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Insignia atque ornamenta honoris

09.02.2004
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Ordenskunde

Insignia atque ornamenta honoris

von Christiane Staiger, Neu-Isenburg, und Antje Mannetstätter, Floh

Auszeichnungen haben eine lange und kontinuierliche Tradition. Historiker sehen ihre Existenz seit der Antike als gesichert an. Auch der Apothekerstand ehrt verdiente Persönlichkeiten. Dieser Beitrag gibt einen Überblick über die in der deutschen Pharmazie verliehenen Auszeichnungen, Medaillen und Ehrenzeichen.

In der Antike wurden Auszeichnungen vornehmlich für militärisches Wirken vergeben. Zunächst waren es etwa handtellergroße Schilde in Form von Kreisen oder Halbmonden, die ursprünglich den Pferden umgehängt wurden. Später trug sie der Ausgezeichnete in verkleinerter Form an seinem Brustpanzer. Die Griechen nannten sie tá fálára, die Römer klanggleich phalera. Dem Wortsinn nach bedeutet das ganz allgemein "Auszeichnung". Phaleren sind leider kaum erhalten geblieben, aber man findet sie vereinzelt auf den Grabsteinen römischer Offiziere abgebildet.

Ebenso wie bei den Griechen hatte das Auszeichnungswesen als militärische Belohnung auch im römischen Heer seine Wurzeln vermutlich in der Beuteverteilung. Dafür spricht die Liste der möglichen Ehrungen mit zum Teil nicht unerheblichem Wert. Neben den Phaleren kannten die Römer zum Beispiel die hasta pura, eine kleine Ehrenlanze aus Metall, die patera oder patella, eine kostbare Schale ohne Fuß, die armilla, ein Armband, das oft zusammen mit einem Halsring verliehen wurde oder das vexillium, ein rotes Banner. Am bekanntesten sind heute die coronae, Kränze aus Lorbeer, Silber oder Gold. Im antiken Rom gab es sieben verschiedene Ehrenkränze (11). Bis heute sind Auszeichnungen neben der Ehre nicht selten auch mit materieller Anerkennung verbunden.

Die Phaleren als Ursprung der abendländischen Ehrungen gaben der Ordenskunde als historische Hilfswissenschaft ihren Namen: Phaleristik. Der heute übliche Begriff des Ordens als Auszeichnung für besondere Verdienste und Leistungen im Krieg und Frieden leitet sich von dem lateinischen Wort ordo ab.

Geistliche Ritterorden

Als Orden bezeichnet man ursprünglich kirchliche Vereinigungen, die nach bestimmten Regeln und Gelübden lebten. Neben den Mönchs- und Nonnenorden entstanden seit dem 11. Jahrhundert in Folge der Kreuzzüge die geistlichen Ritterorden, so der Orden vom Heiligen Grab, der Johanniterorden, der Orden der Tempelherren, der Marianer-Ritterorden und andere. Bestimmend für den Zusammenhalt dieser Gemeinschaften waren die Regel, die Kongregation und die Ordnung (lat. ordo). Angehöriger eines derartigen Ordens zu sein, stellte für sich anders als später bei den weltlichen Orden noch keine Auszeichnung dar. Die Zugehörigkeit zum Orden mit dessen fromm-asketischen Zielen in einer Genossenschaft ritterlicher Männer wurde durch bestimmte Kleidung und Abzeichen kenntlich gemacht, die sich stets vom heiligen Kreuz ableiteten. Diese Abzeichen waren jedoch von untergeordneter Bedeutung. Aber es gab eine Rangordnung innerhalb der Ordensgemeinschaft, die auch durch Abzeichen dokumentiert wurde (12).

Die Ritterorden spielten in der Geschichte und Politik des Mittelalters eine bedeutende, zum Teil auch staatsbildende Rolle. Gestützt durch Tochtergründungen in allen Teilen Europas und den bedeutenden Reichtum der Gemeinschaft wuchs ihr politischer Einfluss. In ihrer Blütezeit buhlten Herrscher, Feudalfürsten und Lehnsherren aller Schattierungen um die Gunst und den Beistand der Ordensoberen.

