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Versandhandel schwächt die Apotheken

05.08.2002
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Versandhandel schwächt die Apotheken

von Daniel Rücker, Eschborn

Der Heidelberger Dr. Karl A. Lamers (CDU) ist seit 1994 Mitglied des Deutschen Bundestages. Als Mitglied des Parlamentskreises Mittelstandspolitik liegt ihm aber auch die Gesundheitspolitik am Herzen.

PZ: Was halten Sie von den Plänen der Bundesregierung, den Versandhandel mit Arzneimitteln zu legalisieren?

Lamers: Den Vorschlag, Internethandel mit Medikamenten zuzulassen, lehne ich strikt ab. Das Versandhandelsverbot von Arzneimitteln in Deutschland dient in erster Linie dem Verbraucherschutz. Arzneimittel sind schließlich nicht irgendwelche Konsumgüter. Sie bedürfen einer fachmännischen Beratung, die nur in der Apotheke gewährleistet ist. Angesichts der vielfältigen rechtlichen Auflagen, denen die Apotheken unterliegen, sind sie ein Garant für die Arzneimittelsicherheit. Über das Internet droht in etlichen Fällen die Gefahr der Versendung von unwirksamen oder gar gefälschten Medikamenten. Hier sind nicht nur die berechtigten Interessen der Verbraucher berührt, sondern zusätzlich auch die Gesundheit der Patienten. Deshalb ein klares Nein zum Versandhandel.

PZ: Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt will faire Wettbewerbsbedingungen zwischen Versandhändlern und öffentlichen Apotheken schaffen. Halten Sie das für realistisch?

Lamers: Ein fairer Wettbewerb ist beim Versandhandel mit Arzneimitteln nicht gegeben. Die Befürworter wollen – so deren Aussage – chronisch kranke Versicherte mit hohem Arzneimittelverbrauch durch Versandhandel versorgen lassen. Die Akutversorgung solle jedoch weiterhin durch öffentliche Apotheken geleistet werden. Die aufwendige, kostenintensive Arbeit hätten also die Apotheken, das einfache und schnelle Geschäft würde der Versandhandel machen. Das wäre Rosinenpickerei und Wettbewerbsverzerrung. Allen Beteiligten muss klar sein, dass die traditionelle Apotheke von der Akutversorgung allein nicht leben kann. Unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten sind zwangsläufig höhere Kosten die Folge, insbesondere bei Nacht- und Notdiensten, Rezepturen, niedrigpreisigen Medikamenten und der pharmazeutischen Beratung.

PZ: Ist die Forderung nach Versandhandel mit dem auch von der Bundesregierung erklärten Ziel vereinbar, den Mittelstand zu fördern?

Lamers: Ganz und gar nicht. Die Forderung nach Versandhandel mit Medikamenten schwächt den von der Bundesregierung in vielerlei Hinsicht ohnehin benachteiligten Mittelstand, in diesem Fall die rund 21.500 selbstständigen Apotheken, noch weiter. Mittelstand ist Leistungs- nicht Lastenträger. Die Apotheker brauchen keine Versprechungen und schöne Worte, sondern vernünftige Rahmenbedingungen. Das derzeitige Versorgungssystem mit Arzneimitteln in Deutschland ist effizient und sicher. Und das muss auch in Zukunft so bleiben.

PZ: Wie könnte man die Arzneimittelversorgung in Deutschland noch effizienter gestalten?

Lamers: Bei allen Diskussionen um Strukturveränderungen müssen die Besonderheiten der Arzneimittelversorgung unbedingt berücksichtigt werden. Eine weitgehende Liberalisierung des Arzneimittelvertriebs, der die heutige öffentliche Apotheke zu einem rein betriebswirtschaftlichen Verteilungskanal unter vielen degradiert, kann und darf nicht das Ziel sein. Vielmehr sollte die derzeitige ambulante Arzneimittelversorgung zu einem ganzheitlichen Versorgungskonzept, das den Patienten bis an das Krankenbett bedarfsgerecht berät und betreut, ausgebaut werden. Begrüßenswert ist die Initiative der Apotheker, das Internet als Medium der Kommunikation für sich zu nutzen und damit dem Verbraucher die Möglichkeit zu geben, sich über Arzneimittel, Erkrankungen und das Leistungsspektrum der einzelnen Apotheke umfassend zu informieren. Top

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