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Pharma zog Umsatz nach oben

20.03.2000
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-Wirtschaft & HandelGovi-VerlagBAYER 1999

Pharma zog Umsatz nach oben

von Daniel Rücker, Leverkusen

Umsatz und Ergebnis der Leverkusener Bayer AG entwickeln sich besser als der Börsenkurs. Die enttäuschende Entwicklung der Aktie macht Bayer auch für eine Übernahme anfällig. Mit einer deutlichen Gewinnsteigerung hat das Unternehmen das vergangene Jahr abgeschlossen.

Gute Geschäfte und ein steuerfreier Sondergewinn aus dem Agfa-Börsengang, spülten nach Steuern 2 Milliarden Euro in die Kassen des Chemiekonzerns. Das ist ein Plus von 24 Prozent gegenüber dem Vorjahr. "Wir haben uns in einem schwierigen konjunkturellen Umfeld gut behauptet," bilanzierte der Vorsitzende des Bayer-Vorstands, Dr. Manfred Schneider, auf der Bilanzpressekonferenz am 16. März in Leverkusen das Jahr 1999. Bei einem um 2,6 Prozent auf 27,3 Milliarden Euro gesunkenen Umsatz, stieg das operative Ergebnis um 6,4 Prozent auf 3,4 Milliarden Euro. Darin enthalten sind neben dem Gewinn von 1 Milliarde Euro aus dem Agfa-Börsengang, auch 646 Millionen Euro Belastungen durch Umstrukturierungen.

Die Aktionäre werden von der guten Ertragslage profitieren Schneider kündigte eine Erhöhung der Dividende um 27 Prozent auf 1,30 Euro pro Aktie an. Damit hat sich die Dividende seit 1994 verdoppelt. Den größten Teil des Gewinns erwirtschaftete das Unternehmen im zweiten Halbjahr 1999. Schneider: "Wir haben uns nach einem schwachen Jahresbeginn kontinuierlich gesteigert." Im vierten Quartal liefen dann auch die Geschäfte auf dem europäischen Markt wieder besser.

Europa ist zwar weiterhin der wichtigste Markt, die größten Steigerungsraten erzielte Bayer aber in Nordamerika und Asien. Während in der alten Welt der Umsatz nur um 2 Prozent im Vergleich zu 1998 zulegte, stieg er in Nordamerika um 15 Prozent auf 7,7 Milliarden Euro und in Asien sogar um 29 Prozent auf nunmehr 3,1 Milliarden Euro.

Wachstumsmotor Gesundheit

Als besonders erfreulich bezeichnete Schneider die Entwicklung im Arbeitsgebiet Gesundheit. Im Umsatz legte das Unternehmen überdurchschnittlich um 19 Prozent auf 8,4 Milliarden DM zu. Hierbei entfällt auf den Bereich Pharma mit über 5 Milliarden Euro (plus 15 Prozent) der größte Teil des Umsatzes. Getragen wurde der Zuwachs vom CSE-Hemmer Cerivastatin (Lipobay), der seinen Umsatz auf 700 Millionen Euro verdreifachte, und den Evergreens Aspirin, Cipro und Adalat. Schneider erwartet, dass in den beiden kommenden Jahren das neue Atemwegs-Antiinfektivum Moxifloxacin (Avalox) und das rekombinante Faktor-VIII-Präparat Kogenate zu weiteren wichtigen Umsatzmotoren werden.

Hervorgehoben wurde die herausragende Bedeutung der Genomics-Technologieplattform als Zukunftsperspektive. Beim Einsatz der neuen Technologien in der pharmazeutischen Forschung liege Bayer weltweit auf einem Spitzenplatz. Dies bestätigt auch die Kooperation mit dem Biotech-Unternehmen Oxford GlycoScience, die Anfang März vereinbart wurde.

Zufriedenstellend, wenn auch schlechter als auf dem Pharmasektor, liefen die Geschäfte in den anderen Arbeitsgebieten. In der Landwirtschaft legte Bayer im Umsatz um 6 Prozent auf 9,3 Millarden Euro zu, obwohl der Weltmarkt um 5 Prozent schrumpfte. Stolz sind die Leverkusener auf die Umsatzrendite in diesem Bereich, die bei 17 Prozent liegt.

Das Arbeitsgebiet Polymere, das Schneider als "eine große und verlässliche Stärke unseres Portfolios" bezeichnete, steigerte den Umsatz ebenfalls um 6 Prozent auf 9,3 Milliarden Euro. Auf Grund der "erfreulichen Tendenz im vierten Quartal", blickt Bayer zuversichtlich in die Zukunft dieser Sparte. Stagnation musste das Unternehmen im Arbeitsgebiet Chemie hinnehmen. Der Umsatz lag hier 1999 mit 3,7 Milliarden DM auf Vorjahresniveau. Das Ergebnis sank sogar um 20 Prozent auf 414 Millionen Euro, was der Konzernchef als "insgesamt unerfreulich" wertete.

Übernahmen oder Fusionen

Auf die bei jeder Bayer-Pressekonferenz gestellte Frage zu möglichen Übernahmen oder Fusionen reagierte Schneider mit der ebenfalls immer wiederkehrenden Antwort, Bayer wolle in erster Linie aus eigener Kraft wachsen und selbstständig bleiben. Gänzlich ausschließen mochte er eine größere Übernahme jedoch nicht. Als mögliches Indiz für einen solchen Schritt gilt der geplante Gang an die New Yorker Börse im nächsten Jahr. Das dort erzielte Kapital, so wird spekuliert, könnte auch zu einer größeren Übernahme eingesetzt werden. Schneiders Kommentar: "Finanziell ist alles denkbar." Die Bayer-Kasse sei gut gefüllt. Gleichzeitig besteht für das Leverkusener Unternehmen aber auch die Gefahr einer feindlichen Übernahme. Angesichts der enttäuschenden Entwicklung des Kurses der Bayer-Aktie, wäre das Unternehmen vergleichsweise günstig zu haben. Der aktuelle Kurs liegt bei etwa 42 Euro, was einer Börsenkapitalisierung von 30 Milliarden Euro entspricht. Angesichts der guten Bilanzzahlen sei der Kurs zu niedrig, sagte Schneider.

An den Spekulationen will sich der Bayer-Chef nicht beteiligen, schließt sie aber auch nicht grundsätzlich aus: "Der Versuch einer feindlichen Übernahme ist zuerst ein Lob für den Übernahmekandidaten. Holzmann oder Rover will mit Sicherheit niemand haben." Zu verhindern wäre eine Übernahme angesichts des Börsenwertes wohl nicht. Gerade US-amerikanische Unternehmen sind wesentlich höher bewertet. Anlass zu akuter Sorge besteht aber laut Schneider nicht. „Es kommt immer erst ein freundliches Angebot. Ein solches liegt uns nicht vor. Wir sind deshalb wohl nicht im Fadenkreuz eines anderen Unternehmens."Top

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