Weltliche Ritterorden

Ruhm, Ansehen und Macht verlockten später weltliche Herrscher, ähnliche Zusammenschlüsse ins Leben zu rufen. Die ersten weltlichen Ritterorden verfolgten jedoch einen sehr profanen Zweck: Fürsten und Souveräne wollten den hohen Adel und die Ritterschaft an sich binden. Neben diesem politischen Aspekt dienten die Orden dazu, Verdienste im Heer- und Staatswesen sowie im Hofdienst zu würdigen.

 

Biblische Ehrung "Und der Pharao nahm seinen Siegelring von seiner Hand und steckte ihn an Josephs Hand, und er kleidete ihn in Kleider aus Byssus und legte die goldene Kette um seinen Hals."

Aus: 1. Buch Moses (Genesis) 41, Vers 42

 

Die Ordensritter trugen Ordenstracht und Abzeichen, die ihre Symbolik oft nicht vom heiligen Kreuz, sondern von Wappen des Ordensstifters entlehnten. Aber noch immer waren diese äußeren Zeichen keine Auszeichnungen nach heutigem Verständnis, sondern genau wie beim Vorbild, dem geistlichen Ritterorden, lediglich Zeichen der Zugehörigkeit. Aus der Einstellung heraus, die Mitglieder als Gleichgesinnte und Gleichgestellte zu sehen, waren weltliche Orden einklassig. Die Hervorhebung bestand in der Berufung in den Orden; die meist begrenzte Zahl der Mitglieder verlieh Exklusivität und Status. 1348 entstand der nach Rang, Ansehen und Luxus bis heute führende weltliche Ritterorden Europas, der Hosenbandorden (11).

Orden als Auszeichnung

In der Ära der absolutistischen Herrscher konnte der klassische Ritterorden mit seinen selbst auferlegten Beschränkungen wie Mitgliederzahl oder Moralansprüchen und seinen vorwiegend religiösen Zielen den Interessen der Herrscher nicht mehr gerecht werden. Die Orden verloren den Charakter bruderschaftlicher Zusammenschlüsse und wurden anonym. Neue Bedingungen für ihre Stiftung wurden unerlässlich.

Die sich mit zunehmender gesellschaftlicher Entwicklung wandelnde Funktion der Orden zeigte sich vor allem auch in einem bedeutsamen Wechsel des Procedere: Wurde der Kandidat früher in den Orden aufgenommen, so wurde ihm jetzt der Orden verliehen. Das besondere Kennzeichen der Gemeinschaft, also der Orden, wurde an Außenstehende als Auszeichnung "vor allen anderen" im wahrsten Sinne des Wortes für Verdienste unterschiedlicher Art vergeben. Diese Verleihungspraxis war der erste und sicherlich entscheidendste Schritt zum modernen Ordenswesen.

Das wechselvolle kriegerische Geschehen des 18. und 19. Jahrhunderts führte dazu, dass die ersten Orden moderner Prägung Militärverdienstorden waren. Sie waren meist in drei Klassen unterteilt: Großkreuze, Komture und Ritter. Das entsprach in der Klassifizierung der Einteilung nach Generälen, Stabsoffizieren und Subalternoffizieren. Einen weiteren entwicklungsgeschichtlichen Einschnitt im Auszeichnungswesen bildeten die Französische Revolution und die Napoleonischen Kriege. In der Französischen Revolution versuchte man, Privilegien, Titel, Orden und Ehrenzeichen der verhassten Vorgänger abzuschaffen, nicht zuletzt, weil man darin einen Verstoß gegen das Gleichheitsprinzip aller Menschen sah. Indessen verkehrte sich das Egalité-Prinzip ins Gegenteil. Die Koalitionskriege sowie die kriegerische Konstellation Napoleon versus Europa brachten eine Fülle neuer Auszeichnungen hervor. 1813 stiftete Friedrich Wilhelm III. eines der berühmtesten deutschen Ehrenzeichen: das Eiserne Kreuz.

