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Milliarden für die perfekte Lösung

21.02.2005
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Generika

Milliarden für die perfekte Lösung

von Thomas Bellartz, Berlin

Der Deal ist atemberaubender als die Fusion von Sanofi und Aventis, der spektakuläre Startschuss für eine erhebliche Marktbereinigung: Der Kauf der Hexal durch den schweizerischen Pharmakonzern Novartis setzt Maßstäbe für die Entwicklung der Pharmabranche.

Nach wochenlangen Spekulationen um einen bevorstehenden Verkauf der Hexal und nach Verhandlungen, die bereits im Herbst 2004 begonnen hatten, verkündeten Novartis und Hexal am Montag den Kauf. Zusammen mit dem mehrheitlichen Erwerb des US-Unternehmens Eon Labs liege der Kaufpreis bei 5,65 Milliarden Euro, teilten die beiden Unternehmen in Basel und Holzkirchen bei München mit. Novartis ließ nicht Hauch eines Zweifels an den Zielen aufkommen: Hexal und Eon Labs sollen mit der Novartis-Tochter Sandoz zusammengeschlossen werden.

Über Verhandlungen von Novartis mit der Hexal AG aus dem bayerischen Holzkirchen war bereits seit längerem spekuliert worden. Am Sonntag abend sei die Entscheidung gefallen, hieß es. Die bisherigen Hexal-Eigentümer, die Zwillingsbrüder Dr. Thomas und Dr. Andreas Strüngmann, hielten mittelbar auch die Mehrheit an Eon Labs.

Die erfolgreichen Manager hatten mehr als zwei Jahrzehnte lang die Pharmabranche mit einer bemerkenswerten Erfolgsgeschichte verdutzt. Seit einiger Zeit hatte es immer wieder Spekulationen um den weiteren Ausbau der Hexal gegeben. Eine Zeitlang hatte alles nach einem Börsengang des Herstellers ausgesehen. Die Brüder Strüngmann hatten indes immer wieder darauf hingewiesen, dass sie ihre Nachfolge – auch im Interesse des Unternehmens und der Mitarbeiter – frühzeitig regeln wollten. Am Mittwoch letzter Woche hatten beide ihre 55. Geburtstag gefeiert – und damit das selbst gesteckte Zeitziel erreicht.

Neuer Branchenprimus ist Sandoz

Der künftige Umsatz von Sandoz nach dem Zusammenschluss wurde auf jährlich 5,1 Milliarden Dollar geschätzt. Gemeinsam verfügten die Unternehmen über ein Portfolio von mehr als 600 Wirkstoffen. Die Mitarbeiterzahl liege bei gut 20 000, hieß es.

„Zusammen bilden wir einen außerordentlich wettbewerbsfähigen Branchenführer, der über eine starke globale Präsenz und das erforderliche Know-how verfügt, die für den Erfolg in einem sich stark verändernden Generikamarkt unerlässlich sind“, erklärte Sandoz-Chef Andreas Rummelt. Er war 2004 von Novartis-CEO Daniel Vasella mit dem weltweiten Wiederaufbau von Sandoz betraut worden, berichtete direkt an den Vorstandschef.

„Das Abkommen mit Novartis dient der Sicherung der Zukunft von Hexal und damit auch den Mitarbeitern“, erklärte Thomas Strüngmann. Zuvor seien alle Optionen geprüft worden, vom Börsengang über eine Fusion bis zum Verkauf. Die nunmehr vereinbarte Lösung erlaube es, „dass das von uns Geschaffene nicht nur erhalten wird, sondern - angelehnt an das Potenzial eines Weltkonzerns - entsprechend weiterentwickelt werden kann“. Im vergangenen Jahr verbuchte Hexal mit weltweit rund 7400 Beschäftigten in 40 Ländern einen Umsatz von 1,3 Milliarden Euro. In Deutschland sind fast 3000 Menschen für Hexal tätig.

Nach Bekanntgabe des Geschäfts kam auch die Nummer drei der deutschen Generika-Hersteller, die börsennotierte Stada, als ein möglicher nächster Übernahmekandidat ins Gespräch. Über den deutschen Generika-Anbieter ratiopharm wird wegen seiner Familienstruktur in der Branche weniger diskutiert.

Bei Eon Labs übernimmt Novartis den Angaben zufolge zunächst 67,7 Prozent der Aktien. Den restlichen Anteilseignern der Eon Labs Inc (Lake Success bei New York) werde ein Angebot von jeweils 31 Dollar für die 31,9 Millionen ausstehenden Aktien unterbreitet. Im vergangenen Jahr steigerte Eon Labs seinen Umsatz um rund 31 Prozent auf 431 Millionen Dollar (332 Mio Euro), der Gewinn nahm auf 119 (Vorjahr: 70) Millionen Dollar zu.

Novartis erhofft sich von dem Zusammenschluss jährliche Einsparungen von 200 Millionen Dollar, davon etwa die Hälfte in den ersten 18 Monaten. Sparpotenziale eröffneten sich beispielsweise in der Produktion, bei Marketing und Verkauf sowie in der Verwaltung. Zu Auswirkungen für die rund 3000 deutschen Hexal-Beschäftigten wurde zunächst nichts bekannt. Top

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