPI Kommunikationsforschung haben Ärzte und Apotheker immer weniger Einfluss darauf, welche OTC-Medikamente ihre Patienten kaufen. Bei einer Befragung im Januar 2001 war nur bei jedem dritten Kauf die Empfehlung eines Fachmannes Grundlage der Produktentscheidung. Mit 19 Prozent waren hier die Empfehlungen der Apotheker wichtiger als die der Ärzte mit 13 Prozent. 1998 lagen die Werte noch bei 19 Prozent (Ärzte) und 23 Prozent (Apotheker).

Obwohl der Rat der Heilberufler für die Patienten offensichtlich keine große Rolle spielt, kaufen sie ihre OTC-Arznei wieder häufiger in der Apotheke. Nach GPI-Berechnungen stieg die Zahl der Käufer in der Apotheke von Dezember 1999 von 39,4 Millionen bis Dezember 2000 auf 40,6 Millionen). Dagegen blieb die Zahl im Drogerienmarkt mit 26,8 Millionen konstant.

Walter Pechmann von GPI erwartet, dass Drogeriemärkte ihre Umsätze mit freiverkäuflichen Arzneimitteln nur schwer ausweiten werden. Sie haben bereits alle Märkte besetzt, die ihnen offen stehen. Einzelne Märkte werden organisch weiter wachsen, erwartet Pechmann. Die Wachstumsraten werden aber deutlich kleiner ausfallen als in den vergangenen Jahren.

Anders sieht die Perspektive für die Apotheken aus. Hier erwartet Pechmann ein stärkeres Wachstum der Selbstmedikation. Ein jährlicher Zuwachs von 3 bis 5 Prozent sei realistisch. Allerdings wird sich dies nicht im Gesamtumsatz niederschlagen. Die Selbstmedikation legt zwar zu, doch vor allem auf Kosten der Verordnungen bei OTC-Präparaten. Immer weniger rezeptfreie Arzneimittel werden vom Arzt verschrieben.Top

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