 

Nur ein moralischer Werth "... und Anerkennung und Belohnung sind nun einmal, wenn auch nicht gerade das Ziel aller Bewerbungen, doch jedenfalls eines der mächtigsten Motive aller Handlungen. Gibt es nun eine sinnigere Anerkennung, eine uneigennützigere Belohnung, als die durch ein einfaches Band, ein Kreuz, einen Stern, kurz ein Ehrenzeichen, dessen ganzer Werth eben nur ein moralischer ist? Und doch weiß, wer die Geschichte der Menschheit kennt, welch ungeheuren Einfluß diese Ehrenzeichen, diese Bänder, Kreuze, Sterne, mit einem Worte, die Orden auf die Entfaltung hoher Gesinnung, auf die Vollbringung kühner und tapferer Thaten, auf die Erreichung fernstehender, unmöglich erachteter Ziele haben. Und dies zu allen Zeiten. Die Mauerkronen und Lorbeerkränze haben auf den Römer gewirkt, wie das goldene Vlies auf den Ritter des Mittelalters, wie in der neuen Zeit das Ehrenkreuz auf den Soldaten."

Aus dem Vorwort von G. Wahlens "Buch der Ritterorden und Ehrenzeichen", Leipzig 1848 (zitiert nach (11), S. 13)

 

Zunächst würdigten die Militärverdienstorden nur die Leistungen von Offizieren, bald wurden jedoch auch Unteroffiziere und Mannschaften durch Tapferkeits- und Militärverdienstmedaillen bedacht. Bestimmte davon waren mit einer Geldprämie oder lebenslangem Ehrensold verbunden. Nicht zuletzt deshalb genossen sie hohes Ansehen.

Neben der Vielfalt der militärischen Sterne, Kreuze und Medaillen entstanden zunehmend auch zivile Auszeichnungen für Verdienste in der Wirtschaft, im Sport, im Sanitäts- und Rettungswesen sowie für Kunst und Wissenschaft.

Ehrungen in der Pharmazie

Heute würdigt der Staat die Verdienste seiner Bürger durch vielfältige Orden und Ehrenzeichen, die Kommunen vergeben zum Beispiel das Ehrenbürgerrecht und die Universitäten verleihen die Ehrendoktorwürde. Wie andere Berufsstände und gesellschaftliche Gruppen ehren auch die Apotheker Personen, die sich "um die Pharmazie verdient gemacht haben". Neben den Berufsvertretungen auf Bundes- und Landesebene tun dies auch die wissenschaftlichen Gesellschaften und andere berufliche Vereinigungen.

Statt Orden werden überwiegend Auszeichnungen, die einen Bezug zur Pharmazie haben, vergeben zwar kein "Goldenes Suppositorium am Bande" (15), aber Medaillen und Preise, die den Namen hervorragender Apotheker tragen. Auch das Apotheken-A oder die Symbole Mörser, Pistill, Kelch und Schlange werden häufig benutzt. Vereinzelt sind die Ehrengaben sogar direkt der Apotheke entlehnt, wie der in den 1970er Jahren verliehene Goldene Spatel der Kurhessischen Apotheker oder die Fayence der Bayerischen Landesapothekerkammer und des Bayerischen Apothekerverbandes.

Franz Gräser und Erdmuthe Arnold haben 1972/73 unter dem Titel "Pro Meritis" in dieser Zeitung in einem umfassenden, dreiteiligen Beitrag alle zu diesem Zeitpunkt vom Apothekerstand verliehenen Auszeichnungen zusammengestellt (8). Seither hat sich vieles verändert. Nicht zuletzt durch die Deutsche Einheit wurden viele neue Auszeichnungen geschaffen, andere werden nicht mehr vergeben. Wir haben daher im Jahr 2003 eine Umfrage bei über 50 pharmazeutischen Organisationen, Kammern, Verbänden, Gesellschaften und wissenschaftlichen Vereinigungen durchgeführt, um den aktuellen Stand zu eruieren. Die wesentlichen Ergebnisse sowie weitere Recherchen sind ohne Anspruch auf Vollständigkeit in den Tabellen 1 bis 3 zusammengefasst.

