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Nach Fusion besser für Apotheken

28.02.2005
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Hexal

Nach Fusion besser für Apotheken

von Thomas Bellartz, Berlin

Gleich zum Jahresbeginn hat die Übernahme der Hexal durch Novartis für eine neue Diskussion um die Konsolidierung im Pharmamarkt gesorgt. Die PZ sprach mit Dr. Thomas Strüngmann, einem der beiden Hexal-Gründer, über die Perspektiven des Unternehmens und die Folgen des Deals für die Apotheken.

PZ: Herr Strüngmann, Ihr Bruder und Sie haben Hexal sowie die Beteiligung an EonLabs an Novartis verkauft. Warum?

Strüngmann: Die Veräußerung dient der Sicherung der Zukunft von Hexal und damit auch der Mitarbeiter. Unsere Kinder werden nicht unsere Nachfolge im Unternehmen antreten, so mussten wir rechtzeitig eine sichere und langfristig stabile Regelung für unsere Nachfolge finden. Viele Unternehmer denken zu spät über ihre Nachfolge nach mit der Konsequenz, dass sie zu lange festhalten und die Unternehmen dann in Schieflage geraten können.

Mein Bruder und ich hatten uns immer zum Ziel gesetzt, die Entscheidung über die Zukunft von Hexal gefällt zu haben, bis wir 55 sind. So haben wir in den letzten Jahren konsequent alle Optionen wie Börsengang, Fusion, Verkauf oder familienfremdes Management geprüft. Wir haben uns für die Lösung des Verkaufs entschieden, weil das von uns Geschaffene nicht nur erhalten wird, sondern – angelehnt an das Potenzial eines Weltkonzerns – entsprechend weiterentwickelt werden kann.

PZ: Wie war die Reaktion der Belegschaft?

Strüngmann: Wir haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gleich am Montag in der Früh persönlich informiert – in der Hoffnung, den Pressenachrichten zuvorzukommen. Die Mitteilung war für beide Seiten nicht einfach. Die Nachricht, dass die Standorte Holzkirchen und Magdeburg gesichert sind und dass die Marke Hexal weiter im Markt bestehen bleibt hat die Situation etwas entspannt. Ich denke, dass es jetzt sehr darauf ankommt, dass umgesetzt wird, was gesagt wurde und dass der besondere Hexal-Spirit, der eine ganz wesentliche Grundlage für den vergangenen Erfolg des Unternehmens ist, erhalten bleibt.

PZ: Welche Auswirkung hat der Deal auf die Apotheken?

Strüngmann: Jedenfalls nur positive. Wir werden in Bezug auf die Apotheken (Konditionen, Service et cetera) noch besser werden.

PZ: Sie haben viel Lob für die Verhandlungstaktik bekommen; der Preis, den Novartis zahlen muss, gilt als hoch. Werden Sie mit dem Kapital weiter investieren?

Strüngmann: Wir haben jetzt erst einmal andere Herausforderungen zu meistern – wie schon gesagt: eine erfolgreiche Integration herbeizuführen und die Mitarbeiter bei der positiven Gestaltung des neuen Unternehmens mit zu begleiten.

PZ: Wie wird Ihre Rolle bei Hexal in Zukunft aussehen. Eher aktiv oder auf die des Elder Statesman ausgerichtet?

Strüngmann: Mein Bruder und ich werden für das operationelle Geschäft des neuen Unternehmens mit verantwortlich sein, wobei die verschiedenen Länder und Regionen unter uns aufgeteilt wurden. Wir berichten in diesen Funktionen an Dr. Andreas Rummelt. Die beiden Unternehmen zu integrieren und dem neuen Ganzen den nötigen Schub zu geben, ist eine Herausforderung, die nicht mit Background-Weisheiten zu meistern sein wird. Wir werden ganz nah am Markt sein.

PZ: Analysten erwarten eine weitere Konsolidierung des Marktes. Wie wird sich der Generikamarkt national und international entwickeln?

Strüngmann: Der Generikamarkt wird sich jedem Fall weiter verdichten. Es ist für die kleineren Unternehmen schwierig, bei immer weiter sinkenden Margen und gleichzeitig höheren Anforderungen und Auflagen seitens der Zulassungs- und anderen Behörden, im Wettbewerb gegenhalten zu können.

PZ: Wird eine weitere Konzentration Nachteile für die Vertriebsstufe bringen?

Strüngmann: Nein, das denke ich nicht, eher Vorteile. Die Ansprechpartner werden überschaubarer, die Lagerhaltung und Bevorratung der Apotheken auf ein vernünftiges Maß gebracht. Und, wie die Vergangenheit gezeigt hat: Starken Wettbewerb unter den Anbietern – auch hinsichtlich der Konditionen - wird es im Markt immer geben.

PZ: Wer ist aus ihrer Sicht der nächste Kandidat für eine Übernahme?

Strüngmann: Im Prinzip ist jedes der derzeit rund 35 Generika-Unternehmen ein potenzieller Übernahmekandidat – Interessenten haben sich ja einige angemeldet. Orientiert man sich an der Größe und Marktkraft der Unternehmen, so sind sicher Firmen wie die Betapharm oder Stada interessante Kandidaten. Top

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