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Celesio-Apotheken füllen die Kasse

21.03.2005  00:00 Uhr

Celesio-Apotheken füllen die Kasse

von Thomas Bellartz, Stuttgart

Zum 18. Mal in Folge hat die Celesio AG das Vorsteuerergebnis des jeweiligen Vorjahres übertroffen. Das ist für den Vorstandsvorsitzenden Dr. Fritz Oesterle aber kein Grund, inne zu halten. Dabei kann er sich auf ein ertragsstarkes Einzelhandelsgeschäft stützen.

Auch im laufenden Geschäftsjahr soll Europas größter Pharmagroß- und -einzelhändler an allen Fronten wachsen. Das Potenzial dürfte das Stuttgarter Traditionsunternehmen ohne Zweifel haben. Das verraten nicht zuletzt die Kennzahlen, die Oesterle bei der Bilanzpressekonferenz in Stuttgart vorstellte. Bei einem Umsatzwachstum von zurückhaltenden 3,2 Prozent auf 19,152 Milliarden Euro (Vorjahr: 18,558 Milliarden Euro) erwirtschaftete Celesio ein Vorsteuerergebnis von 495,1 Millionen Euro (391,8). Das entspricht einer Steigerung um 26,4 Prozent. Das hat nicht nur Auswirkungen auf den Cashlow, der auf 433,3 Millionen Euro (367,1) angeschwollen ist, sondern auch auf das Ergebnis je Aktie, das sich um 27,4 Prozent auf 3,95 Euro nach 3,10 Euro verbesserte.

Um ein Drittel soll die Dividende angehoben werden, nämlich von 0,90 Euro auf jetzt 1,20 Euro. Die Hauptversammlung soll über den Vorschlag im April befinden.

Die Börse reagierte äußerst positiv: Am Montag dieser Woche nahm das Celesio-Papier die 60-Euro-Marke und steigerte sich von einem Jahres-Hoch zum nächsten. Darüber wird sich auch die Haniel-Familie freuen können, die rund 60 Prozent der Aktien ihr Eigen nennen können und von der soliden Ertragspolitik Oesterles zunehmend profitieren.

Der Vorstandschef ließ keinen Zweifel daran, dass das Unternehmen zusehends im Einzelhandel Geld verdient. Während die Apotheken nur rund 15 Prozent des Konzernumsatzes generieren, steigerte sich deren Anteil am Ergebnis vor Steuern noch einmal von 32 auf 37 Prozent. Punktum: Im Einzelhandel verdiene Celesio „immer mehr Geld“ ließ Oesterle wissen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr hatte sich Celesio von unrentablen Apotheken getrennt und ein paar Filetstücke zugekauft. Unter dem Strich wuchs die Zahl eigener Apotheken aber nur marginal um eine einzige Offizin auf 1883 Apotheken mir mehr als 17.000 Mitarbeitern an. Das „größte Apothekennetzwerk Europas“, so Oesterle, versorge täglich rund eine halbe Million Kunden und erledige rund 120 Millionen Verschreibung per anno.

Im Großhandel macht der Konzern immer noch den Großteil seiner Umsätze und auch weit mehr als die Hälfte seines Gewinns vor Steuern. Allerdings scheint die Gewinnoptimierung angesichts eines verschärften Wettbewerbs schwerer zu fallen als im Einzelhandel.

Aus Sicht des Vorstandes wird das Unternehmen auch in Zukunft weiter wachsen. Die Demografie sei der Wachstumsmotor des Pharmamarkts – ein guter Grund für das Celesio-Wachstum. Neben dem Groß- und Einzelhandelsgeschäft platzierte der Konzern mit Celesio-Services einen weiteren Geschäftsbereich, der sich an „alle Beteiligte des Pharmamarktes als potenzielle Kunden“ richte.

Die Ertragsoptimierung ist die Folge einer kräftigen Margenverbesserung sowie eines verbesserten Kostenmanagements, wie es auch in der deutschen Tochter, der Gehe Pharmahandel GmbH, umgesetzt worden ist. Auch wenn die einzelnen Landesgesellschaften nichts separat ausgewiesen werden, hat sich auch hier zu Lande der Blickwinkel verschoben. Anstelle der ausschließlichen Betrachtung der Marktanteile wird die Rendite in den Vordergrund gestellt. Die Bedeutung des Geschäfts im Stammland hat auch 2004 weiter abgenommen. Mittlerweile erwirtschaftet Celesio noch nicht einmal jeden fünften Euro in Deutschland. Seite Anfang 2005 ist der Konzern in 13 europäischen Ländern aktiv.

Auch wenn Oesterle Wert darauf legt, dass der Konzern nicht durch Zukäufe, sondern organisch stark gewachsen sei, stellt sich angesichts der Kapitalstärke die Frage nach möglichen Zukäufen im Rahmen einer Konsolidierung. Doch da will sich Oesterle – wen wundert’s – ungern in die Karten schauen lassen. Top

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