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Rot/Grün will den Apotheker im Internet

27.11.2000  00:00 Uhr

VERSANDHANDEL

Rot/Grün will den Apotheker im Internet

von Thomas Bellartz, Berlin

Die stellvertretende Vorsitzende und gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Gudrun Schaich-Walch, legt den deutschen Apothekerinnen und Apotheker den Einstieg in den Internethandel nahe. Auf dem 5. Handelsblatt Gesundheitskongress Health 2001 in Berlin wurde die Politikerin am 28. November konkret.

"Wir sollten nachdenken, wie wir in Zukunft mit dem Internet umgehen. Die Apotheker sollten sich dort einbringen", forderte Schaich-Walch. Es sei prinzipiell besser, wenn man den Einstieg in den Internet-Arzneimittelhandel gemeinsam gestalten würde. "Ich hoffe, dass die Apotheker auf diesen Weg kommen." Schließlich sei dies besser, als dass "uns die europäische Ebene einholt".

Gegenüber der Pharmazeutischen Zeitung betonte Schaich-Walch, dass die Apothekerschaft von sich aus diesen Weg gehen müsse. Sie befürchte allerdings, dass eine europäische Rechtsprechung die jetzigen deutschen Regelungen ad absurdum führen werde. Im Gegensatz zum gesundheitspolitischen Sprecher der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Wolfgang Zöller, der den Internethandel vor dem Hintergrund der Arzneimittelsicherheit und auch mit Blick auf die Gefährdung von Arbeitsplätzen ablehnte, biete der Internethandel aus Sicht von Schaich-Walch neue Perspektiven.

Prüfen will die Frankfurter Politikerin auch, inwieweit die Absenkung der Mehrwertsteuer auf Arzneimittel zu einer Entlastung dieses Bereiches sorgen könne. Allerdings werde man dies nicht betreiben, um der Pharmaindustrie oder den Apothekern höhere Margen zu ermöglichen. Das ist eine der durchaus zentralen und immer wiederkehrenden Forderungen der Deutschen Apothekerverbandes (DAV); allerdings mit Blick auf die Schaffung neuer finanzieller Spielräume für die wirtschaftlich angegriffenen Apotheken.

Erwin Jordan, Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium, stimmte Schaich-Walch zu: "Ich freue mich, dass nun Apotheker erkennen, dass die Blockadepolitik nichts bringt." Wenn es den Apothekern "nicht gelingt, sich auf die Forderung nach neuen Vertriebsstrukturen einzustellen, dann werden sie ganz große Probleme haben, bis 2010 zu überleben". Es stelle sich nicht die Frage, ob man die Veränderung wolle oder nicht, "sondern ob man gefressen wird oder nicht".

Auf Nachfrage der PZ betonte der grüne Staatssekretär allerdings, dass man sich mit der Führung der Apothekerschaft noch im Dezember zusammen setzen werde und berate, was zu tun ist. Allerdings werde es wohl weder in diesem noch im kommenden Jahr zu der Einleitung eines Gesetzgebungsverfahrens mit dem Ziel der Einführung des Versandhandels kommen. Top

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