 

Tabelle 1: Medaillen der ABDA und ihrer Mitgliedorganisationen

Name der AuszeichnungVerliehen vonAnmerkungen und Literatur Conrad-Moench-Medaille LAK Hessen [9] Bd. 2, S. 439 - 440 Hans-Meyer-Medaille (Ehrenmedaille der deutschen Apotheker) ABDA gestiftet 2. Februar 1971; Geschäfts-/Jahresberichte der ABDA; [5]; [8]; [10] S. 102 - 103; Pharm. Ztg. 142 (1997) 3189 Helmut-Eberhardt-Medaille LAV Baden-Württemberg Dtsch. Apoth. Ztg. 141 (2001) 1748 - 1749 Hermann-Hager-Medaille LAK Brandenburg gestiftet 25. Oktober 2000; Pharm. Ztg. 145 (2000) 4174; Dtsch. Apoth. Ztg. 142 (2002) 2598; Pharm. Ztg. 147 (2002) 4794; Pharm. Ztg. 148 (2003) 3562; [9] Bd. 1, S. 241 – 242 Hermann-Vogel-Medaille Bayerische LAK/Bayerischer AV Pharm. Ztg. 147 (2000) 4794 Johann-Bartholomäus-Trommsdorff-Medaille LAK Thüringen/Thüringer AV gestiftet 10. Januar 2001; Pharm. Ztg. 147 (2002) 2040. [9] Bd. 2, S. 692 – 694 Lesmüller-Medaille BAK gestiftet 1949; Geschäfts-/Jahresberichte der ABDA; [5]; [8]; [10] S. 101 – 102 Wilhelm-Meissner-Medaille AK Sachsen-Anhalt Pharm. Ztg. 146 (2001) 1596; Pharmazie 53 (1998) 67- 73; [9] Bd. 2, S. 420 – 421

 

Die häufigste Ehrung ist die Vergabe einer Medaille, in der Regel gemeinsam mit einer Verleihungsurkunde. Der Begriff Medaille stammt aus dem Französischen, geht aber auf das mittellateinische Wort "medallia" für eine Kleinmünze zurück. Medaillen tragen normalerweise auf beiden Seiten Bildmotive und Text. Sie wurden früher entweder aus Metall gegossen oder geprägt; heute hat sich überwiegend das Prägeverfahren durchgesetzt. Die Medaille wird gelegentlich mit der Plakette verwechselt. Plaketten zeigen in der Regel nur eine einseitige erhabene Darstellung. Kurios: Die Lesmüller-"Medaille" trägt die Aufschrift Plakette und hat tatsächlich nur eine gestaltete Bildseite. Maßgeblich ist jedoch ihre Stiftungssatzung, die sie als Medaille ausweist (5). Die Tatsache, dass Medaillen immer zwei Bildseiten haben, hat auch Eingang in eine Redensart gefunden: die Kehrseite der Medaille. Damit wird zum Ausdruck gebracht, dass alles Positive (leider) auch eine negative Seite hat.

Die Gabe selbst hat überwiegend einen ideellen, bei Ausfertigungen in Silber oder Gold auch einen gewissen materiellen Wert. Der Ausgezeichnete erhält sie als dauerhaftes Erinnerungsstück. Nur der Lesmüller-Ring des Bayerischen Apothekerverbandes ist ein Einzelstück und wird auf Lebenszeit verliehen. Nach dem Ableben seines Trägers wird er von den Erben zurück erbeten und kann dann erneut vergeben werden.

Die Standesorganisationen zeichnen vor allem "aus gegebenem Anlass“ verschiedene Verdienste ihrer Mitglieder aus. So werden das (langjährige) Engagement in der Berufpolitik, die ehrenamtliche Gremienarbeit oder Verdienste um die Ausbildung des Berufsnachwuchses gewürdigt. Neben Medaillen (Tabelle 1) sind Ehrengaben und Ehrenmitgliedschaften (Tabelle 2) häufig; einige Ehrungen werden auch Nicht-Pharmazeuten und Gästen zuteil.

 

