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Der neue Chef bei Gehe

11.02.2002
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PHARMAGROSSHANDEL

Der neue Chef bei Gehe

von Thomas Bellartz und Hartmut Morck, Stuttgart

Für viele Branchenkenner kam der plötzliche Abgang des bisherigen Geschäftsführers der Gehe Pharmagroßhandels GmbH, Jürgen Ossenberg-Engels, sehr überraschend. Mit seinem Nachfolger Wolfgang Mähr zieht scheinbar auch eine neue Atmosphäre in die deutsche Tochter der Gehe AG ein.

Der 43-jährige Österreicher Mähr spricht unternehmerisch eine andere Sprache als sein zehn Jahre älterer Vorgänger, der das Unternehmen im besten Einvernehmen verlassen hatte. Der "Neue" baut auf drei Säulen: Kontinuität, Toleranz und Teamgeist.

Seine Meriten verdiente sich der Apotheker Mähr, der zudem ein Wirtschaftsstudium erfolgreich abschloss, bereits bei der österreichischen Gehe-Tochter Herba Chemosan. Mähr führt dort, wie nun auch in Stuttgart, die Geschäfte. Und dafür bringt er nicht die schlechtesten Voraussetzungen mit. Sechs Jahre lang arbeitete der Gehe-Chef in verschiedenen Apotheken, und streift auch heute noch den Kittel über, um möglichst nah am Puls der Kundschaft zu sein.

"Ich bin gegen ein rein marktwirtschaftliches System", überraschen die Worte des Geschäftsführers. Ein sozialer, humaner Standard sei für ihn das wichtigste Qualitätskriterium eines guten Gesundheitssystems. Trotzdem geht er von einem "größeren Reformakt" nach der Bundestagswahl im September aus. Mähr: "Ich hoffe, dass dann auch alle Spieler in die Beratungen einbezogen werden." Eine Drehung bei der Arzneimittelpreisverordnung könne nur funktionieren, wenn das System insgesamt stabil bleibe. Dafür müsse unbedingt gesorgt werden.

Nüchtern trennt Mähr zwischen der Gehe AG und der deutschen GmbH. Er kann verstehen, "dass diese Unterscheidung vielen Menschen nicht einfach fällt." Und er stellt unmissverständlich klar: "Ich persönlich wünsche mir nur, dass die Kette - wenn überhaupt - erst dann kommt, wenn ich in Rente bin." Auch in der Gehe gebe es eine "tiefe emotionale Bindung zu den Kunden".

Keine Sorgen macht dem Österreicher der Versandhandel: "Der Versandhandel bringt weder den Kassen noch den Patienten Vorteile. Das Thema wird hoch gespielt", resümiert Mähr. Der Versandhandel spiele heute de facto keine Rolle und werde dies auch in Zukunft nicht tun.

Das Unternehmen sieht der Geschäftsführer "gut aufgestellt". Da gebe es keinen akuten Handlungsbedarf. Zunächst will er sich orientieren und in vielen Gesprächen die Kunden und auch die Mitarbeiter kennen lernen. Man werde allerdings - als Folge der AABG-Einführung - das Kostenmanagement weiter optimieren und sich wie bisher auf das Großhandelsgeschäft konzentrieren.Top

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