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Experten befürchten Verschiebung der Gesundheitskarte

28.10.2002
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Experten befürchten Verschiebung der Gesundheitskarte

dpa  Für die Einführung einer elektronischen Gesundheitskarte für jeden Bürger existieren in Deutschland nach Einschätzung von Experten die technologischen und gesetzlichen Erfordernisse. Dennoch sei wegen der hohen Kosten mit dem Pass frühestens zum Ende der jetzigen Legislaturperiode zu rechnen, sagte der Vorstandsvorsitzende des Centrums für Angewandte Telemedizin Mecklenburg-Vorpommern (catmv), Frank Heydenreich, in Neubrandenburg.

Ein Telematiknetz im Gesundheitswesen würde die Kommunikation von stationärem und ambulantem Bereich erleichtern, indem zum Beispiel Befunde oder Röntgenbilder jederzeit verfügbar sind. Sie würde das schnelle Einholen von Spezialistenwissen ermöglichen und auch Patienten die Chance geben, sich auf elektronischem Weg zu informieren, sagte Carmen Sordyl, Leiterin der Landesvertretung der Techniker Krankenkasse. Damit wachse die Qualität und Effektivität der medizinischen Betreuung.

Seine Vision sei eine lebenslange Gesundheitsakte für jeden Bürger, wie sie derzeit in Australien eingeführt werde, sagte Heydenreich. Der Leiter der IQmed Beratung Frankfurt am Main, Stephan Schug, forderte eine bundesweite Gesundheitstelematik-Infrastruktur. „Die isolierte Einführung der Karte bringt uns nicht weiter“, sagte er. Das Bundesgesundheitsministerium müsse jetzt tätig werden.

Nach Ansicht von Hans-Martin Hoeck, Geschäftsführer des Klinikums Neubrandenburg, wäre die Finanzierung der Karte kein Problem, wenn die Krankenversichertenbeiträge allein für den gesetzlich vorgesehenen Zweck zur Verfügung stünden. Zu oft habe sich der Gesetzgeber in den vergangenen 15 Jahren aus dem Topf der Krankenkassen bedient, kritisierte er.  Top

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