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Großkonzerne haben Bammel

28.04.2003
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Großkonzerne haben Bammel

von Thomas Bellartz, Berlin

Die Zahlen kann die Hauptgeschäftsführerin des Verbandes forschender Arzneimittelhersteller (VfA) drehen und wenden, wie sie will. Cornelia Yzer hat derzeit alle Mühe, die Öffentlichkeit für die eigenen Interessen und gegen die Regierungsreformen zu mobilisieren.

Am Montag jedenfalls warnte Yzer für die großen Pharmaunternehmen die rot-grüne Regierung davor, mit ihren Reformanstrengungen die Bilanzen der forschenden Arzneimittelhersteller zu gefährden. Ins Schussfeld von Yzer war einmal mehr das von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) geplante zentrale Arzneimittelinstitut geraten. Eine Einführung dieser Behörde werde lediglich dazu führen, dass Patienten länger auf neue Medikamente warten müssten, sagte Yzer. Dann stünden den deutschen Patientinnen und Patienten englische Verhältnisse ins Haus.

Die 44 Mitgliedsunternehmen des VfA hätten im vergangenen Jahr mit einem Umsatzplus von 7,4 Prozent auf 23,2 Milliarden Euro „eine stabile Bilanz“ gezeigt, sagte Yzer. Die Zahl der Beschäftigten sei um 4,6 Prozent auf 83.500 gestiegen. Doch gebe es angesichts der Gesetzespläne der Bundesregierung „eine unsichere Zukunft“. Der überwiegende Teil der Unternehmen erwarte, dass die Umsätze im Jahr 2003 stagnieren oder zurückgehen. Eine deutliche Mehrheit der Unternehmen plane erstmals seit 1996 einen Abbau der Arbeitsplätze. Einmal mehr verwies der VfA auf seine weiterhin steigenden Ausgaben für die Forschung und Entwicklung. Allerdings wollte Yzer nicht konkret benennen, wie viel Gewinn die einzelnen Unternehmen erwirtschafteten und wie viel man für Marketingmaßnahmen investiert habe.

Hart ins Gericht ging der VfA erneut mit der geplanten Positivliste. Einige innovative Arzneimittel würden von der Bezahlung durch die Krankenkassen ausgeschlossen, die Kosten für fragwürdige Präparate jedoch erstattet, kritisierte Yzer. Damit nicht genug: Die beabsichtigten Disease-Management-Programme seien „Schmalspurkonzepte“ und nicht ausgereift.

Unterstützung signalisierte die Hauptgeschäftsführerin allerdings für einige Ideen aus der Rürup-Kommission. So sollten nicht-verschreibungspflichtige Arzneien nicht mehr von den Kassen bezahlt werden. Dies hatte Ulla Schmidt bereits abgelehnt. Arzneien für lebensbedrohliche und chronische Erkrankungen sollten nach Ansicht des VfA ohne Zuzahlung zu haben sein. Top

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