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26.05.1997
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  Govi-Verlag

Passivrauchen: Wie gefährlich ist es wirklich?

  Drei Viertel der Bevölkerung sind Nichtraucher; viele Menschen müssen jedoch zu Hause oder am Arbeitsplatz passiv Mitrauchen. Dies kann ernste Gesundheitsschäden hervorrufen. Die Amerikanische Enviromental Protection Agency (EPA) stuft Tabakrauch in Innenräumen als krebserregenden Stoff der höchsten Stufe ein, der jährlich für etwa 3000 Lungenkrebstote verantwortlich ist (in Deutschland 400 Tote geschätzt). Protest regt sich. Zwei in den Deutschen Bundestag eingebrachte Gesetzentwürfe sollen den Nichtraucherschutz verbessern.

28 Prozent der Deutschen über 15 Jahren bezeichneten sich in einer Erhebung von 1995 als Raucher. Den höchsten Anteil hat die Altersgruppe von 30 bis 40 Jahren: 48 Prozent bei Männern und 36 Prozent bei Frauen. Jeden Tag werden in Deutschland 370 Millionen Zigaretten, 3 Millionen Zigarren und Zigarillos, 43 Tonnen Feinschnittabak und 3 Tonnen Pfeifentabak verbrannt, der größte Teil davon in Räumen. Daher müssen 22 Prozent der Nichtraucher zu Hause den blauen Dunst einatmen, bei den unter 15jährigen sind es sogar 51 Prozent.

Kinder und Erwachsene können Gesundheitsschäden durch Passivrauchen erleiden. Dazu zählen kurzfristige Symptome wie Schleimhautreizung, Schwindel und Kopfschmerzen, aber auch langfristige Schäden wie Erkrankung der Atemwege und verminderte Lungenfunktion. Kinder sind zudem besonders gefährdet durch Mittelohrentzündungen, Verschlimmerung oder Neuauftreten von Asthma. Gravierend sind die Zusammenhänge zwischen Passivrauchen und Lungen- sowie Herzkrankheiten. Hinzu kommen die Auswirkungen auf das ungeborene Kind durch eine (passiv)rauchende werdende Mutter. Überdies vermindert Tabakrauch die Fruchtbarkeit

Von mehreren Tausend Substanzen im Tabakrauch sind mehr als 50 krebserregend. Der Nebenstromrauch enthält viele Stoffe in höherer Konzentration als der Hauptstromrauch. Trotz der Verdünnung mit Luft atmet der Passivraucher einige schädliche Stoffe wie Nitrosamine, Stickoxide oder Formaldehyd in ähnlicher Konzentration ein wie der Aktivraucher. Über vierzig Studien ergeben zusammengenommen ein etwa um ein Drittel erhöhtes relatives Risiko für Lungenkrebs durch Passivrauchen, das nicht durch Zufall, Störeinflüsse oder Verzerrungen erklärt werden kann.

Herzkrankheiten

Während also der Zusammenhang zwischen Passivrauchen und Lungenkrebs relativ gesichert ist, sind beim Risiko für Herzkrankheiten noch einige Fragen offen. Tabakrauch schränkt den Transport von Sauerstoff zum Herzen ein. Auch die Fähigkeit des Herzmuskels, Sauerstoff in Energie umzuwandeln, wird beeinträchtigt. Ferner werden Thrombozyten aktiviert, wodurch die Wahrscheinlichkeit einer Thrombusbildung steigt. Außerdem wurden bei passivrauchenden Kindern und Erwachsenen niedrigere HDL-Cholesterolwerte gemessen. In einer Übersichtsarbeit mit zwölf Studien zur Mortalität und zehn zur Morbidität wurde eine Risikoerhöhung um 20 bis 70 Prozent für Herzkrankheiten durch Passivrauchen ermittelt.

Durch Rauchverbot im öffentlichen Dienst, in vielen Verkehrsmitteln und manchen Firmen werden Nichtraucher bereits geschützt. Die in den Bundestag eingebrachten Gesetze könnten den Schutz erheblich ausweiten. Durch begleitende Aufklärung müßte die Akzeptanz dieser Gesetze gefördert werden. Bereits heute befürwortet ein erheblicher Teil der Bevölkerung präventive Maßnahmen.

PZ-Titelbeitrag von Burckhard Junge, Berlin
       

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