Tabelle 2: Weitere Auszeichnungen der Standesorganisationen

Organisation AuszeichnungAnmerkungen und Literatur ABDA Ehrennadel Deutscher Apotheker gestiftet 7. März 1975; Geschäfts-/Jahresberichte der ABDA; [5]; [8] LAK Baden-Württemberg Verdienstmedaille gestiftet 13. April 1967, Statut erneuert 14. November 2001; [8] Ehrennadel gestiftet 22. Oktober 1998 Bayerischer AV Lesmüller-Ring gestiftet 27. April 1949; ist derzeit nicht vergeben; [8]; [7] Bayerische LAK,  Bayerischer AV Ehrennadel Ehrennadel und Hermann-Vogel-Medaille sind zwei Stufen des Ehrenzeichens der bayerischen Apotheker. Ehrengabe (Fayence) seit 2001 AK Berlin Ehrenmitgliedschaft   Hamburger AV Ehrenmitgliedschaft   LAK Hessen Ehrennadel   LAV Niedersachsen Ehrenmitgliedschaft   AK Nordrhein Ehrengabe, Ehrenring   LAK Rheinland-Pfalz Ehrennadel, Ehrengabe gestiftet 16. August 1995 Saarländischer AV Ehrenmitgliedschaft   AK Schleswig-Holstein Goldene Ehrennadel gestiftet 13. Februar 1963; [8]; Pharm. Ztg. 147 (2002) 2038 AK Westfalen-Lippe Verdienstmedaille gestiftet 1988; Kammerrundschreiben Nr. 2/88 vom 28. April AV Westfalen-Lippe Ehrengabe gestiftet 1988

 

Indessen haben die Medaillen und Preise der wissenschaftlichen Gesellschaften die Auszeichnung hervorragender wissenschaftlicher Leistungen zum Ziel. Sie verleihen häufig nicht nur eine, sondern mehrere Auszeichnungen, die teilweise den Charakter von Förder- und Nachwuchspreisen haben, sowie daneben wie die Standesorganisationen die Ehrenmitglied- oder Ehrenpräsidentschaft. Diese alle vollständig aufzuzählen, würde jedoch den Rahmen dieses Beitrages sprengen (Tabelle 3).

 

Tabelle 3: Auszeichnungen weiterer Berufsorganisationen und wissenschaftlicher Gesellschaften

OrganisationName der AuszeichnungAnmerkungen und Literatur Bundesverband Deutscher Krankenhausapotheker (ADKA) Rudolf-Rapp-Medaille wird derzeit nicht verliehen; [8]; [10] S. 96 - 97 ADKA-Ehrennadel seit 1998 Arbeitsgemeinschaft für Pharmazeutische Verfahrenstechnik (APV) Silberne Ehrennadel gestiftet 1974; Pharm. Ztg 119 (1974) 1631 - 1645; Dtsch. Apoth. Ztg. 114 (1974) 1623 - 1630 APV-Medaille gestiftet 1991 Bundesverband der Apotheker im öffentlichen Dienst (BApÖD) Fredericus-Auszeichnung gestiftet 1999; künstlerische Serigraphie; Pharm. Ztg. 148 (2003) 3815 Bundesverband der Pharmaziestudierenden in Deutschland (BPhD) Ehrenkolben erstmalig verliehen 2003; Dtsch. Apoth. Ztg. 143 (2003) 1836 - 1837 Bundesverband krankenhaus- und heimversorgender Apotheker (BVKA) Ehrenmitgliedschaft   Deutsche Gesellschaft für Geschichte der Pharmazie (DGGP) Schelenz-Plakette gestiftet 19. Mai 1905; [8]; [10] S. 106 - 107; Pharm. Ztg. 147 (2002) 2059 Johannes-Valentin-Medaille wird in Silber und Bronze verliehen; Pharm. Ztg. 147 (2002) 2059 Deutsche Gesellschaft für Regulatorische Angelegenheiten (DGRA) Walter Cyran-Medaille erstmals verliehen 2002; www.dgra.de/preise/fr-preise.htm Deutsche Pharmazeutische Gesellschaft (DPhG) Sertürner-Medaille gestiftet 19. September 1928, wird nicht mehr vergeben, letztmalig 1997; [8]; [7]; [13]; [10] S. 123 – 124 Hermann-Thoms-Medaille gestiftet 1959, Statut erneuert 1986 und 1995; [1]; [8]; [13]; [10] S. 129 Carl-Mannich-Medaille gestiftet 1959, Statut erneuert 1986 und 1995; [1]; [8]; [13]; [10] S. 97 – 98 Ferdinand-Schlemmer-Medaille gestiftet 1975, Statut erneuert 1986; [1]; [13]; [10] S. 104 – 105 weitere Förderpreise: Kurt-Mothes-Preis, Johann-Wolfgang-Döbereiner-Preis, Carl-Wilhelm-Scheele-Preis [1] Gesellschaft für Arzneipflanzenforschung (GA) Egon Stahl Awards verliehen in Bronze, Silber und Gold; [6] Deutsche Gesellschaft für Wehrmedizin und Wehrpharmazie (DGWMP) Plakette Pro Meritis Neufassung der Richtlinien 4. Oktober 2000, [8] Silberne Ehrennadel Neufassung der Richtlinien 4. Oktober 2000 weitere Förderpreise: Paul-Schümann-Medaille, Paul-Schümann-Preis, Hans-Hartwig-Clasen-Förderpreis für wissenschaftliche Originalarbeiten, Neufassung der Richtlinien 4. Oktober 2000, [8].

