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Optimistisch trotz Leidensmiene

03.01.2005  00:00 Uhr
Pharmaindustrie

Optimistisch trotz Leidensmiene

von Thomas Bellartz, Berlin

Angesichts der Debatte um die Entwicklung der Arzneimittel-Ausgaben in diesem Jahr bringt sich der Verband Forschender Arzneimittelhersteller (VFA) im Hinblick auf die Beschäftigungssituation „wenig optimistisch“ in Position – anscheinend weitgehend grundlos.

Der Verband berichtete von einer Umfrage unter Mitgliedern. Während 37 Prozent der Unternehmen einen Abbau von Arbeitsplätzen erwartet, könnten sich „nur 30 Prozent“ eine Zuwachs vorstellen, 33 Prozent rechneten mit einer gleich bleibenden Beschäftigung. Nach Angaben des VFA sei die Zahl der Beschäftigten in der deutschen Pharmaindustrie von September 2003 bis September 2004 bereits um 7000 Stellen gesunken; das entspreche einem Minus von 5,6 Prozent.

Die VFA-Mitteilung ist wohl nicht mehr oder weniger als die Reaktion auf die vorläufigen Zahlen des Bundesverbands der Betriebskrankenkassen, der zwar die hohen Einsparungen im Arzneimittelbereich im Jahr 2004 resümierte, gleichzeitig aber vor einem erneuten Ausgabenanstieg in 2005 warnte.

Der VFA stellt zwar fest, dass der Zwangsrabatt wieder auf 6 Prozent zurückgeführt werde. Gleichzeitig würden patentgeschützte Arzneimittel unter Festbetrag gestellt. Dies sei insbesondere für die forschende Industrie eine Belastung. Überraschend erscheint vor diesem Hintergrund dennoch die Prognose, dass etwa die Hälfte der Unternehmen eine leichte Umsatzerholung erwarte, sogar ein Sechstel mit einer „fühlbaren Umsatzplus“ rechne. Nur ein Drittel der VFA-Mitgliedsunternehmen erwartet für 2005 eine Stagnation oder einen weiteren Rückgang beim Umsatz.

„Ich warne davor, die Ergebnisse als Schwarzmalerei anzusehen“, kommentierte Cornelia Yzer, Hauptgeschäftsführerin des VFA, die Umfrage kurz vor dem Jahreswechsel in Berlin. Bei den Arzneimittelkosten, die langfristig vor allem wegen zunehmender Lebenserwartung und medizinischem Fortschritt anstiegen, liege Deutschland „weit hinter Ländern wie USA und Japan“.

Die Folge der allein auf Kostendämpfung fixierten Gesundheitspolitik schaden nach Ansicht Yzers „den Patienten einerseits und einer innovativen Schlüsselindustrie und ihrem Standort andererseits".

Für 2005 prognostizieren die VFA-Mitgliedsunternehmen die Markteinführung von 50 Innovationen, davon 24 mit neuen Wirkstoffen. Von den neuen Wirkstoffen werden acht gentechnisch erzeugt. Die Bedeutung gentechnischer Arzneimittel nimmt damit im Repertoire therapeutischer Optionen wie auch im Markt weiterhin zu.

Optimistischer als für 2004 sind die Unternehmen hinsichtlich ihrer Aufwendungen in Forschung und Entwicklung: Einen Rückgang, wie ihn für das vergangene Jahr noch mehr als 60 Prozent der Unternehmen vorhersahen, erwartet für 2005 nur noch ein Viertel. Immerhin ein weiteres Viertel der Unternehmen spricht von einer Erhöhung der Aufwendungen. Top

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