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Me toos zur Kostendämpfung

20.10.2003
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Me toos zur Kostendämpfung

von Christina Hohmann, Bonn

Die oft als Scheininnovationen bezeichneten Analogpräparate gelten als Kostentreiber im Gesundheitssystem. Dies wird den Präparaten aber nicht gerecht. Eine Studie des IGES Institut für Gesundheits- und Sozialforschung zeigt: Oft sind Analoga die einzigen Wettbewerber zu den Originalen und tragen dadurch zur Kostenreduktion bei.

Oft werde kritisiert, dass Me toos keine Innovationen seien, aber der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) als patentgeschützte, teure Präparate zusätzliche Ausgaben bescheren würden, erklärte IGES-Geschäftsführer Dr. Bertram Häussler auf der 10. Jahrestagung der Gesellschaft für Arzneimittelanwendungsforschung und Arzneimittelepidemiologie (GAA) in Bonn. Aber die Analogpräparate hätten zum Teil deutliche therapeutische Vorteile gegenüber den Originalsubstanzen. Als Beispiel hierfür nannte Häussler die ACE-Hemmer. „Enalapril ist heute der Standard, nicht das Original Captopril.“ Je nach therapeutischem Nutzen bewerten und verordnen Ärzte die verschiedenen Analogwirkstoffe auch unterschiedlich. Während Me toos bei Antihistaminika wegen des großen therapeutischen Vorteils fast 100 Prozent des Marktes ausmachen, kommen sie bei den H2-Blockern nur auf einen Marktanteil von knapp 1,5 Prozent.

Auch den Kritikpunkt, bei Analoga handele es sich ausschließlich um Nachahmer, hält Häussler für nicht haltbar. Eine Analyse der ACE-Hemmer habe gezeigt, dass die verschiedenen Substanzen alle sehr zeitnah auf den Markt kamen – die Hälfte der Analogwirkstoffe wurden noch vor Markteintritt des Originals patentiert. Diese zeitliche Abfolge zeige, dass Me toos keine Nachahmer, sondern vielmehr Parallelentwicklungen seien, so Häussler.

Einsparpotenzial für Krankenkassen

Um die Bedeutung von Analoga für die GKV-Ausgaben zu untersuchen, ordneten Häussler und seine Mitarbeiter vom IGES alle Substanzen, die zwischen 1980 und 1988 neu auf den Markt kamen, in Wirkstoffgruppen ein und beobachteten deren Entwicklung von Marktanteil und Preis. Die Untersuchung zeigte, dass Me toos für den Wettbewerb entscheidend sind – in 30 Prozent der Wirkstoffgruppen waren sie die einzigen Wettbewerber zum Original. Sie tragen zur Kostendämpfung bei der GKV bei, indem sie entweder den Preis der Originalsubstanz drücken oder dem teureren Präparat Marktanteile abnehmen. „Ohne Analoga wäre es in vielen Fällen weder zu einem Preis- noch zu einem Qualitätswettbewerb gekommen“, sagte Häussler. Auf Grund der Kostendämpfung wären sie daher seiner Ansicht nach selbst dann sinnvoll, wenn sie keine therapeutischen Vorteile besäßen.

Auf den Einwand aus dem Auditorium, dass Analogpräparate nach Einführung von Generika die Kosten hoch hielten, entgegnete Häussler, diese Betrachtung sei zu einseitig. „Man darf nicht nur ab dem Zeitpunkt schauen, ab dem Generika auf dem Markt sind, man muss auch die Phase vorher berücksichtigen.“ Falls Analoga in der Vergangenheit verboten gewesen wären, hätte dies zu großen Verlusten der Krankenkassen geführt. Top

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