 

Auszeichnungen zu DDR-Zeiten

Die Liste der Ehrungen in der deutschen Pharmazie wäre ohne die Berücksichtigung der politischen Verhältnisse vor 1990 unvollständig. Auszeichnungen spielten in der DDR eine besondere Rolle. Der Staat wollte nach außen Stärke demonstrieren und beweisen, dass "unter den Bedingungen des Sozialismus" herausragende Leistungen entstehen konnten (17). Zudem sollten die Auszeichnungen als Anreiz dienen, da es in der DDR kaum leistungsorientiertes Gehalt gab. Der innerbetrieblichen Zusammenarbeit maß man besonders hohe Bedeutung bei und betrachtete gute Arbeits- oder Forschungsergebnisse als Resultat gemeinschaftlichen Wirkens. Auszeichnungen wurden deshalb nicht nur an Einzelpersonen, sondern häufig auch an Kollektive vergeben. Auf Grund eines geradezu inflationären Umgangs gehörten die staatlichen Ehrungen jedoch schon bald zum Alltag und bedeuteten daher nur in geringem Maße Imagegewinn oder Motivation.

Die Aufgaben einer Standesorganisation, die es im verstaatlichten Gesundheitswesen der DDR nicht mehr gab, wurden teilweise durch die Pharmazeutische Gesellschaft übernommen. Sie vertrat die Interessen der wissenschaftlichen und praktischen Pharmazie gleichermaßen. Die von ihr verliehenen Auszeichnungen hatten deshalb nicht nur wissenschaftlichen Charakter.

Die Döbereiner-Medaille wurde für "besondere Verdienste um die Pharmazie, insbesondere um die Gesellschaft" verliehen und war in der Regel nur Mitgliedern der Pharmazeutischen Gesellschaft als Einzelperson vorbehalten. Der Carl-Wilhelm-Scheele-Preis (3, 16) würdigte hervorragende Leistungen auf dem Gesamtgebiet der Pharmazie unter besonderer Berücksichtigung des pharmazeutischen Nachwuchses. Den Hermann-Thoms-Preis gab es für besondere Verdienste auf dem Gebiet der Aus- und Weiterbildung. Den Johann-Bartholomäus-Trommsdorff-Preis konnte man "für wissenschaftlich fundierte Beiträge zur Entwicklung und Vervollkommnung der Leistungen des Apothekenwesens bei der materiell-medizinischen Sicherstellung der gesundheitlichen Betreuung" erhalten. Die drei letztgenannten Preise konnten an Apotheker, aber auch an Einzelpersonen und Kollektive, die auf pharmazeutischem Gebiet arbeiteten, verliehen werden. Sie waren mit einer materiellen Anerkennung verbunden (16).

Weitere Auszeichnungen waren die Fritz-Gietzelt-Medaille, die Gedenkmedaille "Bildnis Professor Dr. J. Valentin" und der Hermann-Kolbe-Preis (für präklinische Arzneistoffentwicklung) sowie Ehren- und Anerkennungsurkunden (1).

Daneben gab es auch staatliche Auszeichnungen in der Pharmazie, die jedoch nicht nur an Apotheker, sondern ebenso an andere Mitarbeiter des Gesundheitswesens verliehen wurden und meist eine langjährige Berufsausübung belohnen sollten. Dies waren die "Medaille für treue Dienste im Gesundheits- und Sozialwesen" (18) und die Auszeichnung "Verdienter Mitarbeiter des Gesundheitswesens der Deutschen Demokratischen Republik" (2). Eine Anerkennung bedeutete in der DDR auch die Ernennung zum Pharmazierat und Oberpharmazierat durch den Kreis- oder Bezirksarzt, was mit keinerlei besonderen Aufgaben oder gesonderten Vergütungen verbunden war.

