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Kooperation dm und Europa-Apotheek bereits vor dem Aus?

05.07.2004  00:00 Uhr

Kooperation dm und Europa-Apotheek bereits vor dem Aus?

von Daniel Rücker, Eschborn

Die Bundesregierung lehnt es ab, dass Supermarktketten zu Rezeptsammelstellen werden. Auf Nachfrage des CDU/CSU-Bundestagsabgeordneten Jens Spahn erklärte die parlamentarische Staatssekretärin Marion Caspers-Merk: „Die Bundesregierung sieht diese Entwicklung sehr kritisch. Mit gutem Grund untersagt das Apothekenrecht, Rezepte in gewerblichen Betrieben zu sammeln.“

Arzneimittel seien Güter besonderer Art. Die Beratung sei Bestandteil der Arzneimittelabgabe, so Caspers-Merk weiter. Es spreche gegen die Arzneimittelsicherheit, wenn dem Bürger vermittelt werde, dass er Arzneimittel ebenso wie Gemüse, Fotoarbeiten oder Genuss- und Gebrauchsmittel im selben Geschäft kaufen könne. Die Länder seien nun dazu aufgerufen, geeignete Maßnahmen zur Gewährleistung der Arzneimittelsicherheit einzuleiten.

Damit dürften die Tage der Zusammenarbeit der Drogeriemarktkette dm und der Europa-Apotheek in Venlo gezählt sein. Diese hatten vor einigen Tagen verkündet, Patienten könnten ab sofort in ausgewählten dm-Testfilialen ihre Arzneimittel-Rezepte in einen Kasten werfen. Die Medikamente sollten über die Europa-Apotheek ausgeliefert werden. Verband und Kammer Nordrhein hat unmittelbar nach der Veröffentlichung der Kooperation angekündigt, gegen die nach ihrer Einschätzung illegalen Rezeptsammelstellen vorzugehen.

Etwas sorgloser geht die Bundesregierung allerdings mit der Arzneimittelsicherheit bei ausländischen Versandapotheken um. Denn auch mehr als ein halbes Jahr nach der Einführung des Versandhandels mit Arzneimitteln, gibt es für die Verbraucher keine verlässlichen Informationen, in welchen EU-Staaten der Versandhandel nach Sicherheitsstandards abläuft, die den deutschen Anforderungen vergleichbar sind. Eine entsprechende Anfrage von Spahn beantwortete die parlamentarische Staatssekretärin eher gequält. Der Bundesrepublik lägen bislang nicht aus allen EU-Staaten Informationen zum Versandhandel vor. Dies sei aber die Voraussetzung zur Erstellung einer Liste mit Staaten, in denen der Arzneiversand auf hohem Qualitätsniveau angesiedelt ist. Vor allem die EU-Osterweiterung habe bislang bremsend gewirkt.

Allzu große Bedeutung misst Caspers-Merk dieser Liste ohnehin nicht zu. Sie sei zwar eine Information für die Patientinnen und Patienten, aber sicherlich nicht notwendig, „um den Versandhandel zu erlauben“. Dieser sei auch ohne die Liste aus dem Bundesgesundheitsministerium zulässig. Top

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