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Wolf für Honorarordnung

05.11.2001
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Wolf für Honorarordnung

von Christiane Berg, Goslar

Heinz Günter Wolf plädiert für eine ergänzende pharmazeutische Honorarordnung. Sie soll neben der Arzneimittelpreisverordnung die Abgeltung pharmazeutischer Dienstleistungen regeln, wenn diese nicht in direktem Zusammenhang zur "Hardware Arzneimittel" stehen, forderte der Vorsitzende des Landesapothekerverbandes Niedersachsen und ABDA-Vizepräsident auf dem Niedersächsischen Apothekertag am 3. November in Goslar. 

Wolf hatte im Vorfeld seine Thesen zur zukünftigen Rolle des Apothekers im Gesundheitswesen vorgestellt: 

  1. Die Apotheke stellt nach wie vor die Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln sicher.
  2. Mit modernen Telekommunikationsmitteln ist sie Anlaufstelle für alle Fragen rund um das Arzneimittel. 
  3. Der Apotheker und die Apothekerin begleiten Kunden und Patienten während der gesamten Medikationsdauer, egal ob im Rahmen von Pharmazeutischer Betreuung, Disease-Management-Programmen oder Selbstmedikation. 
  4. Der Apotheker verhilft dem Arzt zum Therapieerfolg durch Auswahl der Arzneimittel sowie durch seine umfassende pharmazeutische Tätigkeit und den Fachdialog.

Einmal mehr plädierte der LAV-Vorsitzende für den "vorgeschobenen HV-Tisch". Die Zahl der Single-Haushalte werde steigen. Deshalb können immer mehr Menschen bei Krankheit nicht auf die Hilfe ihrer Angehörigen vertrauen. Dabei ist allerdings der Arzneiversand keine Alternative, wenn ein Kranker ans Bett gefesselt sei: "Kann der Patient nicht mehr in die Apotheke kommen, so muss die Apotheke zum Patienten kommen", lautete die Zukunftsprognose von Wolf.

Prügelknaben

"Macht die Apotheke nicht kaputt." Wie Wolf wandte sich auch die Präsidentin der Apothekerkammer Niedersachsen, Magdalene Linz, gegen die Zerstörung des bewährten Apothekensystems durch weitere Sonderopfer. "Wieder einmal sollen wir Apothekerinnen und Apotheker als Prügelknaben für die Versäumnisse von Politikern herhalten, die es über Jahrzehnte nicht geschafft haben, eine wirkliche Reform des Gesundheitswesens durchzusetzen", kritisierte sie mit Verweis auf die derzeit geplanten Sparmaßnahmen des Bundesgesundheitsministeriums.

Die Apothekerkammer und der Landesapothekerverband Niedersachsen hatten zur Feier des 100-jährigen Jubiläums der Kammer in Goslar erstmals nach 25 Jahren den niedersächsischen Apothekertag wieder aufleben lassen und damit große Resonanz gefunden.

 

Kommentar: Moderator

von Dr. Hartmut Morck, Chefredakteur

Selbst die Vorstandsvorsitzende der AOK-Landesdirektion Niedersachsens, Christine Lüer, gestand in dem Berufspolitischen Diskussionsforum anlässlich des Niedersächsischen Apothekertages letzten Samstag in Goslar ein, dass die Gesetzliche Krankenversicherung ein Einnahmenproblem habe.

Eine Erkenntnis, die nicht jeder Krankenkassenvertreter teilen will. Denn es ist immer einfacher, über steigende Ausgaben zu klagen. Sie geben einem auch die Möglichkeit, Leistungserbringer als Kostentreiber zu diffamieren, und die Forderung zu stellen, die Ausgaben zu begrenzen. Die Politik folgt gerne dieser Forderung, da es bei den meisten Menschen gut ankommt, wenn Ärzten und Apothekern die Einkommen beschnitten werden. Das befriedigt den Sozialneid und bringt Wählerstimmen. Die augenblickliche Gesetzgebung mit dem Arzneimittelausgaben-Beschränkungsgesetz (AABG) spiegelt die Einstellung wider. Alle wissen, dass mit einer solchen Politik das Gesundheitswesen nicht gerettet wird. Sie bringt nur kurzfristige Erfolge, täuscht politisches Handeln vor, hat aber keine Langzeitwirkung.

Es ist unbestritten: Die Menschen werden älter, es erkranken mehr an Krebs, Alterskrankheiten nehmen grundsätzlich zu und der medizinische Fortschritt schreitet voran. Mit der solidarischen Finanzierung der GKV können die Zukunftsaufgaben des Gesundheitswesens nicht gelöst werden. Darin sind sich die Experten einig: Es wird Zeit, dass auch die Politik dies einsieht.

Die Mängel des Systems zeigen sich auch in der Forschung: Die Entwicklung neuer Arzneistoffe wird zum großen Teil über Steuer- oder Drittmittel finanziert. Die daraus gewonnenen Produkte werden aber den Kranken aus Kostengründen nicht zur Verfügung gestellt. Das ist schizophren. Wenn die neuen teuren Arzneimittel nicht finanziert werden können, dann könnte man konsequenter Weise gleich auf die Forschung verzichten. Aber auch das wäre selbstverständlich nicht akzeptabel.

Der einzige Ausweg ist eine Neuregelung der Finanzierung. Soll auch in der Zukunft eine leistungsfähige Medizin angeboten werden, muss der Einzelne mehr Verantwortung übernehmen. Ob neben der solidarischen Finanzierung eine kapitalfinanzierte Säule aufgebaut werden soll oder der Leistungskatalog in Grund- und Wahlleistungen unterteilt werden muss, ist dabei zweitrangig. Die Politik muss den Menschen klar machen, dass die GKV kein Selbstbedienungsladen mehr sein kann. Dazu gehört auch eine höhere Selbstbeteiligung. Die zukünftige Rolle der Apotheker im Gesundheitswesen hat Heinz-Günter Wolf, Vorsitzender des Landesapothekerverbandes Niedersachsen und Vizepräsident der ABDA, in Goslar in Thesen zusammengefasst. Danach wird der Apotheker beziehungsweise die Apotheke der Zukunft nicht nur die Arzneimittelversorgung der Bevölkerung sicherstellen, sondern auch Anlaufstelle in allen Gesundheitsfragen sein, den Patienten auch in Disease-Management-Programmen betreuen und somit zum Therapieerfolg beitragen. Der Apotheker wird also nach Wolfs Auffassung ein unverwechselbare und unersetzbare Rolle übernehmen. Er wird der Moderator des Gesundheitswesens werden.

 

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