Regionale Medaillen in der DDR

Um einen Kontrapunkt zu den staatlichen Auszeichnungen zu setzen, bemühten sich einige aktive Apotheker auf regionaler Ebene um die Schaffung individueller Auszeichnungen. So entstand 1981 die "Ehrenmedaille des Rostocker Apothekenwesens", die allerdings nicht ausschließlich Pharmazeuten vorbehalten war (4). Sie wurde vielfältig verliehen als Stimulans für tüchtige Mitarbeiter, Anerkennung für Hilfe oder gute Zusammenarbeit mit Ärzten oder Persönlichkeiten anderer Bereiche und als beliebte Gratulationsgabe. Diese Auszeichnung überdauerte auch die Deutsche Einheit. Noch heute wird sie regelmäßig durch einen ihrer "Väter", Dr. Hans Feldmeier (geboren 1924), mit meist humorigen Worten (aber auch mindestens einem Satz in Latein) überreicht, so zum Beispiel vor wenigen Monaten an den scheidenden Präsidenten der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft.

Interessant erscheint die Tatsache, dass der Entwurf der Medaille gleichzeitig für Arztinformationen und Briefbögen des Pharmazeutischen Zentrums Rostock genutzt wurde. Im Beiheft zur Auszeichnung wurde zudem ausdrücklich auf die Notwendigkeit hingewiesen, im Sinne einer bürger- und patientenorientierten Pharmazie "den Gedanken pharmazeutischer Betreuung zu forcieren" (20).

In Erfurt gaben 1984 der Apotheker Jürgen Heßler und andere Mitglieder des "Collegium Pharmaceuticum Erfordiense" den Anstoß, eine regionale Auszeichnung zu schaffen (19). Zum 150. Todestag von Johann Bartholomäus Trommsdorff (1770 bis 1837) wurde 1987 eine Medaille aus hellem Ton mit dem Abbild des berühmten Erfurter Apothekers fertiggestellt, die später noch einem Bronzeabguss als Vorbild diente.

Mit hohen Ehren sparsam umgehen

Die deutsche Pharmazie würdigt herausragende Leistungen sowohl auf wissenschaftlichen wie auf standespolitischen Gebieten mit vielfältigen Auszeichnungen, Preisen und Medaillen. Meist sind diese nach hervorragenden Apothekern benannt - Apothekerinnen dienten leider bislang noch nicht als Paten. Wie das Beispiel der DDR zeigt, sollten Auszeichnungen jedoch nicht inflationär verliehen oder in großem Umfang neu geschaffen werden. Nur der sparsame Umgang sichert das Ansehen und eine gewisse Exklusivität des Preises und der Preisträger für hervorragende Verdienste im besten Wortsinn.

 

