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Frauengesundheit wird Thema im Parlament

07.08.2000  00:00 Uhr

-PolitikGovi-Verlag

Frauengesundheit wird Thema
im Parlament

von Ute Burtke, Berlin

Rund zwei Drittel aller Medikamentenabhängigen in Deutschland sind Frauen. Bislang ist allerdings kaum erforscht, welche Ursachen es dafür gibt, welche spezifischen Wirkungen Medikamente auf Grund der unterschiedlichen Hormonsituation bei Frauen und Männern hervorrufen. Auf dieses Defizit machten die Bundestagsabgeordneten Helga Kühn-Mengel (SPD) und Irmingard Schewe-Gerigk (Bündnis 90/Die Grünen) in Berlin aufmerksam. Sie stellten einen gemeinsamen Antrag "Frauenspezifische Gesundheitsversorgung" vor, der nach der Sommerpause ins Parlament eingebracht wird.

Frauen erkranken anders als Männer. Auch bei höherer Lebenserwartung müssen spezielle Risiken gesehen und berücksichtigt werden, heißt es im Antrag. Etwa doppelt so viele Frauen wie Männer leiden an Depressionen und rheumatoider Arthritis. Frauen sind sensibler gegenüber Störungen ihres Körpers, und es werden bei ihnen signifikant häufiger psychosomatische und funktionelle Beschwerden diagnostiziert. Häufig und früher erkranken und sterben Männer an Herzinfarkt; aber die Letalität bei den unter 50-jährigen Patientinnen ist höher als bei Männern.

Frauen bekommen oft veraltete Kombipräparate

Untersuchungen haben gezeigt, dass bei der gleichen Diagnose und bei vergleichbaren Behandlungen, zum Beispiel beim Herzinfarkt, Männern und Frauen unterschiedliche Arzneimittel verschrieben werden. "Frauen werden im Gegensatz zu Männern oft mit veralteten Kombipräparaten mit einem hohen Anteil an Beruhigungsmitteln behandelt. Dies trägt mit dazu bei, dass es trotz der hochspezialisierten Medizin in Deutschland zu vergleichsweise schlechten Behandlungsergebnissen bei akuten Krankheiten kommt", schätzte Irmingard Schewe-Gerigk ein.

Die Fraktionen von SPD und Bündnis 90/Die Grünen fordern vor allem, eine kontinuierliche Berichterstattung über die gesundheitliche Situation von Mädchen und Frauen. Vorhandene und zu erbringende Daten müssten dazu in einer Datenbank zusammenlaufen, die beim Bundesgesundheitsministerium angesiedelt sein könnte. Der Karriereverlauf in Medizin- und Gesundheitsforschung zu Ungunsten von Frauen müsse abgebaut werden.

Lehre und Forschung müssen die nötige wissenschaftliche Grundlage schaffen, um eine frauenspezifische Gesundheitsversorgung zu etablieren, lautet eine weitere Forderung.

Die Abgeordneten räumten ein, dass eine Vielzahl von Vorhaben mit frauenspezifischer Relevanz bereits von verschiedenen Ministerien gefördert werden, zum Beispiel die Förderung der Studie des Robert-Koch-Instituts "Versorgungszustand mit Folsäure von Frauen im gebärfähigen Alter" oder das Projekt der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung "Geschlechterbezogene Suchtprävention" durch das Bundesgesundheitsministerium. Trotz dieser Projekte bestehe weiterer dringender Handlungsbedarf.Top

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