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Novartis steigt in den Ring

15.03.2004
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Aventis

Novartis steigt in den Ring

von Thomas Bellartz, Berlin

Im Kampf um die Übernahme der Aventis hat sich nun auch Novartis eingeschaltet. Der schweizerische Konzern hat damit Gerüchte um bereits laufende Gespräche mit dem deutsch-französischen Konkurrenten bestätigt. Unterdessen begann Sanofis Angebotsfrist an Aventis-Aktionäre.

Seit Tagen macht Aventis mit einer strategischen Anzeigenkampagne Stimmung. Am Wochenanfang warnte der Konzern noch einmal Aktionäre und auch die Mitarbeiter vor einer feindlichen Übernahme durch die Sanofi. Dort gibt man sich weiterhin kämpferisch, obwohl nun mit Novartis ein „Weißer Ritter“ auf der Bildfläche erschienen ist.

Novartis hat Farbe bekannt und Gespräche mit Aventis über eine Zusammenarbeit bestätigt. Ob die Verhandlungen letztlich zu einer Fusion mit Aventis führen werden, sei noch offen, teilte das schweizerische Unternehmen mit.

Zuvor waren die Spekulationen über ein Novartis-Gebot wieder aufgeflammt. Unterdessen öffnete Sanofi-Synthélabo Aventis die Tür für weitere Gespräche. So wurde eine Erhöhung des feindlichen Gebots nicht mehr kategorisch ausgeschlossen. Am Markt kursierten Gerüchte über eine Offerte von 0,9 Novartis-Aktien plus eine Barzahlung von 35 Euro für Aventis. Die Schweizer wollten sich dazu nicht äußern. Händler bewerten ein mögliches Zusammengehen der beiden eher verhalten. Die Bank Vontobel mahnt zu Umsicht. Ein Zusammenschluss dürfe nur dann vollzogen werden, wenn die Ergänzung des Portfolios und die zu erzielenden Synergien den Preis und die Risiken rechtfertigten, hieß es. Novartis verfüge über eine starke Marktstellung und stehe nicht unter Zugzwang. Es bestehe daher keine Notwendigkeit, sich auf einen teuren Preiskampf mit Sanofi einzulassen.

Negativ werten Beobachter die arbeitsrechtliche Situation in Frankreich und Deutschland. Aventis hatte bei einer Übernahme durch Sanofi gewarnt, dies würde zu einem erheblichen Arbeitsplatzabbau führen. Bei Zusammenschlüssen sind kurzfristige Synergien jedoch gerade im Abbau von Stellen zu heben. Dies dürfte aber politisch schwierig werden, heißt es.

Projekt, kein Kampf

Lachender Dritter einer möglichen Fusion Novartis-Aventis könnte dagegen die Roche Holding AG sein. Novartis hält ein Drittel der Stimmrechte an Roche. Der Konzern hatte wiederholt erklärt, dass eine Fusion nicht ausgeschlossen sei. Dieses Ansinnen war von Roche jedoch stets zurückgewiesen worden. Sollte Novartis nun in den Übernahmekampf um Aventis einsteigen, könnte dies den Druck von Roche nehmen, heißt es. Sanofi ist unterdessen auf Aventis zugegangen. „Dies ist kein Kampf”, sagte der Verwaltungsratsvorsitzende Jean-Francoise Deheq. Er würde sich gerne mit den Arbeitnehmervertretern und dem Management von Aventis treffen, um das Projekt zu erklären. Dabei wollte er eine Erhöhung der Offerte nicht mehr ganz ausschließen. Er sei bereit, die Position von Sanofi zu überprüfen, sollte sich das aktuelle Umfeld drastisch ändern. Er spielte dabei auf eine mögliche Offerte eines Dritten, zum Beispiel von Novartis, für Aventis an.

Bei Aventis bleibt man allerdings erst einmal beim „Nein”. Sanofi müsse ihre Offerte deutlich erhöhen, hieß es aus Aktionärs-Kreisen von Aventis. Wenn Sanofi nicht bereit sei, einen höheren Baranteil bei der angestrebten Akquisition von Aventis zu zahlen, werde das Übernahmegebot scheitern. Andererseits scheint Aventis nicht gewillt, überhaupt mit Sanofi fusionieren zu wollen. Aus Unternehmenskreisen verlautete, Aventis führe nicht nur mit Novartis, sondern auch mit anderen großen Pharmakonzernen Gespräche. Aventis schöpfe bei der Suche nach einer besseren Alternative derzeit alle Möglichkeiten aus. Unter ökonomischen Gesichtspunkten bevorzuge Aventis beinahe jede Alternative zu Sanofi, erklären die Kreise. Die Schlüsselfrage sei, wie hoch ein neues Angebot von Sanofi ausfallen könnte. Sollte Aventis durch ein deutlich höheres Angebot von Sanofi die feindliche Übernahme aus eigener Kraft nicht mehr abwehren können, werde der deutsch-französische Pharmakonzern eine Alternative wählen. Dies kann nach der Erklärung von Novartis auch durchaus eine Fusion mit den Schweizern sein.

Unterdessen läuft seit Montag die Angebotsfrist von Sanofi an die Aventis-Aktionäre in Deutschland. Wann die Frist für das Angebot ablaufe, sei allerdings noch nicht festgelegt worden, hieß es seitens Sanofi. Sie werde jedoch am selben Tag enden wie die gleichzeitigen Angebote an Aventis-Aktionäre in den USA und Frankreich. Das Angebot ist zurzeit rund 46 Milliarden Euro wert. Top

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