Quellen und Literatur

  1. DPhG, Mitgliederverzeichnis, Satzung, Statute, Ehrungen und Preise. Selbstverl. Frankfurt am Main 2000, S. 25 - 55.
  2. Eichhorn, A., Schröder, J. (Hrsg.), Zeittafel zur Geschichte der Pharmazie in der Deutschen Demokratischen Republik (1945 - 1986). Berlin 1986, S. 101.
  3. Feldmeier, H., Eine Medaille und ihre Entstehungsgeschichte. Dtsch. Apoth. Ztg. 138 (1998) 4909 - 4910.
  4. Feldmeier, H., Schümann, H., Zur Medaille des Rostocker Apothekenwesens. Pharm. Prax. 43 (1988) 156 - 157.
  5. Friedrich, C., Die Geschichte der ABDA von 1950 bis 2000. Govi-Verl. Eschborn 2000, S. 341 - 350.
  6. Gesellschaft für Arzneipflanzenforschung, 50 Years 1953 - 2003. A Jubilee Edition. Wiss. Verlagsges. Stuttgart 2003, S. 153; S. 170 - 171.
  7. Gittner, H., Insignia Pharmaciae. Pharm. Ztg. 95 (1950) 431 - 436.
  8. Gräser, F., Arnold, E., Pro Meritis. Zusammenstellung der vom Apothekerstand verliehenen Auszeichnungen. Pharm. Ztg. 117 (1972) 1541 - 1551; 2001 - 2005; 118 (1973) 1513 - 1525.
  9. Hein, W.-H., Schwarz, H.-D. (Hrsg.), Deutsche Apotheker-Biographie. 2 Bände u. 2 Ergänzungsbände. Wiss. Verlagsges. Stuttgart 1975 - 1997.
  10. Müller-Jahncke, W.-D., Apothekerbildnisse auf Medaillen und Plaketten. 1. Deutschsprachiger Raum. Wiss. Verlagsges. Stuttgart 1980.
  11. Nimmergut, J., Orden Europas. Weltbild Lizenzausgabe Augsburg 2003.
  12. Nimmergut, J., Deutsche Orden. Heyne-Verl. Ising 1979.
  13. Schmitz, R., 100 Jahre Deutsche Pharmazeutische Gesellschaft. Wiss. Verlagsges. Stuttgart 1990, S. 135 - 142.
  14. Schulz, M., Morck, H., Braun, R., Neues Apothekenprofil: Good Pharmacy Practice und Pharmaceutical Care. Pharm. Ztg. 138 (1993) 3191 - 3197.
  15. Staiger, C., Neues Ehrenzeichen für besondere Verdienste. Pharm. Ztg. 143 (1998) 1104.
  16. Statut der Pharmazeutischen Gesellschaft der DDR, Anlagen 1 und 2. Dort K(!)arl-Wilhelm Scheele.
  17. Tautz, G., Orden und Medaillen. Staatliche Auszeichnungen der Deutschen Demokratischen Republik. Leipzig 1983, S. 6.
  18. (wie 17), S. 81.
  19. Persönliche Mitteilungen von Gisela Ronneberger und Jürgen Heßler vom 4. 12. 2003 und 3. 1. 2004.
  20. Der 1993 als Übersetzung von Pharmaceutical Care etablierte Begriff Pharmazeutische Betreuung (15) wurde im deutschen Sprachraum mindestens seit 1981 benutzt. Vgl. Helmstädter, A., Klinische Pharmazie und Pharmaceutical Care - die Entwicklung patientenorientierter pharmazeutischer Dienstleistungen im 20. Jahrhundert. In: Friedrich, C., Müller-Jahncke, W.-D., (Hrsg.), Apotheke und Publikum. Die Vorträge der Pharmaziehistorischen Biennale in Karlsruhe vom 26. bis 28. April 2002. (Veröff. z. Pharmaziegesch., Bd. 3), Wiss. Verlagsges. Stuttgart 2003, S. 135 - 155, hier: 152.

 

  • Professor Dr. Christoph Friedrich, Marburg, zum 50. Geburtstag gewidmet.

 

Danksagung: Wir danken allen, die auf unsere Umfrage 2003 geantwortet haben. Zudem danken wir OPhR Dr. Hans Feldmeier für wichtige Hinweise sowie Andrea Mühlbacher und Dr. Hildegard Mauthner, LAK Hessen, für die Bereitstellung der Fotografie der Conrad-Moench-Medaille.

 

Die Autorinnen

Christiane Staiger studierte Pharmazie an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz. Der Approbation 1990 folgten Tätigkeiten in der öffentlichen Apotheke und bei der ABDA - Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände. Nach der Promotion in Pharmaziegeschichte (Philipps-Universität Marburg) ist sie heute für die Merck Selbstmedikation GmbH tätig.

Antje Mannetstätter studierte Pharmazie an der Martin-Luther-Universität Halle. Einem Industriepraktikum in der Schweiz und der Approbation 1992 folgten die Niederlassung als selbstständige Apothekerin in Floh/Thüringen und ein Aufbaustudiengang in Pharmaziegeschichte (Promotion an der Philipps-Universität Marburg). Sie ist Vorsitzende der Regionalgruppe Thüringen der Deutschen Gesellschaft für Geschichte der Pharmazie.

 

Anschriften der Verfasserinnen:
Dr. Christiane Staiger
Jean-Philipp-Anlage 24
63263 Neu-Isenburg
ch.staiger@gmx.de

Dr. Antje Mannetstätter
Tambacher Straße 44
98593 Floh-Seligenthal
arnifloh@t-online.de

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