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Den Patienten als Partner gewinnen

15.09.2003  00:00 Uhr
FIP-Kongress

Den Patienten als Partner gewinnen

von Hartmut Morck, Sydney

Weltweit wird nach einer neuen Rolle des Apothekers gesucht. In der ersten Septemberwoche formulierte das FIP-Council, in dem alle Mitgliedsorganisationen mit einem Delegierten vertreten sind, ein Statement über die zukünftige Rolle des Apothekers in der Gesellschaft.

Dieses Statement soll im nächsten Jahr in New Orleans endgültig verabschiedet werden. In vielen Symposien des Kongresses in Sydney, insbesonders bei denjenigen, die von der Sektion „Community Pharmacy“ organisiert wurden, war dieses Thema ein Schwerpunkt.

Jean Parrot, FIP-Präsident, forderte in seiner Eröffnungsansprache anlässlich des 63. Internationalen Kongresses der Fédération Internationale Pharmaceutique (FIP) seine Kolleginnen und Kollegen weltweit auf, den Patienten zum Partner zu machen. Voraussetzung dafür sei ein aufgeklärter Patient. Darin sieht Parrot eine der Hauptaufgaben des Apothekers der Zukunft. Medikamente seien nutzlos, wenn der Patient nicht ausreichend informiert werde.

Aber nicht nur im Umgang mit Arzneimitteln sei Aufklärung notwendig, sondern auch im Kampf gegen den Missbrauch von Genussmitteln, wie Tabak oder Alkohol, sollten sich die Apotheker engagieren. Die Aktion gegen den Tabakkonsum, die zusammen mit der Weltgesundheitsorganisation ins Leben gerufen wurde, sei ein Beitrag der FIP, den Apotheker mehr in der Präventionsarbeit zu etablieren.

Die Berichte aus vielen Ländern belegten, dass Aktivitäten bereits entwickelt wurden und der Erfahrungsaustausch im Rahmen eines solchen Kongresses sehr wertvoll war. Gerade für die deutschen Apothekerinnen und Apotheker sei es wichtig, sich mit den Erfahrungen anderer Länder zu beschäftigen, betonte ABDA-Präsident Hans-Günter Friese im Leadership-Meeting. So hätten einige Länder die Veränderungen im Gesundheitswesen, die Deutschland noch bevorstehen, bereits vollzogen. Trotz der Systemveränderung im Gesundheitswesen, die zu mehr Konkurrenz führen wird, sieht Friese eine Chance für die individuell geführte Apotheke. Sie sei unabhängig und könne den Patienten kompetenter beraten und führen als eine allein auf kommerziellen Erfolg ausgerichtete Kapitalgesellschaft. Der Patient und Verbraucher würde diesen Vorteil erkennen und schätzen.

Dienstleistungen der Apotheke

Wie in den zurückliegenden Jahren seit 1992, als der Startschuss zur Pharmazeutischen Betreuung fiel, bot die „Community Pharmacy“- Sektion der FIP Workshops zum Thema „Wie professionelle Dienstleistungen durch die Apotheke implementiert, verbreitet und auch bezahlt werden können“ an. Die in Sydney im Rahmen der Serie „Continuing Professional Development Programme“ angebotenen Veranstaltungen sollten die Frage klären, mit welchen Techniken pharmazeutische Serviceangebote verbreitet werden können. Von deutscher Seite war Dr. Martin Schulz, Leiter des Zentrums für Arzneimittelinformation und Pharmazeutische Praxis (ZAPP) an der Planung und Durchführung der Plenarvorträge und Workshops maßgeblich beteiligt.

In einem Plenarvortrag stellte Schulz das Netzwerk der Qualitätszirkel als erfolgreichen Schritt zur Verbreitung professioneller Serviceangebote wie der Pharmazeutischen Betreuung vor. Das Netzwerk wurde schrittweise in Zusammenarbeit mit der Bayerischen Landesapothekerkammer etabliert. Schulz bedankte sich bei den Mitstreitern Jens Schneider, Helmut Schlager und Ute Müller für die hervorragende Zusammenarbeit. Die Idee war, über die Qualitätszirkel Erfahrungen mit Projekten zur Pharmazeutischen Betreuung in Deutschland und über die Grenzen mit Apothekern in den Niederlanden und der Schweiz auszutauschen.

Außerdem wollte man Ärzte und deren Mitarbeiter zur Kooperationen in solchen Projekten gewinnen und Erfahrungen aus den Studien und Projekten in die tägliche Praxis übertragen. Die Arbeit wurde Schritt für Schritt vorbereitet. Schulz berichtete, dass inzwischen in allen Bundesländern Projekte zur Pharmazeutischen Betreuung laufen und acht- bis zehnmal pro Jahr Treffen durchgeführt würden. Regionale Workshops und Konferenzen würden den Austausch erleichtern. Seit 1999 seien in Bayern 17 Qualitätszirkel mit acht bis 20 Teilnehmern von Offizinapothekern gegründet worden. Die Teilnehmer erhalten für Ihre Arbeit Fortbildungspunkte. Finanziell werde die Arbeit unter anderem durch die Lesmüller-Stiftung unterstützt, die auch die Entwicklung einer Interaktionskarte bei Antibiotika finanziert habe. Diese habe inzwischen auch bei Ärzten eine hohe Beliebtheit erlangt. Weitere Projekte zu Bluthochdruck, Schmerz, Husten und Erkältung und Antikoagulantienzen seien in Bayern bereits geplant. Der Qualitätszirkel in Augsburg habe eine Sechsmonatsstudie zum Typ-2-Diabetes durchgeführt. 72 Prozent der arzneimittelbedingten Probleme konnten gelöst werden, was vergleichbar war mit einer strukturierten Studie zur Pharmazeutischen Betreuung in Baden-Württemberg. Die Etablierung der Qualitätszirkel wertete Schulz als vollen Erfolg für die Etablierung pharmazeutischer Dienstleistungen. Als internere Qualitätssicherungsmaßnahme plane man so genannte „Pseudo customer approaches“, um den Kolleginnen und Kollegen zu helfen und ihnen mehr Sicherheit bei ihrer Beratung zu geben. Top

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